Aachen: RapSodie von „Schwester Mond“ im Mörgens

Aachen: RapSodie von „Schwester Mond“ im Mörgens

Das Folgeprojekt der Jugendclub-Produktion „Jukebox Youth“ (2014) mit Unterführer Florian Denk präsentiert fünf Frauen zwischen 18 und 21 Jahren. Jung sind sie und gleichzeitig „ein System auf Zeit. Und die Zeit läuft…“ Jetzt war die Premiere.

Inmitten der Bühne liegen haufenweise „fetzige“ Kleidungsstücke, denn „Mode ist ein Lebensziel!“ Die „aalglatten“ Mädels wollen nächtens „Glamour kriegen“. Was sie vereint, sind „Champagner und Schnittchen“, doch hinter der lässigen Show mit Rap, Chartsmusik und Slam Poetry vermeint man noch anderes zu erspüren. Sie alle sind „Superstars“, vielleicht nur für diese eine Nacht. Das T-Shirt mit dem Abbild des unsterblichen James Dean passt ebenso in die wilde Szenerie wie die eigenen Liedtexte („Ich bin wunderschön, ich weiß es“). Tüten auf dem Kopf und Verschiebung der Grammatik sind lustig, aber noch mehr Biss haben die gegenseitigen Beurteilungen der wilden Fünf.

Beim Make-up kann frau sich richtig aufmachen und Drogen nehmen im silbrigen Mondlicht. „Wir sind superkrass“ und sind „Stadtmädchen in der ruhelosen Flut.“ Das erinnert zuweilen an die großartige Autorin Irmgard Keun, die in ihren Großstadtromanen junge wagemutige Frauen beschrieb. Da passt auch der „Glückwunsch“ zu einem besonderen Gewinn: „Sie hat ein Gesicht gewonnen!“ Auch ironische Wortspiele wie „Bitte nehmen Sie eine Identität an!“ oder bekannte Werbesprüche wie „Ich will so bleiben wie ich bin“ und „Schrei vor Glück oder schick´s zurück“ kommen gut an.

Ebenso verrückt wie weise kommen die fünf Frauen ´rüber und den begeisterten Zuschauern ganz nahe. Ein starkes „Rollenspiel“ mit Streit und „Weiberhysterie“ trifft auf Zerreißproben zwischen Schwäche und Stärke. Lacher des Publikums treten nicht nur bei dem Spruch „Hauptsache, dass wir nicht Mitte 30 sind“ auf. Kann frau stark und zugleich zerbrechlich sein? Die Clique im Mörgens beweist es — und erntet Riesenapplaus! Danke, Freya Isselstein, Maren Küpper, Kerstin Oppermann, Pia Schön und Vanessa Wittig.

Mehr von Aachener Zeitung