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Aachen: Prominenz hält sich beim Karlspreis vornehm zurück

Aachen : Prominenz hält sich beim Karlspreis vornehm zurück

So deutlich wird es eigentlich seltener ausgesprochen: Die Anzahl gekrönter und ungekrönter Häupter beim Karlspreis steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Popularitätsgrad des oder der zu Ehrenden. Sagte am Montag Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Doch er will gar nicht auf schlechte Laune machen, obwohl die Prominenz dem Karlspreis 2013 eher die kalte Schulter zeigt. „Ich bin zufrieden mit der Liste der Ehrengäste.“ Er werde schon noch die ein oder andere Zeile für seine Begrüßung verwenden, verwies der OB darauf, dass er im Krönungssaal wohl eher nicht vor einem weißen Blatt Papier stehen wird.

Wenn also Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite am Himmelfahrtstag den Internationalen Karlspreis entgegennehmen wird, dann ist von der Bundesregierung Finanzminister Wolfgang Schäuble, Karlspreisträger des Jahres 2012, mit von der Partie. Die NRW-Landesregierung vertreten Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, und Schulministerin Sylvia Löhrmann. Das Europäische Parlament vertreten dessen Präsident Martin Schulz, der auch die Laudatio auf Grybaus-kaite halten wird, und Herman van Rompuy, der Präsident des Europäischen Rates. Womit die Liste hochrangiger Politiker zu Ende erzählt ist. Der Rest kommt eher aus der zweiten Reihe.

„Ein deutliches Signal“

Mehrere Absagen von ehemaligen Preisträgern hat es gegeben. Zum Beispiel von Leo Tindemanns (Preisträger 1976) und Roman Herzog (1997), die aus gesundheitlichen Gründen Aachen fern bleiben. Simone Veill, die 1981 den Karlspreis erhielt, hat aus familiären Gründen absagen müssen, so Dr. Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums am Montag. Fest zugesagt haben neben Wolfgang Schäuble Pat Cox (Preisträger 2004), Jean-Claude Trichet (2011). Ungeachtet der überschaubaren Prominenz erwartet das Direktorium vom Karlspreis 2013 ein „deutliches Signal für die künftige europäische Entwicklung“. Dalia Grybauskaite werde „Hoffnung und Zuversicht“ mit ihrer „Impulsrede“ ausstrahlen, ist Linden überzeugt. Zukunftsvisionen für das Europa von morgen soll auch schon das traditionelle Karlspreisforum am Tag vor der Verleihung aufzeigen. Sprechen werden dort unter anderem Pat Cox, vormaliger Präsident des Europäischen Parlamentes, sowie Elmar Brok, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlamentes.

Das Programm für Dalia Grybauskaite gleicht dem vorheriger Karlspreisfeierlichkeiten. Die litauische Staatspräsidentin wird am Mittwoch in Aachen ankommen und der Hochschule, dem Dom und dem Karlspreisforum einen Besuch abstatten. Gelegenheit, die designierte Karlspreisträgerin aus der Nähe kennen zu lernen, haben die Aachener am Mittwochabend. Auf der Katschhofbühne wird sich Grybauskaite um 19.30 Uhr den Fragen von AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu stellen. Vor den offiziellen Programmpunkten hat Dalia Grybauskaite aber einen privaten Termin: Printen kaufen. Eine kleine Shopping-Tour in der City muss sein. Philipp: „Darum hat sie ausdrücklich gebeten.“ Und sehr wahrscheinlich wird sie auch auf zahlreiche Landsleute treffen, die in Aachen wohnen. Protokollchefin Claudia Wellen hat zum Beispiel ein Paar eingeladen, das vor kurzem erst geheiratet hat. Er ist Aachener, sie stammt aus Litauen. Wer vermisst angesichts dieser europäischen Anekdote schon die Prominenz?