Aachen: Radau in Parks und Gärten: Es hagelt Beschwerden

Aachen : Radau in Parks und Gärten: Es hagelt Beschwerden

Auf einen heißen Sommertag folgt eine laue Nacht. Das ist in Aachen seit Wochen so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Supersommer lockt die hitzegeplagten Städter abends in Scharen in die Parks, auf die Plätze und in die Lokale mit Außengastronomie. Wer zu Hause bleibt, sitzt auf dem Balkon oder reißt zumindest alle Fenster auf.

Blöd nur für alle, die auch in warmen Sommernächten dringend ihren Schlaf brauchen, weil sie am nächsten Tag früh raus müssen. Beim städtischen Ordnungsamt häufen sich die Beschwerden wegen Lärmbelästigung.

„Unsere Leute gehen im Moment vor allem Beschwerden über den Lärm nach“, bestätigt Silke Ulrich, Teamleiterin im Ordnungs- und Sicherheitsdienst des Ordnungsamts. Nacht für Nacht haben ihre Kollegen abzuwägen zwischen denen, die draußen Abkühlung und Spaß suchen, und denen, die schlafen wollen.

Gesetzlich ist das im Landesimmissionsschutzgesetz geregelt: „Von 22 bis 6 Uhr sind Betätigungen verboten, welche die Nachtruhe zu stören geeignet sind“, heißt es klipp und klar. Und manche fühlen sich mächtig gestört. Zum Beispiel eine Anwohnerin der Vaalser Straße, die in den vergangenen Wochen häufig die Hotline des Ordnungsamts gewählt hat. Manchmal mehrmals in der Nacht.

Laute Musik und Gekreische

Ihr Grundstück grenzt an den Westpark. Und auf den Bänken und Sitzgruppen am Rand des Parks ließen sich bis zum Morgengrauen immer wieder Gruppen nieder, erzählt die Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Gegen leise Gespräche habe sie auch gar nichts einzuwenden, versichert sie. Aber da werde nachts laut Musik gespielt. Da werde immer wieder gekreischt. „Und dann wird man schon wieder aus dem Schlaf gerissen.“ Auch andere Mietparteien im Haus fühlten sich enorm gestört in diesem endlos sommerlichen Sommer.

Die Leute vom Ordnungsamt seien bei jedem Anruf schnell zur Stelle, berichtet die Anwohnerin. „Und dann ist Ruhe.“ Bis das nächste Grüppchen sich niederlässt. Manchmal tue tatsächlich ein freundlicher Hinweis seine Wirkung, sagt Silke Ulrich. Wenn’s wirklich laut ist, wenn etwa laute Musik gespielt wird, können die Leute vom Ordnungsamt diese Lärmbelästigung auch ahnden und zum Beispiel ein Verwarnungsgeld anbieten. Dann werden 55 Euro fällig. Wollen die Verursacher des Krachs nicht zahlen, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. „Und da kommen dann schnell 70 bis 80 Euro zusammen“, warnt Ulrich.

„Wer keinen Balkon oder eigenen Garten hat, muss natürlich auch die Möglichkeit haben, draußen zu sitzen“, betont Ulrich. Und in diesen rekordverdächtig schönen Wochen ziehe es viele nach draußen. „Das wird dann schon mal schwierig für die Anwohner.“

Manchmal allerdings ist den Verursachern auch überhaupt nicht klar, wie viel Lärm sie da gerade produzieren. Immer wieder, erzählt Silke Ulrich, würden ihre Kollegen gerufen, weil eine Party bei offenen Fenstern das ganze Viertel beschallt. Und wenn den Leuten vom Ordnungsamt nach einer halben Stunde endlich die Tür geöffnet wird — bei dem Krach hat ja niemand die Türklingel gehört — dann sind Gäste und Gastgeber oft ganz erstaunt, dass sie zu viel Radau machen. Solche Partys enden dann meist auch mit einem Verwarnungsgeld.

Deutlich weniger Probleme gibt es mittlerweile mit dem abendlichen Grillen im Westpark. Indem die Stadt dort feste Grillflächen ausgewiesen hat, hat sie viel Dampf aus dem Kessel genommen.

Auch bei der Polizei ist der nächtliche Lärm aktuell ein Thema. „Manche Leute wählen den Polizeinotruf 110, wenn sie sich gestört fühlen“, berichtet Andreas Müller von der Pressestelle der Polizei. Völlig uneinsichtigen Krakeelern, die auch nach Aufforderung der Polizei weiter lärmen, droht dann ein Platzverweis und, wenn das nichts fruchtet, sogar Polizeigewahrsam.

Im Juni und Juli sind allein bei der Aachener Polizei 1135 Beschwerden über Lärmbelästigung aus der gesamten Städteregion eingegangen. Zum Vergleich: In den ersten zwei Monaten dieses Jahres waren es 368.

Klimaanlage? Fehlanzeige

Die lärmgeplagte Anwohnerin des Westparks ist vom dauernden nächtlichen Lärm mittlerweile derart genervt, dass sie nun eine Klimaanlage in ihre Wohnung einbauen lassen möchte, um auch in heißen Nächten bei geschlossenen Fenstern schlafen zu können. „Ich will ja nicht jede Nacht das Ordnungsamt anrufen“, sagt sie.

Ein Fachmann war auch schon da. Weil aber derzeit alle Welt Klimageräte kauft, gibt es Lieferengpässe. Vor Mitte/Ende Oktober würde das wohl nichts mit der neuen Klimaanlage, schätzt der Fachmann. Bis dahin dürfte der Aachener Super-Sommer nur noch Erinnerung sein.