Städteregion: Psychose-Forum bietet Austausch auf Augenhöhe

Städteregion: Psychose-Forum bietet Austausch auf Augenhöhe

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde eher über Menschen mit einer psychischen Erkrankung gesprochen als mit ihnen. Bis in die 1990er Jahre hinein stand bei Vorträgen über seelische Störungen und den Umgang mit diesen die Sicht der Mediziner im Mittelpunkt. Die Erfahrungen von Betroffenen spielten keine Rolle, auch nicht die von Angehörigen.

Das hat sich mit Gründung von Psychose-Foren geändert: Alle drei Gruppen — Psychiatrieerfahrene, Angehörige und Profis — begegnen einander hier auf Augenhöhe. Seit gut einem Jahr gibt es auch in der Städteregion ein solches Psychose-Forum. Es ist entstanden aus dem Psychose-Seminar, das der Verein Aachener Laienhelfer Initiative (Ali) vor mehr als 20 Jahren initiiert hatte.

Nach einer längeren Pause hat das Alexianer Krankenhaus das Seminar 2010 zusammen mit Ali wiederbelebt. Psychiatrieerfahrene, vertreten durch den Verein Psychiatrie-Patinnen und -Paten, kamen erst im vergangenen Jahr hinzu — und mit ihnen kam die Umbenennung zum Psychose-Forum.

„Damit wollten wir deutlich machen, dass es uns um den gleichberechtigten Austausch geht, nicht um Fortbildung“, sagt Ingo Seyfert von Ali. „Psychiatrieerfahrene sind früher nie gesehen worden“, stellt er fest. Dabei fordern sie, auch organisiert, schon seit Jahrzehnten „eine humane Psychiatrie, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine Entstigmatisierung“, wie Doris Thelen von den Psychiatrie-Paten berichtet.

In Aachen gibt es den Verein bereits seit 20 Jahren. Vieles ist auch schon besser geworden, sagt Jutta Weber von der Pflegeleitung des Alexianer Krankenhauses. „Ich arbeite seit 1987 in der Psychiatrie. Seitdem hat sich schon deutlich was geändert.“ Aber immer noch gibt es Ängste und Vorbehalte gegenüber psychisch Kranken, „wie gegenüber allem Fremden“, sagt sie. Diese abzubauen, ist ein Ziel der Psychose-Foren, zu denen alle interessierten Menschen eingeladen sind.

„Da geht es durchaus lebhaft zu“, sagt Jutta Weber. „Und wir Profis, die ja oft eine ‚Hubschrauber-Wahrnehmung‘ haben, werden da schon mal wieder auf den Boden zurückgeholt.“ Theo Jablonka von den Paten bekräftigt: „Da treffen manchmal Welten aufeinander.“ Aber das mache das Forum auch spannend, sagen alle.

Bislang fanden die offenen monatlichen Treffen immer in einer psychiatrischen Einrichtung statt, ab sofort ist das Forum bei der Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Akis) in der Volkshochschule am Aachener Bushof beheimatet.

„Der ein oder andere hat sich schon schwer getan, ins Alexianer Krankenhaus zu kommen, da waren die Räume von Ali schon besser“, sagt Jutta Weber. Bei der Suche nach einem neutralen und gut erreichbaren Veranstaltungsort ist man dann bei Pia van Buggenum-Sonnen von der Akis auf die richtige Ansprechpartnerin gestoßen. Sie war von dem Konzept des „trialogischen Austauschs“ begeistert, und so kam es schnell zur Zusammenarbeit.

Schon kommenden Dienstag, 10. Januar, findet das erste Forum am neuen Ort statt. Von 17 bis 18 Uhr stellen sich die verschiedenen Einrichtungen und Initiativen vor. Hier kann man schon mal miteinander ins Gespräch kommen. Um 18 Uhr stellt Eva Dorgeloh, Ärztin beim Kölner Gesundheitsamt, die Idee der Psychose-Foren allgemein und ihre Umsetzung seit mehr als 20 Jahren in Köln vor.

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