Prozessauftakt vor dem Landgericht Aachen gegen zwei Kriegsflüchtlinge

Versuchter Totschlag und Drogendelikte : Messerstecher vom Bushof stehen vor Gericht

Mit einem heimtückischen Messerstich in den Hals habe der 19-jährige Sadmad H. aus Aachen sein Opfer schwer verletzt und einfach in seinem Blut liegen lassen, hieß es in der Anklageschrift vor der 2. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht.

Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme muss seit Montag in mehreren Verhandlungstagen über den Anklagevorwurf des versuchten Totschlags in einer Spielothek in der Peterstraße entscheiden.

Mit auf der Anklagebank sitzt der gleichfalls 19-Jährige Farman N., der sich ebenfalls wegen eines Messereinsatzes im Bereich des Bushofes wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss. Die beiden jungen Männer hatten sich wegen ihrer Drogensucht von Sommer 2018 bis zu ihrer Festnahme Anfang Dezember 2018 regelmäßig im Umfeld der Bushofszene aufgehalten, berichteten sie bei der Befragung durch Richterin Böhme.

Dies schlägt sich auch in zahlreichen Anklagen wegen Drogenbesitzes und Handels mit Betäubungsmitteln – allerdings im geringfügigen Bereich – nieder. Die Staatsanwältin verlas insgesamt acht Anklagesätze. Der schwere Vorwurf der versuchten Tötung im Eingangsbereich der Spielothek resultierte letztlich aus einer Messerstecherei unmittelbar davor im nahen Bushof.

Laut Anklageschrift hielten sich am Abend des 1. Dezember 2018 gegen 20.15 Uhr die beiden Angeklagten und weitere junge Männer, ihre Zahl ist nicht bekannt, am oder im Bushof auf. Dabei seien die beiden Angeklagten mit anderen Anwesenden in Streitereien geraten, die dann in einem Messereinsatz von Farman N. mündete. Er verletzte einen Gegner am Unterarm, ein zweiter kassierte einen tiefen Stich in den Oberschenkel.

In den Hals gestochen

Die Angreifer liefen nach der Attacke weg und flüchteten sich in die Spielothek. Tatsächlich folgte der Mann mit der Armverletzung den Angreifern. Als die beiden Flüchtenden das bemerkten, soll der Freund des Messerstechers, Sadmad H., ihm im Eingangsbereich der Spielothek versteckt aufgelauert haben. Als dann der Verfolger an ihm vorbei in die Lokalität gelaufen sei, habe sich H. ihm von hinten genähert und ihm ein Messer in den Hals gestochen. Daraufhin sei der Verfolger blutüberströmt zusammengebrochen.

Die beiden Angeklagten gaben an, bereits seit einiger Zeit befreundet zu sein. Zunächst hatten die beiden Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan sporadisch zusammen gewohnt, man kannte sich gut. Allerdings waren beide wohl aufgrund schwerer Kriegserlebnisse nachhaltig traumatisiert, beide gaben an, wegen der Verfolgungen durch die Taliban und bei blutigen IS-Übergriffen ihre Eltern und einen Teil der Geschwister verloren zu haben.

„Wir waren froh in Deutschland sicher leben zu können“, sagte Sadmad H. in gutem Deutsch zur Richterin. Doch dann seien die Drogen gekommen, die sie aus Afghanistan nicht kannten. Sie seien auch deswegen anfällig geworden, weil sie jede Nacht von Alpträumen heimgesucht wurden, in denen sie das Abschlachten ihrer Familie sahen. Beide Angeklagte werden von psychiatrischen Sachverständigen begutachtet.

Der Prozess wird am Dienstag, 30. April, ab 9 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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