Aachen: Projekt „Speak up!“: Englisch ist mehr als Shakespeare

Aachen: Projekt „Speak up!“: Englisch ist mehr als Shakespeare

Reden ist Silber, schweigen ist Gold — diese Redensart sollte nicht unbedingt als Credo für den Fremdsprachenunterricht an deutschen Schulen herhalten. Zwar ist das Erlernen von Fremdsprachen, insbesondere Englisch, an deutschen Schulen eine Selbstverständlichkeit, die Sprechkompetenz der Schüler lässt jedoch häufig zu wünschen übrig.

Dieser Umstand ist in erster Linie immer größer werdenden Klassen und neuen Vorgaben in den Lehrplänen geschuldet, was dem Sprechen der jeweiligen Fremdsprache im Unterricht zu wenig Raum lässt. Auf der anderen Seite werden ab 2014 mündliche Prüfungen im Fach Englisch in der Klasse 9 und der Qualifikationsphase I obligatorisch.

Ein unbefriedigender Zustand — das fand auch Anne Strobelt, Lehrerin am Aachener Rhein-Maas-Gymnasium: „Mir ist aufgefallen, dass viele Oberstufenschüler mühelos einen Shakespeare-Text analysieren können, jedoch ins Straucheln geraten, wenn sie in einer alltäglichen Situation auf Englisch etwas fragen müssen.“

Während ihrer Referendariatszeit entwickelte sie daher das Projekt „Speak up!“, mit dem das aktive Sprechen im Rahmen des Englischunterrichts in kleinen Gruppen gefördert werden soll. Fachliche Unterstützung findet die Lehrerin am Institut für Anglistik an der RWTH Aachen von Professorin Stella Neumann, Professorin Frauke Intemann und Nicola Brown.

Eine perfekte Symbiose, da so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Schüler können ihr mündliches Englisch verbessern, die ausgewählten Lehramtsstudenten der RWTH Aachen, die in diesem Projekt als sogenannte „Language Coaches“ eingesetzt werden, können neben ihren Pflichtpraktika schon einmal in den Schulalltag hineinschnuppern. „Mini-Referendariat“ nennt Strobelt diese Möglichkeit, denn die Studenten sind in enger Kooperation mit der Englischfachschaft eigenverantwortlich für „ihre“ Klasse zuständig, inklusive Unterrichtsvorbereitung und —realisierung.

„Einem angehenden Lehrer kann nichts Besseres passieren. Denn beim Speak-up-Projekt können wir uns als Studenten aktiv einbringen“, erklärt Language Coach Felix Kruff. Mittlerweile gibt es das Speak-up-Projekt im zweiten Jahr am Rhein-Maas-Gymnasium, im nächsten Schuljahr sollen noch mehr Klassen an diesem Projekt teilhaben können. Momentan sind es acht Klassen, darunter der Englisch-Leistungskurs der Qualifikationsphase I.

Mittendrin befindet sich Melina List, die im nächsten Jahr ihr Abitur machen wird. „Im normalen Englischunterricht lernen wir eher formale Sachen wie Grammatik und Vokabel. In den Speak-up-Kursen können wir mehr kommunizieren. Das finde ich ausgesprochen wichtig“, resümiert List.

Erst recht, wenn man auch noch die Gelegenheit hat, mit Muttersprachlern ins Gespräch zu kommen. So wurden jüngst neun Austauschschülerinnen der Xavier College Prep High School aus Phoenix (Arizona), die für zehn Tage das Rhein-Maas-Gymnasium besuchten, in das Projekt eingebunden. Strobelt würde sich freuen, wenn sich auch andere Schulen das Speak-up-Projekt zum Vorbild nähmen: „Projekte dieser Art werden die Zukunft sein, da nur so die Sprechkompetenz der Schüler im Englischunterricht adäquat gefördert werden kann.“

(ck)
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