Rad fahren in Aachen: Gefährliche Ecken und unübersichtliche Kreuzungen

Leser gefragt : Das sind die gefährlichsten Radwege in Aachen

Zu enge und unübersichtliche Wegeführungen beschäftigen unsere Leser besonders, wie zahlreiche weitere Zuschriften im Rahmen unserer Umfrage-Aktion zur Situation in Sachen Radwege dokumentieren. Dabei rückt zum Beispiel Burtscheid mehrfach in den Fokus.

Die Zweiradsaison ist längst eröffnet – und mit ihr die Debatte über Sicherheit und Praxistauglichkeit der Wege für Velos. Etliche Hinweise unserer Leser auf gefährliche und/oder dringend sanierungsbedürftige Routen im Stadtgebiet haben wir in den vergangenen Tagen bereits veröffentlicht. Und auch die Verkehrspolitiker greifen weiterhin zu den Fahrradhelmen und schwingen sich mit unseren Redakteuren in den Sattel, um manch prekärer Strecke im Selbstversuch auf den mehr oder weniger holprigen Grund zu gehen – stets in der Hoffnung, dass auch die ganz persönlichen Nervenkostüme den teils beängstigenden Blechströmen gewachsen sein mögen (wir berichten weiter).

Denn immer wieder schildern leidgeprüfte Verkehrsteilnehmer äußerst riskante Situationen im Konflikt mit den Kfz-Kolonnen in der City wie außerhalb, weil es bei der Gestaltung der Pfade für Pedaltreter an Klarheit und Übersichtlichkeit mangele. Zum Beispiel an einem vielfrequentierten Entree Richtung Ortskern Burtscheid: Im Bereich Friedrich-Ebert-Allee/Viehofstraße/Zeise werde es vor allem aufgrund zahlreicher zusätzlicher Abbiegespuren oftmals gefährlich eng, moniert ein Leser, zumal auch Busse dort die Radstreifen kreuzten. Sein Vorschlag: Mehrere Pkw-Spuren aus Richtung Karl-Marx- und Friedrich-Ebert-Allee könnten beseitigt werden, um Platz für Drahtesel zu schaffen.

Schwieriges Entree zum Ortskern Burtscheid: An der Kreuzung Karl-Marx-Allee/Viehofstraße kommt es häufig zu Konflikten wegen zahlreicher Abbiegespuren. Foto: ZVA/Harald Krömer

Einbahnstraßen gefordert

Generell gerät der „Großraum Burtscheid“ ziemlich häufig ins Visier der Kritik. Ein Leser plädiert sogar dafür, das Zentrum des Kurviertels durch Einrichtung neuer Einbahnstraßen zu entlasten; so könnte die Karl-Marx-Allee für Kfz nur noch stadtauswärts, Kalverbenden nur noch Richtung Karl-Marx-Allee, die Robert-Schuman-Straße ausschließlich stadteinwärts sowie die Viehofstraße Richtung Marienhospital zu befahren sein. Gerade Letztere stelle für Zweiradfahrer ein ärgerliches Nadelöhr dar, weil die Radstreifen viel zu schmal und häufig zugeparkt seien. Wenn Sicherheit Priorität haben solle, bleibe Velo-Nutzern oft kaum etwas anderes übrig, als mitten auf der Straße zu fahren, um zumindest gut sichtbar zu bleiben und unvermittelt aufgerissenen Autotüren zu entgehen. Ein Halteverbot könne Abhilfe schaffen – wenn es denn auch regelmäßig überwacht werde.

Brandgefährlich: An der Lütticher Straße wird’s auf abschüssiger Fahrbahn extrem holprig. Foto: ZVA/Harald Krömer

Zum Stichwort Verbote melden sich abermals mehrere Leser zu Wort, die kritisieren, dass die Fußgängerzonen ihrem Namen allzu wenig Ehre machten. Am Burtscheider Markt und in der Kapellenstraße parkten Zulieferer und Geschäftskunden ständig ungestraft. Dass die Knöllchenjäger des Ordnungsamtes es dort allerdings vor allem auf Radfahrer abgesehen hätten, sei geradezu absurd, schreibt ein Beschwerdeführer. Zu Konflikten mit rücksichtslosen Autofahrern komme es überdies besonders häufig auf der Erzbergerallee, wo es keinen Radstreifen gibt, sowie auf der Siegelallee und der Adenauerallee.

Und wenn man deren anderes Ende, nämlich den Bereich der Einmündungen Lintertstraße und Altstraße in Forst, über den vielfach zu engen und holprigen Radweg erreicht habe, sei die Situation für Radler und Autofahrer denkbar kompliziert, heißt es weiter. Ähnlich wie an der Ecke Friedrich-Ebert-Allee/Viehofstraße gerieten Radfahrer dort regelmäßig quasi zwischen die Fronten abbiegender und einfahrender Pkw, bemängelt ein Leser: „Die Ampeln helfen da nur wenig, da Autofahrer hier oft rasen.“

An der Ecke Breslauer Straße/Berliner Ring ist es schwer den Überblick zu behalten. Foto: ZVA/Harald Krömer

Neben den Blechpiloten werden gerade im Zusammenhang mit (offiziellen) Tabuzonen für den motorisierten Individualverkehr im Übrigen auch die städtischen Ordnungshüter mehrfach in die Pflicht genommen – nicht nur in Burtscheid. Vor allem Willy-Brandt-Platz und Elisenbrunnen würden nach wie vor als illegale Duchfahrtrouten genutzt; am Elisenbrunnen, weil wichtiger Knotenpunkt für den ÖPNV, seien Konflikte mit, vorsichtig formuliert, wenig umsichtigen Busfahrern an der Tagesordnung.

Gefährliche Kreuzungen

Und natürlich rücken die großen Kreuzungen immer wieder ins Blickfeld. Eine Leserin moniert etwa, dass die Ampel am Überweg zwischen der Umfahrung von St. Adalbert und dem Adalbertsteinweg am Kaiserplatz zwar auch für Radler gedacht, jedoch wenig sinnvoll sei: Dort bekomme man zwar ein paar Sekunden früher Grün als der Autoverkehr, jedoch könne man dies kaum nutzen, weil zwischen Pkw und Bussen schlicht kein Durchkommen möglich sei, bemängelt sie. Folge: Per Pedale müsse man sich entweder unter Lebensgefahr „durchquetschen“ oder man lasse die Autos erst einmal passieren – und stehe danach womöglich immer noch beziehungsweise wieder vor der roten Ampel.

Durchgängige und klar gekennzeichnete Radfahrstreifen könnten auch die schwierige Situation rund um den Hansemannplatz entschärfen, wird in einem weiteren Beitrag betont. Dessen Autor meint, wirkliche Sicherheit könne es dort letztlich nur geben, indem mehrere Abbiegestreifen künftig für Drahtesel  reserviert würden. Er plädiert zudem dafür, schleunigst weitere Vorrangrouten für Velos zu schaffen: etwa von der Alexanderstraße über den Sandkaulbach zum Seilgraben Richtung Hochschulviertel sowie über Komphausbad- und Mefferdatisstraße Richtung Büchel und Markt.

Apropos Vorrang: Auch Aachens wohl prominenteste Radroute, der Vennbahnweg, wird weiter in vielen Beiträgen kritisch beleuchtet; wichtige Überwege wie etwa an der Trierer Straße in Brand seien nicht ausreichend gekennzeichnet und gesichert, heißt es mehrfach.

Schließlich geht es immer wieder um katastrophale Pedalpisten, die im besten Fall nur Radreifen schnell zum Verhängnis werden könnten. Vielfach werden hier nach wie vor die Eupener Straße und die Lütticher Straße genannt, zumal die Strecken dort an manchen Stellen enorm abschüssig sind. Auch das Rondell am Europaplatz scheint als Holperstrecke geradezu berüchtigt.

Vorläufiges Fazit: An besonderen Herausforderungen für Mensch und Material besteht auch weiterhin kein Mangel – ebenso wenig wie an konstruktiven Hinweisen offensichtlich leidgeprüfter Leser.

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