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Projekt „switch“ aus Aachen: Perspektive nach Studienabbruch

Ausbildung bei der Stadt : Perspektive nach dem Studienabbruch

Das Projekt „switch“ steht für eine Erfolgsgeschichte: Inzwischen gibt es lukrative Berufsabschlüsse in verscheidenen Feldern. Jetzt wurde der 500. Ausbildungsvertrag bei einer Aachener Firma unterzeichnet.

Paul Dinglinger, ehemaliger Fahrzeug- und Abtriebstechnik-Student, unterschrieb jetzt seinen Ausbildungsvertrag als Fachinformatiker für Systemintegration beim Aachener Unternehmen Rangee. Nicht irgendeinen Ausbildungsvertrag, sondern den 500. Ausbildungsvertrag im Rahmen von „switch“. Ein Meilenstein für das vor neun Jahren von der Stadt Aachen initiierte und gemeinsam mit regionalen Partnern entwickelte Projekt.

Das Projekt „switch“ startete 2011 mit dem Ziel, Studienabbrecherinnen und -abbrechern aus MINT-Fächern in eine verkürzte Berufsausbildung in Unternehmen der IT-Branche zu vermitteln. Aus dem Kleinprojekt ist inzwischen eine überregional bekannte Initiative geworden, die Studienabbrechern aus allen Fachbereichen in diverse Berufsbilder vermittelt. Zahlreiche Auszeichnungen, dutzende Nachahmer-Projekte und ein Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im April 2015 haben „switch“ inzwischen zum bundesweit erfolgreichsten Projekt gemacht.

Öffentliche Förderung

Von Oktober 2012 bis Februar 2015 wurde „switch“ im Rahmen der Fachkräfteinitiative NRW gefördert. Seit Februar 2018 wird „switch“ 2.0 über das Ausbildungsstrukturprogramm Jobstarter plus durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds für drei weitere Jahre gefördert. Insgesamt konnten seit 2011 über 500 Ausbildungsverhältnisse überwiegend im MINT-Bereich vermittelt werden. Rund 225 Unternehmen aus der Region Aachen suchen aktuell über „switch“ 2.0 Auszubildende.

„Mit switch erhalten Studienabbrecher die Chance, in einem sehr kurzen und finanziell überbrückbaren Zeitraum einen hochwertigen Berufsabschluss zu erwerben. Unternehmen erhalten Zugang zu Auszubildenden und die Region bindet durch diese berufliche Perspektive junge Menschen, die ohne „switch“ unter Umständen abwandern würden“, sagt Lotta Conrads vom städtischen Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa. „Eine absolute Win-Win-Win-Situation“, ergänzt Verena Becker-Czub, beim Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa ebenfalls für das Projekt switch 2.0 zuständig.

Hohe Studierendenquote

In Aachen leben aktuell rund acht Prozent der in ganz NRW eingeschriebenen Studenten und bilden damit rund 20 Prozent der städtischen Einwohner. Jedes Jahr verlassen in Aachen jedoch über 3000 Studierende die Hochschulen ohne Abschluss. Gleichzeitig gibt es bei Unternehmen in der Region zunehmend die Problematik, Ausbildungsstellen mit qualifizierten Bewerbern besetzen zu können.

„switch 2.0“ verbindet diese beiden Aspekte und bringt Studienabbrechern und Unternehmen zusammen. Mit der Möglichkeit, in Aachen eine verkürzte Berufsausbildung zu absolvieren, bietet „switch 2.0“ Studienabbrechern einen attraktiven und alternativen Ausbildungsweg an. Gleichzeitig stellen Unternehmen die Studienabbrecher aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Vorwissens aus dem Studium gerne ein.

Letzteres bestätigt auch Ulrich Mertz, Geschäftsführer der 2004 gegründeten Rangee GmbH, die in Aachen Thin-Clients und unter anderem Lösungen für VDI entwickelt. Er beteiligt sich seit fünf Jahren an diesem Programm. Und ist zufrieden. „’switch’ gibt uns die Möglichkeit, junge Menschen, die schon ein bisschen länger im Leben stehen und im Idealfall Vorerfahrungen im Bereich IT haben, für unser Unternehmen zu gewinnen und an die bestehenden Aufgaben heranzuführen“.

Anscheinend mit Erfolg, denn einer der ersten switch-Azubis der Rangee GmbH in seinem Unternehmen ist heute Leiter der Software-Entwicklung ebenda …

(red)