Aachen: Projekt „Signal X”: Erfrischungskur für den eigenen Sound

Aachen: Projekt „Signal X”: Erfrischungskur für den eigenen Sound

Die Gitarre an den Verstärker anschließen, das Mikrofon einstecken, das Schlagzeug abnehmen, und dann geht alles durch das Mischpult. Welche Band träumt nicht davon, einmal die eigenen Songs aufzunehmen? Für drei Gruppen aus unserer Region wird dieser Traum nun Wirklichkeit.

Sie fahren für drei Tage nach Berlin, um dort im Rahmen eines Workshops mit Profis in einem renommierten Studio zusammenzuarbeiten. Das Ergebnis wird anschließend bei einem Konzert im Alsdorfer Energeticon präsentiert.

„Songs für die großen Mädchen und die guten Jungs.” So beschreibt Ernst Kochen von Henk Jr. die Musik seiner Band. Seit 2005 gibt es die Aachener Indiepop-Gruppe, zwei EPs hat sie in Eigenregie bereits aufgenommen. Doch seit dem vergangenen Herbst ist aus dem ursprünglichen Quartett ein Trio geworden. Henk Jr. stehen also vor einem Neustart. Dafür erhoffen sie sich von dem Workshop Impulse. „Wir wollen neue Einflüsse bekommen, Tipps, vielleicht auch Kritik, die uns zuerst mal gar nicht gefällt”, sagt Kochen. „Die Hauptsache ist, dass neuer Schwung reinkommt.”

Experimenteller Charakter

Der Workshop ist Teil des Projekts „Signal X” der Städteregion Aachen. „Signal X”, das ist die Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen (Amateur-)Musikern aus der Region mit Berliner Profis, die im vergangenen Jahr zur „Städteregion Aachen String Theory” führte. Der Auftritt des Ensembles im vergangenen Sommer war einer der Höhepunkte des Kulturfestivals der Städteregion.

Ins Leben gerufen hat das Projekt Nina Mika-Helfmeier, die Kulturreferentin der Städteregion. „Sig­nal X” soll dabei die losen Enden des String-Theory-Projekts zu etwas Festem, Dauerhaftem verbinden. „Die String Theory geht weiter, aber mit anderen Inhalten”, sagt Mika-Helfmeier. „Wichtig ist aber, dass der experimentelle Charakter erhalten bleibt.”

Experimentieren. Das ist auch das Stichwort für Ben Graaf. Seine Band Kings Of The Day aus Vaals ist seit zweieinhalb Jahren nicht mehr aufgetreten. Dabei hatte die niederländisch-deutsche Gruppe, die 2006 mit Indierock im Stile der Editors angefangen hat, zuvor Auftritte in renommierten Clubs quer durch die Niederlande. 2009 standen sie sogar beim Pinkpop-Festival auf der Bühne.

Zuletzt hat sich die Gruppe zurückgezogen. „Wir wollten unseren Sound überarbeiten, etwas Neues wagen”, sagt Graaf. Auch die Besetzung hat sich verändert. Zwar spricht Graaf nicht von Neustart, aber man spürt, dass die Band sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben wollen. Das verbindet alle drei Gruppen.

Insgesamt gab es nach dem Aufruf im März 20 Anfragen und rund ein Dutzend Bewerbungen für die Teilnahme an dem „Signal X”-Workshop. Eine Jury hat dann die drei Bands ausgewählt, die vom 11. bis 13. Juni im Chez-Cherie-Studio in Berlin aufnehmen dürfen, wo unter anderen bereits Tocotronic, Beatsteaks oder Dendemann produziert haben. Unterstützt werden die Aachener dabei von Andrew Unruh (Einstürzende Neubauten) und den Musikern der Band Apparat. Zu denen gehört auch Patrick Christiansen, der sich kurz PC oder als Künstler auch Nackt nennt. Er ist einer der führenden Köpfe hinter dem String-Theory-Projekt, womit sich der Kreis schließt.

Was es bedeutet, wenn sich Nackt eines Stücks annimmt, das haben Alvida aus Roetgen schon erfahren. Sie waren mit ihrem Titel „Take Me Far Out” am String-Theory-Projekt beteiligt und sind nun bei „Signal X” dabei. Und wie ist das so, wenn man sein eigenes Werk in andere Hände gibt? „Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig”, sagt Lukas Kehr, der mit Alvida 2010 den Stawag-Music-Award gewonnen hat. „Man muss ziemlich loslassen können”, sagt er. „Wenn man das schafft, ist es toll, mit PC zusammenzuarbeiten. Uns hat es weitergebracht.”

Was die drei Bands austüfteln, werden sie natürlich auch präsentieren. Bei dem Konzert im Alsdorfer Energeticon sind auch Apparat und Andrew Unruh dabei. Allerdings unter geänderten Vorzeichen: Die Berliner treten nicht als Hauptakteure auf, sondern sind die Vorgruppe. Am Schluss des Abends steht das Aachener Projekt Elektro-Willi auf der Bühne.

Abschlusskonzert am 15. Juni in Alsdorf

Die Ergebnisse des Workshops werden am Freitag, 15. Juni, ab 20 Uhr bei einem Abschlusskonzert im Energeticon in Alsdorf präsentiert, Konrad-Adenauer-Allee 7. Eintrittskarten sind zum Preis von drei Euro an allen Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlags erhältlich.

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