Aachen: Radweg auf der Junkerstraße: „Wer hat sich das denn bloß ausgedacht?“

Aachen : Radweg auf der Junkerstraße: „Wer hat sich das denn bloß ausgedacht?“

Das kostet nicht nur Sicherheit: Geradezu abenteuerlich wirkt die tausende Euro teure Verschwenkung einiger Radwege. Wer etwa die Junkerstraße auf dem Drahtesel herunterrast, muss neuerdings der roten Markierung nach links folgen, um dann todesmutig zwischen Geradeausverkehr und Rechtsabbiegern abwärts zu steuern.

Im Nacken der Radfahrer quetscht sich die Autolawine kurvend nun von zwei Spuren auf nur noch eine Fahrbahn — mit kilometerlangen Rückstaus Richtung Audimax zum Berufsverkehr. Täglich, morgens wie abends. Und tagsüber? „Es ist echt lebensgefährlich, viel schlimmer als vorher“, sagt Bernd Schmelzer. Sein Geschäft liegt direkt neben dem von den städtischen Verkehrsexperten entwickelten und von der Kommunalpolitik abgesegneten künstlichen Nadelöhr. „Die Radfahrer sind hier in höchster Gefahr, weil Autofahrer, die abbiegen, gleich mehrfach ihren Weg kreuzen“, erklärt er.

Dabei wurde die Rechtsabbiegerspur eigens für Autofahrer bergab getrennt, um Unfälle zu vermeiden, die durch unvorsichtige Rechtsabbieger entstanden, die von hinten kommende Radfahrer übersehen hatten. „Das ist hier ganz klar ein Unfallschwerpunkt. Deswegen musste die Verkehrsführung geändert werden“, teilt das Presseamt der Stadt auf AZ-Anfrage mit. Und die Polizei erklärt: „Der einzige Radunfall seit dem Umbau betrifft einen völlig betrunkenen Radfahrer, der auf der Junkerstraße die Kontrolle verloren hat.“ Ob das Verkehrssicherheits-Nadelöhr für weitere Unfälle — etwa beim Einfädeln vor der Engstelle — verantwortlich ist, wird laut Polizei erst die Auswertung der kommenden Unfallstatistiken zeigen. „Wer hat sich das denn bloß ausgedacht?“, fragt sich Bernd Passenheim, Chef der Tankstelle an der Junkerstraße.

Jeder zweite Tankkunde spreche sein Personal auf den „Quatsch“ des verschwenkten Radwegs an. „Das absolute Stau-Chaos; ein Schildbürgerstreich“, stellt Passenheim fest. Stefan Brenner und Josef Delhey müssen aus ihrer Schreinerei direkt an der Engstelle mit Lieferfahrzeugen in den umgelenkten und ausgebremsten Verkehr steuern. „Das ist abenteuerlich, eigentlich unmöglich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es hier richtig kracht“, sagt Brenner. Nachbarin Ursula Swoboda stimmt zu. Sie spricht von einer „Katastrophe“. Für Radfahrer würden Autofahrer extrem verdrängt — das Verhältnis gerate völlig aus der Balance, sagt sie. Schlimm findet nicht nur sie, dass die Rückstaus wegen der Neumarkierung und Fahrbahnverengung zuweilen kilometerlang die Aachener Ringstraße bis zum Ponttor blockieren.

Eine ähnliche Radwege-Lösung hat die Stadt kürzlich auf dem Boxgraben an den Einmündungen zur Mariabrunnstraße und Weberstraße auf den Asphalt gepinselt. Da laufe der Rad- und Autoverkehr nun gefahrloser und trotzdem flüssig, wie Apotheker Helmut Hofmann betont. „Wir haben hier an der Ecke vorher viele schwere Radunfälle sehen müssen; die neue Lösung ist klasse“, lobt er. Die Stadt Aachen habe hier direkt auf die Sorgen der Anwohner reagiert und schnell gehandelt, betont Hofmann.

Dass die Stadt nun auch auf der Junkerstraße auf Sorgen und Nöte von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern reagiert, hoffen die Kritiker des umstrittenen Nadelöhrs. Viel Hoffnung haben sie nicht. „Direkt um die Ecke hat die Stadt auf der Lochnerstraße durch Parkplätze auch den Verkehrsfluss zerstört. Auch das haben wir angemahnt. Doch die ziehen das durch. Koste es, was es wolle.“

Mehr von Aachener Zeitung