Aachen: Protestplakate und bunte Zettel gegen das Studierendenwerk

Aachen : Protestplakate und bunte Zettel gegen das Studierendenwerk

Der Protest ist nicht zu ignorieren. Er springt ins Auge. Im Hof. An der Eingangstür. Im Treppenhaus. An den Fenstern. Vor den Seminarräumen. „Nein zum Studierendenwerk“, steht unter anderem auf den Zetteln, die seit Montag das gesamte Gebäude der Katholischen Hochschule (Katho) Aachen plakatieren. Oder auch „Fair statt Kommerz!!“, „Masse ist Macht“. Und immer wieder „Partizipation lehren UND leben!!!“.

Die Studenten an der Robert-Schuman-Straße sind alles andere als glücklich über den geplanten Beitritt ihrer Hochschule zum Studierendenwerk zum kommenden Wintersemester 2018/19. Sie kritisieren nicht nur, dass dadurch der Semesterbeitrag um 83 Euro auf insgesamt rund 270 Euro steigen wird und dies zahlreiche Studenten in finanzielle Schwierigkeiten bringen könne.

Sie befürchten auch darüber hinaus Nachteile, etwa einen Eingriff in das bereits bestehende gastronomische Angebot durch das Studierendenwerk, konkret das Café Sozialpunkt, in dem in Kooperation mit dem Alexianer-Krankenhaus gezielt regionale und fair gehandelte Waren verkauft werden. „Wir versuchen aktuell, als faire Hochschule zertifiziert zu werden, und befürchten, dass das mit dem Beitritt zum Studierendenwerk gefährdet wird“, erklärt Helena Greiner als Vorstandsmitglied des Studierendenparlaments (Stupa), das die rund 1000 Studenten des Aachener Katho-Standorts vertritt, einen der Kritikpunkte.

Zumindest diese Sorgen versucht Holger Walz am Dienstag auszuräumen. „Das beliebte ‚Café Sozialpunkt‘, dessen fair gehandeltes Angebot sowie die beiden bereits aufgestellten Getränkeautomaten bleiben bestehen, die Vereinbarung mit dem Alexianer-Krankenhaus als Café-Betreiber bleibt vom Beitritt zum Studierendenwerk unberührt. Diese gastronomischen Angebote sind ausdrücklich gewünscht“, teilt der Sprecher der Katholischen Hochschule NRW auf Anfrage mit. Vertreter des Standorts Aachen sind am Dienstag nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Versprechen nicht eingehalten?

Gespräche über einen möglichen Beitritt der Katho Aachen zum Studierendenwerk bestehen schon länger. Die Standorte in Köln und Münster haben den Schritt längst vollzogen. Aachen und Paderborn sollen nun folgen. Dass die Studenten der Kaiserstadt bereits zum Wintersemester den höheren Semesterbeitrag berappen sollen, sorgt an der Robert-Schuman-Straße für Verärgerung.

Vor allem, weil man — so die Darstellung von Helena Greiner und Benjamin Hoven, ebenfalls Mitglied im Stupa — nicht rechtzeitig darüber informiert worden sei. Denn die Hochschule habe den beiden Studentenvertretungen Stupa und Asta zugesagt, sie ein Semester vor dem Beitritt darüber zu informieren. „Der Verwaltungsleiter der Abteilung Aachen, Frank Martin, ebenso der Verwaltungsdirektor, Meinolf Sprink, haben dies eingehalten und den Beitritt und die Studienbeiträge offen kommuniziert“, teilt dazu am Dienstag die Katholische Hochschule NRW durch Sprecher Holger Walz mit.

Die Darstellung der Studierendenvertreter ist indes anders. Nur „per Zufall“ habe man Anfang Mai von den konkreten Verhandlungen erfahren. „Das ist eine Politik des Nicht-Informierens, die ganz klar gegen unsere Lehre geht“, sagt Helena Greiner, insbesondere mit Blick auf die Hauptverwaltung der Katholischen Hochschule NRW in Köln. „Wir werden dazu animiert, kritische Sozialarbeiter zu sein, werden aber von der Hochschule behandelt wie kleine Kinder.“ Deshalb habe man sich auch dazu entschlossen, eine E-Mail an die Hochschulleitung bei Facebook zu veröffentlichen, in der die Studenten ihr Unverständnis über das nicht eingehaltene Versprechen äußern. „Eine offizielle Information an uns als Gremium und die Studierendenschaft gibt es bis heute nicht“, heißt es darin. Das war am Freitag.

Am Montag war die Katho plakatiert — allerdings nicht, betont Helene Greiner ausdrücklich, auf Initiative von Stupa und Asta, sondern durch ihnen unbekannte Studenten. Als offizielle Aktion der Gremien habe man eine Unterschriftensammlung gestartet. Bis Dienstag seien so bereits mehr als 200 Signaturen gegen den Beitritt zum Studierendenwerk gesammelt worden — auch Dozenten hätten unterschrieben, betont Greiner.

Nicht ignorieren lassen

„Selbst wenn wir den Beitritt nicht verhindern können, haben wir jetzt schon etwas erreicht“, sagt Benjamin Hoven. „Wir zeigen, dass wir uns nicht ignorieren lassen.“ Ob diese Präsenz nicht nur schöne Bilder, sondern auch handfeste Ergebnisse zur Folge hat, werden die Studenten in gut einer Woche wissen. Wie Katho-Sprecher Walz mitteilt, werden die Vorbereitungen für den Beitritt in der Verwaltungsratsitzung des Studierendenwerks am 15. Juni abgeschlossen sein.

Ein Ergebnis haben die Studenten jedoch schon jetzt zu verbuchen. Wie der Asta/Stupa am Dienstagabend über seine Facebook-Seite mitteilt, fand am selben Tag ein Gespräch zwischen Vertretern des Stupa/Asta, dem Dekanat und dem Verwaltungsleiter statt. Es gebe Bestrebungen seitens des Dekanats, den Beitritt der Aachener Abteilung zum Studierendenwerk um ein Semester, also zum Sommersemester 2019, zu verschieben.

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