Aachen: Radstreifen am Krugenofen: „Sicherheit geht vor Komfort“

Aachen: Radstreifen am Krugenofen: „Sicherheit geht vor Komfort“

Grüne, Linke und Piraten wollen am Krugenofen jetzt endlich Gas geben, dabei allerdings den Autoverkehr etwas ausbremsen — zumindest denjenigen, der Parkraum sucht. Denn ihre am Dienstag geäußerte Forderung, auf der vielbefahrenen Bundesstraße zwei Jahre nach der Fertigstellung des Straßenbelags beidseits endlich breite Radstreifen anzulegen, kostet Parkplätze.

35 davon fallen dann am Rand der stadtauswärts führenden Fahrbahn weg — was aber in diesem Fall keine Rolle spielen dürfe. „Wir machen das nicht, um jemanden zu ärgern“, sagen Wilfried Fischer (Grüne), Matthias Achilles (Piraten) und Harald Siepmann (Linke), die mobilitätspolitischen Sprecher ihrer Ratsfraktionen, „aber Sicherheit geht vor Komfort.“ Und deshalb müsse nun am Krugenofen „endlich eine Lösung gefunden werden“, die die Sicherheit für Radfahrer gewährleiste, unterstreicht Fischer.

Risikostrecke für Radfahrer: Seit der Fertigstellung des neuen Straßenbelags vor knapp zwei Jahren fehlt es auf dem engen und vielbefahrenen Krugenofen an jeglichen Schutzmaßnahmen für Radfahrer. Nachdem jetzt auch der Versuch gescheitert ist, dort eine Tempo-30-Zone einzurichten, fordern Harald Siepmann (Linke, kleines Bild von links), Matthias Achilles (Piraten) und Wilfried Fischer (Grüne), dass endlich breite Schutzstreifen für Pedaltreter angelegt werden. Foto: Andreas Schmitter

Zumal ja nun, wie die AZ kürzlich berichtet hatte, die Einrichtung einer Tempo-30-Zone endgültig vom Tisch sei. Mit diesem auf Bundesstraßen wie dem Krugen-ofen nur in absoluten Ausnahmefällen zugelassenen Tempolimit hatte die Politik — insbesondere die Mehrheitsfraktionen der großen Koalition — den Verlust der Parkplätze vermeiden wollen.

Denn dort, wo Tempo 30 gilt, sind zum Schutz der Radfahrer keine Radwege nötig. Das Bestreben, diese Regelung zumindest im Rahmen eines Verkehrsversuchs durchzusetzen, zog sich allerdings seit Ende der Arbeiten am Krugenofen im Oktober 2015 fast zwei Jahre lang hin.

Dann lehnte das NRW-Verkehrsministerium Ende Juli den Aachener Antrag ab. Zuvor hatte die Aachener Stadtverwaltung aber auch fast ein Jahr benötigt, um den Antrag überhaupt zu stellen, und zudem versucht, dieses Versäumnis fälschlicherweise der Kölner Bezirksregierung in die Schuhe zu schieben — eine peinliche Posse.

Dies zeige auch, welch geringe Lobby der Radverkehr in Aachen nach wie vor habe, sagt Fischer. Und Achilles betont, dass man die Schutzstreifen bereits vor zwei Jahren hätte haben können. „Wir waren damals schon gegen Tempo 30“, sagt er, weil man der Meinung gewesen sei, dass man schlecht Beschlüsse auf Basis einer zu erwartenden Gesetzesänderung treffen könne — die dann ja auch prompt nicht kam. Außerdem seien Radstreifen grundsätzlich das bessere Instrument zum Schutz von Radfahrern — zumal an einer engen und vielbefahrenen Straße wie dem Krugenofen.

Bei einer Verkehrserhebung im Januar 2014 wurden dort 15.000 bis 17.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt, dazu etwa 230 Busfahrten und 500 Radfahrer — und das mitten im Winter. Dass es auf dieser Straße nach wie vor keine Radstreifen gibt, hält beispielsweise der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Aachen für „lebensgefährlich“.

Doch das soll sich nun nach dem Willen von Grünen, Linken und Piraten schnell ändern. In ihrem gemeinsamen Antrag fordern die drei „kleinen“ Parteien, dass das Thema Anfang September in der ersten Sitzung des Mobilitätsausschusses nach den Ferien beraten wird. Bei der Aachener Stadtverwaltung dürften sie damit und mit ihrer Forderung nach Schutzstreifen offene Türen einrennen.

Schon vor eineinhalb Jahren hatte diese in einer Vorlage für den Ausschuss die Formel „Sicherheit geht vor Komfort“ propagiert und dies kürzlich gegenüber der AZ bekräftigt: Nun sei es nötig, am Krugenofen schnell für Sicherheit zu sorgen, hieß es da. Jetzt müssen dazu nur noch die beiden „großen“ Parteien mitspielen.