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Aachen: Rätsel um ein „Prunkfundament“ unter dem Marktpflaster

Aachen : Rätsel um ein „Prunkfundament“ unter dem Marktpflaster

Liegt der „Arme-Sünder-Stein“, der ins Aachener Marktpflaster eingelassen ist, heute möglicherweise an der falschen Stelle? Oder ist jene Schandsäule, die auf alten Darstellungen vor dem Rathaus zu finden ist, dort perspektivisch falsch platziert worden? Diese beiden Fragen drängen sich für Aachens Stadtarchäologen Andreas Schaub auf, nachdem er unter dem Marktpflaster auf ein (noch) rätselhaftes Fundament gestoßen ist.

Im Zuge von Leitungsarbeiten — verlegt wird eine Stromleitung für den Wochenmarkt vom Rathaus um den Brunnen herum bis zum Kiosk — sind nämlich gotische Maßwerksteine aus dem 14. oder 15. Jahrhundert zum Vorschein gekommen, hinter denen sich möglicherweise eine spannende Geschichte verbirgt.

Die Steine jedenfalls sind laut Schaub sozusagen Recyclingmaterial — sie wurden woanders abgebrochen und irgendwann zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert vor dem Rathaus verbaut. Und sie sind etwas Besonderes, soll heißen: Solche hochwertigen Steine — Schaub spricht von einem „Prunkfundament“ — fand man in Aachen seinerzeit nicht an jeder Ecke. „Vielleicht stammen sie auch aus einer Umbauphase am Rathaus“, vermutet der Archäologe.

Bloß: Wozu diente das „Prunkfundament“, das axial exakt so ausgerichtet ist wie das Rathaus selbst? Einem Gebäude diente es sicher nicht als Grundlage. „Auf dem Markt standen keine Häuser“, weiß Schaub. Ein weiterer Brunnen wird es auch nicht gewesen sein. „Wir haben keinerlei Leitungen oder Ableitungen gefunden“, sagt er. Bleibt also nicht mehr viel. Schaub vermutet, auf die Reste eines „Monuments oder Denkmals“ gestoßen zu sein, wobei er eine Art Statue allerdings auch ausschließt. Denn: „Dazu wäre sicher etwas überliefert.“

Womit der Stadtarchäologe wieder beim „Arme-Sünder-Stein“ wäre, an dem die Delinquenten in Ketten gelegt wurden, bevor ihnen das Urteil verkündet wurde. Es stelle sich die Frage, ob dieser Blaustein heute an seinem richtigen Platz verbaut sei, „oder ob wir die Originalstelle jetzt gefunden haben“, spekuliert Schaub. Und ob dort einst vielleicht auch eine Schandsäule stand. Der Stadtarchäologe will dieses Rätsel lösen und hat dazu nach eigenem Bekunden bereits Frank Pohle, Leiter de Centre Charlemagne und profunder Kenner der Stadtgeschichte, ins Boot geholt. „Da werden wir noch etwas recherchieren müssen“, schmunzelt Schaub.

Derweil wird am Markt weitergebuddelt — mit immer wieder erstaunlichen Ergebnissen. Das Fundament fand Schaub in gerade einmal einem halben Meter Tiefe. „Ich hätte gedacht, da wäre archäologisch alles erschlossen“, sagt er. Von wegen. Nur zehn Zentimeter tiefer stieß er auf Reste des Marktpflasters aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Es dürfte kaum der letzte Fund gewesen sein.