Aachen: Rauschende Premiere von „Der Rattenfänger” in der Kinderoper

Aachen: Rauschende Premiere von „Der Rattenfänger” in der Kinderoper

Als der Rattenfänger in seinem weißen Gewand mitsamt seiner Flöte auf der Bühne nach dem Ende der Aufführung noch einmal nach vorne trat, brach in der Erlöserkirche in Brand ein Jubelorkan aus.

Tosender Applaus als Anerkennung für eine brillante schauspielerische Leistung, der Liebling der Massen war schnell gefunden - der Rattenfänger.

Das war während des von der Kinderoper Brand aufgeführten Stücks „Der Rattenfänger” nicht ganz der Fall. Im Gegenteil: Der geheimnisvolle Fremde, der die Stadt Hameln einer alten Sage nach 1284 durch seine wundersame Flötenmusik von einer lästigen Rattenplage befreite und eigentlich als Held hätte gefeiert werden sollen, wurde nach getaner Arbeit mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt und vor die Tore der Stadt befördert.

„Ihr habt mich belogen, betrogen, vertrieben und wie einen Unbekannten verleugnet”, klagt er, nachdem die Bezahlung für seine Dienste ausblieb. Zornig und tief enttäuscht lockt er daraufhin alle Kinder aus der Stadt, „damit Ihr aus der Demonstration solcher Schmerzen und Ungerechtigkeit lernt.”

Die Geschichte des mysteriösen Fremden, um den sich zahlreiche Gerüchte ranken, wurde von der Brander Kinderoper in völlig neuem Gewand aufgeführt. „Hier singen Kinder für Kinder”, verdeutlicht Günther Kerkhoffs, der das Stück am Klavier begleitete. „Das ist das Entscheidende.” Rund 70 Kinder aus den drei Brander Grundschulen spielten und sangen auf der Bühne als Schuster, Schmied, Bauer, Schneider oder begleiteten das Stück im Orchester. „Die Abstimmung zwischen Bühne und Musik war phänomenal”, so Kerkhoffs nach der rauschenden Premiere.

Auch Alfred Rumbach, der für die Produktion verantwortlich zeichnet, findet, dass das Stück keineswegs an Aktualität verloren hat: „Dies ist eine Oper um Lügen, Verführung und Fremdenfeindlichkeit. Es soll auch zum Nachdenken anregen.”

Der ursprünglichen Sage nach lockte der Rattenfänger die Kinder auf Nimmerwiedersehen aus der Stadt. In der Brander Inszenierung kehren sie am Schluss zusammen mit dem Helden auf die Bühne zurück, was „als Warnung vor der Gleichgültigkeit gegenüber Fremden im übertragenen Sinne gemeint sein soll”, wie Rumbach verdeutlicht. Erst jetzt erweisen die Bürger der Stadt dem Rattenfänger seinen verdienten Dank.

Nach unzähligen Versionen, Gedichten und Theaterstücken über den Fremden also eine Aufführung mit einem richtigen Happy End. Das freut schließlich nicht nur den Rattenfänger.

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