Aachen: Räuber muss für sechs Jahre hinter Gitter

Aachen: Räuber muss für sechs Jahre hinter Gitter

Sechs Jahre Haft kassierte am Dienstag ein 27-jähriger Mann aus Mainz, der in Aachen zwei Spielotheken überfallen hatte. Wegen schweren Raubes und Freiheitsberaubung verurteilte ihn die 9. Große Strafkammer am Aachener Landgericht zu der vergleichsweise hohen Strafe.

Der Angeklagte Nils H. hatte erst spät im Verfahren ein Geständnis abgelegt und war bereits einschlägig wegen Raubes vorbestraft, wie die Vorsitzende Richterin Melanie Theiner in ihrer Urteilsbegründung ausführte.

Täuschend echte Pistole

Nils H. hat nach den Feststellungen der Kammer am 14. Januar morgens gegen 10 Uhr eine Spielothek auf dem Adalbertsteinweg überfallen. Er habe der Aufsichtsperson eine täuschend echt aussehende Pistole vor die Nase gehalten und die Frau aufgefordert, ihm das ganze Geld aus der Kasse zu geben. Das waren immerhin 550 Euro, die er mitgehen ließ. Danach habe er die bedrohte Frau in die Herrentoilette gesperrt. Dort habe sie um ihre Gesundheit fürchten müssen, führte Theiner aus, da die Frau Zuckerkrank sei und sich ihr Diabetes-Besteck auf der Theke der Spielothek befunden habe.

Der zweite Überfall am 20. Januar gegen 19 Uhr in der Borngasse sei dann völlig aus dem Ruder gelaufen, die dortige Aufsichtsperson habe sich zur Wehr gesetzt und den Räuber zur Flucht gezwungen. Wieder habe er die unechte Pistole vorgehalten und die Frau aufgefordert, die Kasse zu öffnen. Man habe dort kein Bargeld, hatte die geantwortet. Als er auch diese Angestellte wegsperren wollte, habe sie sich gewehrt und den Alarmknopf gedrückt.

H. sei zunächst in Richtung Wilhelmstraße geflüchtet, sei aber dort von einem aufmerksamen Zeugen überwältigt und solange festgehalten worden, bis die Polizei kam. Selbst die Polizei habe die vermeintliche Schusswaffe zunächst für echt gehalten, der eintreffende Beamte habe sie dem Räuber aus dem Hosenbund genommen und sie sodann in dem Streifenwagen eingeschlossen.

„Bewusst entschieden“

Nils H. hatte angegeben, eigentlich zu der Mutter seines neugeborenen Kindes in die USA ziehen zu wollen, dorthin war die Lebensgefährtin im Sommer 2016 ausgewandert. Doch er habe die Kurve nicht bekommen und sei wieder in die Kriminalität abgerutscht. „Sie haben bewusst ihr bürgerliches Leben aufgegeben, sie hatten eine Wohnung und einen Job“, hielt ihm die Richterin vor, außerdem habe er noch unter Bewährung gestanden, als er die Taten beging.

Hier müsse, so Theiner, ein deutliches Zeichen gesetzt werden, da sich Nils H. anscheinend über die Gesetze hinwegsetze und sich den Justizbehörden „überlegen“ fühle. Sie bestätigte den bestehenden Haftbefehl, Nils H. bleibt also hinter Gittern.