„Pulse of Europe“ Aachen: Jeden Sonntag Aktionen auf dem Katschhof geplant

Kundgebung : „Pulse of Europe“ legt einen Gang zu

Ein Pulsschlag hallt über den Katschhof: „Es ist 14 Uhr in Aachen, jetzt schlägt der Puls Europas“, tönt es aus dem Lautsprecher. Seit 2017 lädt die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ zu ihrer Kundgebung in Aachens „gute Stube“ ein.

Sieben Wochen vor der Europawahl geht es der Bewegung um alles. Was auf dem Spiel steht, zeigt sie mit einer bundesweiten Plakataktion: „Freiheit wächst nicht auf Bäumen“, „Frieden ist kein Naturgesetz“ und Zusammenhalt kann man nicht online kaufen“ ist auf den Plakaten zu lesen. Möglichst viele Menschen will man dazu bewegen, am 26. Mai an die Urnen zu gehen.

Dazu legt „Pulse of Europe“ auch in Aachen einen Gang zu: Bis zur Europawahl gibt es ab Ende April wieder regelmäßig am Sonntag eine Kundgebung auf dem Katschhof, erzählt Friederike Hofmann. Als überparteiliche Organisation gebe man zwar keine Wahlempfehlung, aber „wählen gehen ist gerade jetzt wichtiger denn je, damit Nationalisten und Populisten Europa nicht von innen heraus zerstören.

Dass das ihre Absicht ist, haben sie mehrmals gesagt“, unterstreicht Hofmann. Wie immer bei „Pulse of Europe“ dürfen Redner in drei Minuten darlegen, was Europa für sie bedeutet und warum Europa so wichtig ist. Werner Janssen, Vorsitzender des Vereins Euriade, richtete den Blick auf die Jugend. Seit 42 Jahren organisiert er im Rahmen des Euriade-Festivals Begegnung von jungen Menschen aus aller Welt.

Lernen, einander zu verstehen, das sei dabei das wichtigste und funktioniere auch zwischen Nationen, die sich politisch eigentlich nichts zu sagen haben.  Er rief auch die jungen Menschen in der Euregio zu mehr Austausch und Verständigung auf. Jos Schneider war lange Geschäftsführender eines Chemiekonzerns in Heerlen. Er beschrieb seine Vision von der „Europastadt“, einer Metropole von vier Millionen Menschen im deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiet, die überregional in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammenarbeiten.

Ausbaufähig: Die Initiatoren hoffen auf mehr Teilnehmer bei den nächsten Kundgebungen. Foto: Andreas Steindl

Im Ballungsgebiet der Städte Aachen, Lüttich und Maastricht sei dieses Potenzial bereits vorhanden. Sein Wunsch: Abbau der Hürden, die die überregionale Zusammenarbeit behindern, Förderung der Regionen und eine Vernetzung der bestehenden Einrichtungen, vor allem im Bildungs- und Wissenschaftsbereich. Und: mehr Selbstbewusstsein der Menschen, die in dieser Region leben und arbeiten. „Das Bild von der Randlage ist hier noch sehr verinnerlicht“, findet er. Mehr Verständigung und ein starkes Europa ist die Vision von Alfred Mevissen. Mit anderen Künstlern hat er den Verein „Art moves Europe“ gegründet.

Eine Installation hat er mit auf den Katschhof gebracht. Es zeigt Europa, als sitzende Frau dargestellt, auf einer Art Glücksrad. Jede Idee, die Europa voranbringt und das Rad „füttert“, trägt dazu bei, dass das Bild seich ein Stück aufrichtet. Für die jüngere Generation sprach Simon vom Businessclub Aachen-Maastricht. Landesgrenzen spielten für seine Generation keine Rolle, sagte er. Die Rolle Europas sei dagegen sehr wichtig. Sollte das Europaparlament gestärkt werden? Wäre gar eine europäische Regierung möglich? „Insgesamt wünschen wir uns eher mehr Europa“, sagt Simon.

Heinrich Kluck ist bei den Kundgebungen so etwas wie eine Institution. Er erinnerte daran, dass Europa auch immer ein Europa der Menschen war und nicht nur ein Europa der gemeinsamen Wirtschaftsinteressen. Die Kundgebung schloss mit der Europahymne, bei der eine Menschenkette den Katschhof umschloss.

Während der Veranstaltung hatten sich einige Hundert Menschen zusammengefunden, sodass die Kette am Ende geschlossen werden konnte.

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