Radfahren in Aachen: Leser berichten weiter über gefährliche Ecken

Radwege in Aachen : Verwirrend, zu eng, immer wieder brandgefährlich

Riskante Radrouten bewegen unsere Leser weiter: Viele Berichte über prekäre Ecken in Aachen haben die Lokalredaktion auch in den vergangenen Tagen erreicht – und manches Plädoyer für allseitige Rücksichtnahme.

Zugeparkt, verwirrend, zu eng: So kann man drei wesentliche kritische Aspekte zusammenfassen, die bei unserer Leserbefragung im Hinblick auf gefährliche, weil konfliktträchtige Radwege in besonderem Maße thematisiert werden.

Immer wieder wird über nicht einheitliche und daher irritierende Wegeführungen berichtet. Mehrere Leser monieren dies zum Beispiel mit Blick auf Vaalser Straße. In Richtung City seien dort streckenweise gar zwei Radwege angelegt worden, nämlich einer parallel zur Kfz-Fahrbahn – von dort sei das Rechtsabbiegen zum Kronenberg wegen separater Ampelschaltung problemlos möglich – sowie einer auf der Fahrbahn selbst, nämlich genau dort, wo im Februar eine Radfahrerin starb, weil sie von einem abbiegenden Lkw-Fahrer übersehen wurde. Ebenso wie an der Ecke Amsterdamer Ring führten zudem mehrere Verschwenkungen der Radrouten an der Einmündung des Pariser Rings permanent zu Verunsicherung. Radfahrer müssten jäh in die Eisen steigen und würden „in die Bittstellerrolle“ gegenüber oft zu schnell fahrenden Pkw gedrängt, betont ein Leser.Überhaupt werden die großen Ausfallachsen in vielen Beiträgen als hochproblematisch in den Fokus gerückt. Eine Leserin merkt an, dass der Weg von Haaren Richtung City über die Jülicher Straße mit teils unwegsamen, teils gefährlichen Passagen gepflastert sei. Spätestens ab der Einmündung Thomashofstraße, wo der Radweg vom Bürgersteig in die Fahrbahn mündet, „quäle“ man sich hindurch zwischen Bussen, die die Radspur kreuzen, und Autos, die in die Monheimsallee oder die Alexanderstraße abbögen, ohne auf Velos zu achten.

Irritierend: Vor dem Rondell auf dem Seffenter Weg Richtung Campus Melaten endet der Radweg abrupt. Foto: H504619/Harald Krömer

Rücksichtlose oder überforderte Rechtsabbieger, die Radlern das (Über-)Leben schwer machten, rangieren generell weit oben auf der Beschwerdeliste: etwa die Kreuzungen Siegel und Schanz/Lütticher Straße oder die Einmündung Amsterdamer Ring/Lütticher Straße.

Und während viele Leser dafür plädieren, Konflikte durch neue Kreisverkehre zu lösen, weist einer auf die sichtlich komplizierte Situation im Rondell am Seffenter Weg Richtung Melaten hin, die einem „Schildbürgerstreich“ gleichkomme. An dessen (überraschendem) Ende müsse man entweder „britisch links herum über den im halben Kreis weitergeführten Radweg“ oder mit dem Kfz-Verkehr rechts herum fahren. Sein Kommentar: „Was die Planer sich dabei gedacht oder (ob sie) überhaupt gedacht haben, bleibt ein Rätsel.“

Auch abrupt wechselnde Routen etwa vom Fahrbahnrand zur Straßenmitte – wie insbesondere auf dem Kapuzinergraben vor dem Alten Posthof – oder auch vom Radstreifen auf den Gehweg, wie an der Mozartstraße, sorgen für reichlich Ärger. Andernorts bleibe schlicht nicht genügend Platz, um Drahteseln und Blechmobilen ein konfliktfreies Durchkommen zu ermöglichen – genannt werden unter anderem Maria-Theresia-Allee, Brüsseler Ring, Oppenhoffallee, Lagerhausstraße und Boxgraben. Brandgefährlich werde es zudem in Einbahnstraßen, die für Radler freigegeben sind, zum Beispiel die Guaitastraße.

Allerdings geraten auch rücksichtslose Radfahrer ins Visier – weil viele trotz roter Ampeln rechts abbiegen, ohne auf Fußgänger zu achten. Neben versierten Planern und defensiv agierenden Kfz-Fahrern wünscht sich mancher Leser mehr Polizeipräsenz, etwa in Gestalt uniformierter Fahrradstaffeln, die – wenn es sie denn gäbe – mögliche Gefahren bestens analysieren könnten. Und einer bringt das vertrackte Problem des Mit- und Nebeneinanders mit einfachen Worten auf den Punkt: „An die Regeln halten und gegenseitige Rücksichtnahme ist das Gebot. Wenn jeder vorausschauend fahren und, statt blind auf sein Vorfahrtsrecht vertrauend, sich auch einmal vergewissern würde, ob man gesehen wurde, wären viele Unfälle vermeidbar.“

(mh)
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