Aachen: „Quartier Nord“ spaltet noch die Gemüter

Aachen: „Quartier Nord“ spaltet noch die Gemüter

Während auf der einen Seite im Bereich des Soerser Sportparks und des alten Tivoli schon einiges gekramt sowie die berühmt-berüchtigte CHIO-Brücke als „Tor zur Stadt“ ausgerufen wurde, kommt die andere Straßenseite zumindest teilweise noch ziemlich verwildert daher.

Stadtauswärts zwischen Gut Wolf und Prager Ring hat es den Anschein, als hätte einst jeder irgendwann so bauen können, wie es ihm gerade passte — mal hoch, mal flach, mal näher zur Straße, mal weiter weg. Das will Projektentwickler Norbert Hermanns mit seiner Landmarken AG ändern — und hat es teilweise schon getan.

In einem Neubau sind ein Fitnessstudio und ein Polsterspezialist eingezogen, fast fertig ist zudem der Neubau des Jobcenters der Städteregion, das zur Gut-Dämme-Straße hin gelegen ist und auf der Fläche einer ehemaligen Tennishalle hochgezogen wurde. Doch damit ist es für Hermanns nicht getan — schließlich überschreibt er das Ganze nicht von ungefähr mit dem Titel „Quartier Nord“.

Parkhaus als nächster Schritt

Als nächstes soll nun ein Parkhaus auf der anderen Seite der Gut-Dämme-Straße gebaut werden — in einem ersten Schritt für 200 bis 300 Autos, später erweiterbar auf bis zu 750 Stellplätze. Schritt 1 soll bereits im Frühjahr erledigt sein. Ebenfalls in diesem Bereich soll das bisherige Möbellager der Firma „rs“ auf 1700 Quadratmeter inklusive neuer Verkaufsfiliale erweitert werden, wie man Informationen im aktuellen Magazin der Landmarken AG entnimmt.

Wenn das Parkhaus steht, will Hermanns das nächste Projekt angehen, da dann die Parkflächen an der Krefelder Straße frei werden. Dort will der Investor ein Gebäude errichten, dass sich „Pick-up“ nennt. Einziehen sollen beispielsweise die benachbarten Gastronomiebetriebe. Obendrüber soll es Büroetagen geben. „Weitere Entwicklungen folgen in den nächsten Jahren“, heißt es im Magazin.

Doch schon so sollen alles in allem auf Grundstücken in der Größenordnung von rund 37.000 Quadratmetern satte 48.000 Quadratmeter vermietbare Flächen entstehen. Wobei nicht gesagt ist, dass Hermanns diese selber vermietet. Das Jobcenter zum Beispiel sei bereits an die Reit AG (Hamborn) verkauft. Die Übergabe soll erst nach Fertigstellung und Abnahme des neuen Gebäudes erfolgen.

Und genau da knirscht es derzeit. Im Planungsausschuss sorgte das Projekt im November in nicht-öffentlicher Sitzung für großen Wirbel. In großen Teilen der Politik war die Verärgerung dem Vernehmen nach groß, weil befürchtet wird, dass sich der Investor nicht mehr an seine eigenen Planungen und die Beschlüsse des Gremiums halten will. Dies betrifft die Gestaltung der Außenanlagen, die Wegeführung für die Jobcenter-Kunden, aber auch den Stellplatznachweis.

Wegen der fehlenden Stellplätze, hieß es, werde deshalb von der Stadt die Schlussabnahme für das Gebäude verweigert, in die das Jobcenter Anfang nächsten Jahres umziehen will. Und für Hermanns‘ Pläne, auf der anderen Seite der Gut-Dämme-Straße am Grünen Winkel das Parkhaus zu bauen, gebe es keine Baugenehmigung — unter anderem wegen der fragwürdigen Verkehrserschließung.

Nach AZ-Informationen reagierte der Investor mit einem Brief an die Fraktionen auf die „offensichtlichen Irritationen“ und bot an, das „Missverständnis“ auszuräumen, indem er seine Pläne persönlich im Planungsausschuss erläutern könne.

Brief an die Politiker

Martin Fauck, Leiter der städtischen Bauaufsicht, bestätigt auf Anfrage zwar, dass man von einer Schlussabnahme noch ein Stück entfernt sei. Allerdings befinde sich die Verwaltung mit dem Investor in einem „sehr intensiven zielgerichteten Dialog“. Und es gebe Möglichkeiten, in dem Rahmen, wie Stellplätze vorhanden seien, Teile des Gebäudes freizugeben.

Auf AZ-Anfrage erklärt Norbert Hermanns, dass es sich in der Tat um Missverständnisse handeln müsse. Denn erstens seien zunächst genügend Stellplätze auf den derzeit noch freien Flächen vorhanden. Außerdem rechne er mit der Baugenehmigung für die Parkpalette „in Kürze“. Und zweitens wolle er die Außenanlagen so umsetzen, wie es aufwändig in einem Konzept mit den Firmen „greenbox“ und „kadawittfeldarchitektur“ geplant worden sei. Die Politik will jedoch mit einem Bebauungsplan Einfluss auf die weiteren Entwicklungen nehmen können.

Das würde das „Quartier Nord“ zumindest zeitlich ein Stück zurückwerfen.