Radfahrer in Aachen erinnern mit Mahnwache an Unfallopfer

Radverkehr in Aachen : Mahnwache für tödlich verletzte Radfahrerin

Kein einfacher Gang für die städtischen Mobilitätspolitiker auf dem Weg zu ihrer Ausschusssitzung: Am Donnerstag hatten sich gut 300 Menschen vor dem Verwaltungsgebäude am Marschiertor zu einer Mahnwache für die Anfang letzter Woche auf der Vaalser Straße ums Leben gekommene Radfahrerin zusammengefunden. Dazu aufgerufen hatte die Initiative Radentscheid, die derzeit ein Bürgerbegehren vorbereitet, um den Radverkehr in Aachen sicherer zu machen.

Große Reden oder lautstarker Protest waren ausdrücklich nicht vorgesehen, wie Jan van den Hurk und Steffen van Bergerem für die Organisatoren erklärten. Aber mit dem Gedenken an insgesamt vier im Straßenverkehr getötete Radfahrer in den letzten zwei Jahren allein war es auch nicht getan. So wurde immer wieder auch das Gespräch mit den Politikern gesucht, die aus allen Fraktionen vor Ort waren und viel Verständnis für die Forderungen der Teilnehmer zeigten.

Jörg Lindemann (CDU), der am Donnerstag den Mobilitätsausschuss stellvertretend leitete, hielt sich mit Schlussfolgerungen jedoch zurück. Erst den Unfallbericht abwarten, heißt seine Devise, danach aber müssten Sofortmaßnahmen schnell eingeleitet und umgesetzt werden. Er und weitere Politiker erinnerten daran, dass die Radführung auf der Vaalser Straße so vorgenommen wurde, wie sie von Experten empfohlen und auch in Abstimmung mit dem Radfahrerclub ADFC erarbeitet worden war. „Mischverkehr auf Hauptstraßen hat immer Konfliktpunkte“, sagt Lindemann. Eben deshalb müsse man den Fokus auf die Radvorrangrouten legen und ein eigenes Netz für den Radverkehr in Nebenstraßen schaffen.

Der Forderungskatalog der Initiative Radentscheid ist freilich weitaus umfangreicher. Sie fordert unter anderem auch baulich getrennte Radspuren an gefährlichen Kreuzungen und eigene Ampelschaltungen. Auch ängstlichere Menschen sollen sich in Aachen endlich aufs Rad trauen.

Derweil verkündeten die Grünen am Donnerstag einen ersten Erfolg für ihre Forderung, städtische Großfahrzeuge mit sogenannten Abbiegeassistenten auszurüsten. Sensoren und Kameras überbrücken dabei den toten Winkel beim Rechtsabbiegen. Schwere Unfälle, bei denen allein in Deutschland jährlich rund 40 Menschen sterben und gut 160 Radfahrer schwer verletzt werden, ließen sich damit verhindern. Auch in Aachen sind die beiden getöteten Radfahrerinnen am Hansemannplatz und an der Vaalser Straße beim Rechtsabbiegen erfasst worden - in einem Fall von einem Bus, im anderen von einem Kieslaster.

Der ADFC fordert seit langem eine gesetzliche Pflicht für den Einbau von Abbiegeassistenten, die es bislang nicht gibt, die aber auf Bundes- und EU-Ebene im Gespräch ist. Und auch Spediteuere und Logistiker sind längst dabei, ihre Fahrzeuge umzurüsten. Und nun freuen sich die Grünen, dass auch die Verantwortlichen bei der Stadt „die immense Bedeutung dieser Sicherheitssysteme erkannt“ haben, wie es Mobilitätspolitiker Kaj Neumann ausdrückt.

So sind nach Angaben der städtischen Pressestelle zwei Löschfahrzeuge bereits mit diesem System ausgestattet. Sieben weitere stehen kurz vor der Inbetriebnahme. Der Rest der rund 90 Großfahrzeuge, die bei der Feuerwehr im Einsatz sind, sollen noch im laufenden Jahr nachgerüstet werden. Auch der Stadtbetrieb hat im Testbetrieb offenbar gute Erfahrungen sammeln können und will seine Flotte ebenfalls mit den Assistenten ausstatten, heißt es seitens der Verwaltung. Wann die Umrüstung in Angriff genommen wird, soll Mitte März vorgestellt und entschieden werden.

Anders sieht es bislang noch bei der Aseag aus, die derzeit keine Nachrüstung der roten Flotte plant. In der Testphase habe es zu oft Fehlalarme gegeben, sagt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Für die Fahrer sei das eher irritierend als hilfreich gewesen. Sehr zufrieden sei man hingegen mit einem System, das Mercedes serienmäßig in seine Busse einbaut und das man künftig bei Neuanschaffungen ordern wolle. Bis Ende 2020 sollen dann rund 30 der insgesamt 230 Aseag-Busse einen eingebauten Abbiegeassistenten haben. Die Grünen zeigen für diese Entscheidung kein Verständnis und fordern weiter eine schnellere Nachrüstung. Laut Heesel will die Aseag den Markt der Nachrüstsysteme zumindest weiter „im Blick behalten“ und nach praktikablen Lösungen für Busse Ausschau halten.

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