Aachen: „Pulse of Europe“: Eine „Speakers‘ Corner“ auf dem Katschhof

Aachen : „Pulse of Europe“: Eine „Speakers‘ Corner“ auf dem Katschhof

London oder Aachen? - Hautpsache, eine „Speakers‘ Corner“! So oder so ähnlich lautete wohl das Motto der Pulse-of-Europe-Veranstaltung vor dem Rathaus am Sonntag. Etwa Hundert Europäer hatten sich um 14 Uhr versammelt, um nach englischen Vorbild für ein geeintes Europa zu sprechen — nämlich nach einem Konzept, das es so seit etwa 150 Jahren im Londoner Hyde Park gibt.

Statt eingeladene Gäste und Zuschauer mit einstudierten Reden zu Wort kommen zu lassen, begaben sich die Moderatoren Joachim Sina und Manfred Kutsch diesmal in die Zuschauermenge. „Jeder, der will, soll spontan sagen, was er über Europa denkt, was er fühlt, was er vermisst - ohne sich anmelden zu müssen“, sagte Kutsch.

Und nach anfänglichem Zögern meldeten sich mehr und mehr Besucher zu Wort und sprachen aus der Menge heraus direkt ihre Gegenüber an. Eine Menschentraube bildete sich zum Beispiel um Ursula Sabrobsky, als sie sagte: „Werdet nicht müde, eure Kinder für Europa zu begeistern!“ Sie fand aber auch kritische Worte: „Schüler- und Studentenaustausche nach Frankreich und Skandinavien sind ja gut und schön. Aber wir sollten diese Gelegenheit auch nutzen, mit dem Osten Europas wie Polen und Tschechien in Kontakt zu kommen und vielleicht dort mal hinzufahren, wo man die Europäische Idee kritischer beäugt“, sagte sie und erntete Applaus.

Auch andere konkrete Forderungen machten sich unter einigen Besuchern breit. Es bedürfe etwa einer EU-Verfassung, um überhaupt sagen zu können, wer im Sinne Europas handelt und wer nicht. Nur so könnten Grundwerte Europas wie Diversität und Freiheit durchgesetzt werden. Um „Freiheit“ ging es auch im gleichnamigen Song des Aachener Musikers Hessam Rassouli, der die Speakers‘ Corner mit der Gitarre begleitete.

(lki)
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