Aachen: Radfahren in Aachen: Experten, Bürger und Stadt diskutieren

Aachen: Radfahren in Aachen: Experten, Bürger und Stadt diskutieren

Regen, starke Steigungen und gefährliche Strecken machen das Radfahren in Aachen manchmal fast zur Glaubensfrage — widrige Bedingungen sorgen dafür, dass Radler oft mit anderen Verkehrsteilnehmern aneinandergeraten. Wie die Verkehrssituation verbessert werden kann, darüber haben Vertreter der Stadt, Bürger und Experten auf Einladung der Initiative Aachen in der Couven-Halle diskutiert.

Gesund, umweltfreundlich, im Stadtverkehr oft schneller als jedes andere Fortbewegungsmittel und ohne ernsthafte Parkplatzprobleme — die Vorteile, die das Radfahren hat, sind nicht von der Hand zu weisen. Dennoch fahren nur elf Prozent der Aachener regelmäßig mit dem Rad. Neben der Angst um eine verregnete Frisur oder ein verschwitztes Hemd nach einer „Bergetappe“ liegt das vor allem an vielen Mängeln im Radwegenetz: Viele fühlen sich mit dem Rad auf Aachens Straßen nicht sicher — und schicken daher erst recht nicht ihre Kinder mit dem Rad zur Schule.

Die Statistik zeigt, dass die Sorgen berechtigt sind: 350 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung hat es im vergangenen Jahr gegeben, kleinere „Bagatellunfälle“ nicht mitgezählt. Und auch wenn die Infrastruktur seit den neunziger Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, räumte Uwe Müller, Leiter der Abteilung für Verkehrsmanagement bei der Stadt, ein, dass teilweise „schlechte Planungsantworten“ auf Verkehrsprobleme gewählt wurden.

Denkanstöße für einen komfortableren und sichereren Fahrradverkehr lieferte Dr. Jörg Thiemann-Linden, Verkehrsplaner aus Köln. Neben einer grünen Welle für Radfahrer und Fahrradbrücken könnten auch Radschnellwege viele Pendler vom Umstieg auf das Fahrrad überzeugen. Eine von der Bürgerinitiative Pro Radschnellweg Aachen-Herzogenrath vorgeschlagene Strecke würde beispielsweise die Fahrt aus Herzogenrath bis zum Uni-Hauptgebäude innerhalb von 25 Minuten ermöglichen.

Mit dem Voranschreiten der Technologie und der internationalen Standardisierung von Steckern und Akkus werden auch Pedelecs und E-Bikes in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen und zum Beispiel älteren Menschen oder Pendlern mit weiten Arbeitswegen das Radfahren ermöglichen, so Thiemann-Linden.

Auch aus den benachbarten Niederlanden, wo man aktuell eher das Radfahren als den Fußball als Volkssport bezeichnen kann, kamen Impulse: Fahrradprofessorin Ineke Spapé von der Hochschule Breda berichtete neben Spielereinen wie einem per App steuerbaren Musikprogramm im Fahrradtunnel auch von Ampelschaltungen, die sich bei Regen auf das Tempo von Radfahrern einstellen oder Hauptstraßen mit doppelten Fahrradstreifen in beide Richtungen — ein Konzept, das sich als auch als mutige Lösung für den Adalbertsteinweg anbieten würde.

Lebhaft diskutiert wurden die bestehenden Probleme und neuen Ideen nicht nur von den Rad-Enthusiasten in der voll besetzten Couven-Halle, sondern auch online unter dem Twitter-Hashtag „mobilinac“, wie man auf der live an die Wand projizierten „Twitterwall“ mitverfolgen konnte. Tenor sind der Wunsch nach mehr Sicherheit, mutigeren Lösungen der Politik und mehr gegenseitigem Respekt im Straßenverkehr.

Das Hashtag „mobilinac“ bleibt auch weiterhin aktuell: Die Initiative Aachen plant weitere Diskussionsrunden zum öffentlichen Nahverkehr, dem Lieferverkehr, Parken und dem Verkehr im städtebaulichen Zusammenhang.