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Aachen: „Rattenklatschen”: Schulversager treffen auf Lehrerfrust

Aachen : „Rattenklatschen”: Schulversager treffen auf Lehrerfrust

Rattenklatschen - das ist eine Art Hobby von Ben und seinen Kumpels. Selten schaffen es die Halbwüchsigen, eines der Nagetiere bei den Müllcontainern auf dem Schulhof mit einer Eisenstange zu treffen. Gelingt es doch, stellt sich die Frage: Was macht man nun mit dem halbtoten Tier?

Der vermeintliche Scherz ist Ausgangspunkt für einen intensiven Dialog zwischen Schulversager und desillusionierter Pädagogin mit eigenen Problemen. Es geht um Vertrauen und Verrat, Zuneigung und Ablehnung und die beiden verschiedenen Welten, in denen Jugendliche und Erwachsene zu leben scheinen. „Schön, dass Du mir vertraust. Ich vertraue Dir nicht”, sagt Lehrerin Saskia in „Rattenklatschen”. „Ein schnell dahin gesagter Satz, der so viel zerstören kann”, glaubt Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters. Er hat das Zwei-Personen-Stück von Esther Rölz in das Programm der Kinder- und Jugendsparte „Greta” aufgenommen.

Nah an der Realität

„âRattenklatschen´ ist sehr modern und nah dran an der Realität. Auf der Bühne geschieht das, was auch tatsächlich zwischen den Generationen ablaufen kann, wenn man zu wenig miteinander redet und zu wenig voneinander weiß”, meint Brandt.

Ab damit auf das Brötchen der vegetarisch essenden Biolehrerin. Regisseurin Mona Brinkmann - sie gibt mit „Rattenklatschen” ihr Regiedebüt - legt ihr Hauptaugenmerk auf die diffizile Beziehung zwischen Schüler und Lehrerin. Gespielt wird einzig und allein im - karg ausstaffierten - Klassenzimmer.

Nah dran am Zuschauer „geht es direkt unter die Haut”, beschreibt Dagmar Bach, Englisch-Lehrerin und Leiterin der English-Drama-Group am Kaiser-Karls-Gymnasium (KKG), wo „Rattenklatschen” am Montag, 4. Oktober, um 11 Uhr im Theatersaal Premiere feiert. Vier weitere Vorstellungen gibt es hier vom 5. bis 8. Oktober jeweils um 11 Uhr.

Raphael Fachner, Absolvent der Theaterschule Aachen, übernimmt die schwierige Rolle des Ben. „Vielleicht sind einige Jugendliche abgeneigt, weil man ihnen mal wieder zeigen will, wie sie so drauf sind”, überlegt der 27-Jährige. „Doch das Stück ist anders. Es gibt kein schwarz-weiß.” Nika Wanderer - sie spielt die Lehrerin - ergänzt: „Es gibt keinen pädagogischen Zeigefinger. Und am Ende bleiben Fragen offen.”

Diskussionen sind also erwünscht. Das ist typisch für „Greta”-Produktionen. Dafür wird es nach den Vorstellungen reichlich Zeit geben. Auch vor und nach den Aufführungen steht das Grenzlandtheater parat - in Person der Theaterpädagogin Monika Reichle. Sie kommt selbst in die Schulen oder stellt Begleitmaterial zur Verfügung (siehe Info).

Fast verpönt

Dass Theater in die Schulen kommt, wird nach Ansicht des Schulleiters des Kaiser-Karls-Gymnasiums, Dr. Paul-Wolfgang Jaegers, immer wichtiger. Ein Theaterbesuch sei bei vielen Schülern fast verpönt. „Es riecht für sie nach Bildungselite und schwerer Kost”, erklärt er. „Es ist gut, wenn der Berg dann zum Propheten kommt.” Das Bewusstsein, dass es wichtig ist, dafür auch Geld aufzubringen, vermisse er allerdings bei vielen Eltern und Schülern. Die Geschichte über die Beziehung von Lehrern und Schülern bietet sich als Einstieg durchaus an...