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Leserbriefe zu vegetarischen Häppchen: Reaktionen zu vegetarischen Häppchen im Aachener Rathaus

Leserbriefe zu vegetarischen Häppchen : Reaktionen zu vegetarischen Häppchen im Aachener Rathaus

Die Zuschriften unserer Leserinnen und Leser zum Fleischverzicht bei Empfängen im Aachener Rathaus reißen nicht ab. Eine Auswahl.

Nach wie vor erreichen uns viele Zuschriften zu den vegetarischen Häppchen bei Rathaus-Empfängen.

Axel Müllers schreibt:

Ich gebe zu – ich habe die kulinarische Versorgungssituation im Rathaus kolossal unterschätzt. Es müssen Berge von Fleischbrocken sein, die dort euphemistisch als „Häppchen“ kredenzt werden, das sprichwörtliche „halbe Schwein auf Toast“. Es ist nur konsequent, wenn das Rathaus dem völlerischen Treiben ein Ende setzt, um das Klima zu retten. Spätrömische Dekadenz ade. Oder ist es wieder einmal mehr nur „virtue signalling“, also das mit Demut aber dennoch stolz geschwellter Brust zur Schau getragene „seht her, wir tun etwas Gutes“, mit dem Frau Keupen und ihre Entourage dem einfachen Bürger zeigen, dass im Rathaus vielleicht nicht gute, aber eben doch die besseren Mensch:innen walten? Das Ganze ist so furchtbar kindisch wie langweilig.

Auch Dirk Bourceau hält nichts vom Fleischverzicht:

„Kappes statt Puttes! Was sich so flapsig anhört, ist leider Teil einer echten Provinzposse. Im Aachener Rathaus darf ab sofort nur noch vegetarisch diniert werden. Da wackelt also mal wieder der Schwanz ganz heftig mit dem Hund, wenn 10 Prozent bestimmen, was 90 Prozent essen dürfen.

Leider ist diese sinnbefreite Entscheidung unserer Stadtoberen, allen voran die Oberbürgermeisterin, nicht die einzige politische „Glanzleistung“, die man aktuell der Presse entnehmen muss.“

Uwe Barthel geht der Beschluss „erheblich zu weit“:

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Damen und Herren das falsche Zeug rauchen. Zuerst werden die Straßenlaternen, die das Stadtbild verschönern, gegen hässliche neue Laternen ausgetauscht, dann wird der Standort der Hütte 16 verboten, und jetzt werden nur noch vegetarische Häppchen im Rathaus serviert. Bei allem Verständnis für den Klimaschutz, aber das geht doch erheblich zu weit. Natürlich sollen die Vegetarier nicht auf ihre Salatblättchen verzichten, aber die große Mehrheit bevorzugt immer noch die Fleischvarianten.

Für Doris Seeliger ist dies ein weiterer „Schildbürgerstreich“:

Schon wieder Schildbürgerstreiche der Stadtverwaltung: Nachdem das Degustino in Burtscheid nach langem Ringen nun doch wieder die Außengastronomie fortführen darf, muss Herr Metzgermeister Gerrads seine Hütte 16 nach neuesten Erkenntnissen der Stadtverwaltung entweder auf dem Weihnachtsmarkt platzieren oder ganz darauf verzichten. Verzichten muss er auch – und weitere Kollegen der Aachener Metzgereien – auf die Lieferung von Fleisch für „Häppchen“ die auf offiziellen Empfängen der Stadt gereicht werden. Hier werden nur noch vegetarische Canapes angeboten. Das kann doch wirklich nicht wahr sein. Wer schreibt denn hier wem vor, was er essen muss? Und das unter dem Deckmäntelchen „der Umwelt zuliebe".

Ganz anders sieht das Michael Wallbaum:

Die Entscheidung des Verwaltungsvorstands ist richtig und wichtig. Wer in den letzten Wochen draußen unterwegs war weiß, dass die Klimakrise bei uns sichtbar angekommen ist. Unser Fleischkonsum ist einer der Treiber für die Erderwärmung und wenn wir das Schlimmste noch abwenden wollen, dann müssen wir unseren Konsum drastisch reduzieren. Damit ist der Beruf des Fleischers ebenso dem Untergang geweiht, wie vormals der des Dampfschiffheizers, des Schreibmaschinenmechanikers oder des Abtrittanbieters. Das ist individuell tragisch, aber menschheitsgeschichtlich nicht einmalig. Jene, die sich über fleischfreie Häppchen aufregen, leben in einer Simulation von Normalität, die es nicht mehr gibt. Zeit aufzuwachen.

Herr Esser, packen Sie sich für den nächsten Termin im Rathaus einfach einen Mettigel ein - und beschäftigen Sie sich lieber mit Aachener Klimapolitik.

Michael Mahr hat Verständnis für die Aufregung einiger Menschen:

„Dieser Tage der Hinweis, dass die Stadt Aachen jetzt nur noch vegetarisch ihre Gäste bewirten möchte. Ein Aufschrei! STOP! Diese Menschen sind zu entschuldigen, denn dazu muss man sich die Gesamtsituation ansehen. Selten zuvor gab es so viele zum Teil schreckliche Dinge zu erfahren und mitzuerleben, wie Ukraine-Krieg, Pandemie, Energieknappheit und damit verbunden, erheblich beengter Geldbeutel; allein die Inflation, aber auch Probleme bei den Lieferketten… Jedes einzelne Problem hat die Menschen in einer Art und Weise – und das zum Teil bereits seit Jahren – so geprägt und vor allen Dingen belastet, dass sie psychisch an diesen Problemen zusammenbrechen.“

Guy Grohé weist darauf hin, dass der Klimawandel nicht vor den Toren des Rathauses anhält:

„Ein Aufschrei geht durch Aachen. Wahrscheinlich hat sich Karl der Große in seinem Grab mehrfach gedreht, als er am Samstag aus der Zeitung erfuhr, dass in seiner Pfalz (vulgo: dem Rathaus) die Vegetarier die Macht übernommen haben. 1200 Jahre Festgelage mit deftigem Fleisch im Krönungssaal einfach so mit einem Federstrich willkürlich abgeschafft!

Ihr Autor, Herr Esser, gibt auch gleich den entsprechenden Ton vor: Es handelt sich klar um eine Bevormundung. [...] Veränderungen tun weh, aber der Klimawandel hält leider nicht vor den Toren des Rathauses an. Es gibt zum Glück noch Menschen, die nach innovativen Lösungen suchen,statt um Traditionen zu kreisen.“

German Rössle sieht das ähnlich:

„Man kann sich nur wundern, dass sinnvolle Beiträge zum Klimaschutz von manchen Personen als "ideologisch" abgetan werden. Es scheint noch nicht bei allen angekommen zu sein, dass es gerade aus pragmatischen Gründen lobend anzuerkennen ist, dass die Stadt Aachen bei offiziellen Empfängen im Rathaus die Gäste vegetarisch beköstigen möchte. Ein Beitrag zur Verringerung des Fleischkonsums als "Bevormundung" abzustempeln ist ähnlich absurd wie die Behauptung, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Straßen habe keinen Einfluss auf den Spritverbrauch und sei daher ideologisch. Beiden Aussagen stehen wissenschaftlich/physikalische Erkenntnisse entgegen, nach denen wir uns tunlichst orientieren sollten, wenn wir (d.h. jeder von uns) einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten.“

Für Pascal Drießen ist das zu kurz gegriffen:

„Sicher kann man über Intensitäten in der Viehhaltung reden und sicher muss man kein Eiweißfutter aus Südamerika einsetzen, aber deswegen den Fleischkonsum mit dem Totschlagargument „klimaschädlich“ zu brandmarken ist schlimmste Ideologie. Neben regionalerzeugtem Fleisch sei Wildbret genannt, das Sie beim Jäger Ihres Vertrauens kaufen können und das nicht im Geringsten für den Klimawandel verantwortlich ist. Aber sachliche Argumente liegen der grünen Zunft fern und so verspeist man lieber Avocados, Mangos und Chiasamen, ganz umweltfreundlich in Südamerika produziert.“