Profimusikerin "Frau Höpker" bringt das Publikum zum Singen

„Frau Höpker“ lädt zum Singen ein : Das Publikum wird zur Schulklasse

„Frau Höpker bittet zum Gesang“: Seit zehn Jahren lässt die Musikerin Menschen singen, weil es sie glücklich macht.

Ja, sie wirkt ein bisschen streng, und wenn sie einen Song oder ein Lied anstimmt, würde ihr keiner widersprechen, denn bei Konzerten mit der straffen, strahlenden Frau Höpker verwandeln sich die Säle in große Schulklassen, und die Zuschauer sind plötzlich wieder begeisterte „Kinder“. Sie hören gern auf das Kommando der Sängerin und Entertainerin, die ursprünglich einmal das Lehramt angesteuert hat.

Die Kölner Profimusikerin hat vor gut zehn Jahren ein Veranstaltungsformat geprägt, das sich nicht kopieren lässt, denn was locker erscheint, verlangt intensive Vorbereitung, Reaktionsvermögen, Fantasie und eine Persönlichkeit, die Gruppe sehr unterschiedlicher Menschen für gut zweieinhalb Stunden in eine Gemeinschaft verwandelt.

„Die Grundidee ist einfach und hat sich nie verändert“, erzählt Katrin Höpker. Ein Klavier, ein Mikrofon und eine Projektionsmöglichkeit für die Liedtexte – das ist alles, was sie braucht. Playback gibt es bei ihr nicht, und sie trägt immer Weiß. „Meine Garderobe entwerfe ich selbst“, betont Katrin Höpker. Beim Programm ist sie flexibel. „Meine Verbindung zum Publikum ist so intensiv, dass ich genau weiß, was die Menschen wann brauchen, ich lasse mich auf diese Verbindung ein“, sagt sie, die ihre Gäste gern mit dem Satz empfängt: „Sie werden sich nun zweidreiviertel Stunden lang selbst lobpreisen.“

Sicherheit gibt ihr Ehemann Erik Sattler, der die Technik im Griff hat, jeden Schritt seiner Frau auf der Bühne beobachtet und an rasche Änderung gewöhnt ist. Ein Wink und die Nummer eines Titels genügen, und wie von Zauberhand erscheinen die richtigen Texte auf der Leinwand, setzt er Änderungen um. Während der Konzerte, an denen bis zu 3000 Menschen teilnehmen, schenkt er ihr die Gewissheit, dass im Saal alles gut läuft, dass etwa die Stehtische nicht zusammengeschoben werden, denn es soll Platz und Luft für Bewegung bleiben.

Der Spannungsbogen muss stimmen. Katrin Höpker überrascht die Besucher mit Hintergrundgeschichten und Informationen zu den Liedern. Was hat ein „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ zum Beispiel mit einem Song von Robbie Williams zu tun? Oder Mike Oldfields „Moonlight Shadow“: Wer weiß schon, dass er hier subtil an die Ermordung John Lennons in New York am 8. Dezember 1980 erinnert?

Katrin Höpker erklärt es. „Das gibt gute Energie, die Gäste hören gespannt zu, machen mit“, weiß sie, die gern in die Tiefe geht, die therapeutischen Wirkung von Gesang in Gemeinschaft propagiert: „Der Körper schüttet beim Singen nachweislich Glückshormone wie das Oxytocin aus. Singen entspannt, fördert die Atmung und stärkt sogar das Immunsystem“, hat sie erfahren.

Wer sich beim Bossa Nova in den Hüften wiegt oder im Walzertakt schunkelt und bei Rolling Stones und Beatles in Jugenderinnerungen schwelgt, langweilt sich jedenfalls nicht. Die Besucher sind meist im Alter zwischen 40 und 70 Jahren, manche deutlich jünger.

Katrin Höpker schöpft bei ihrer Arbeit aus persönlichen Quellen: „Im Alter von fünf Jahren kam ich ans Klavier, mit meinen vier Schwestern habe ich viel musiziert, ob Freude oder Trauer, zu Hause wurde zu jedem Anlass gesungen“, erinnert sie sich. Entsteht Unruhe in einer Ecke des Saals, „fängt“ sie das Gemurmel mit einer eleganten Geste ein - als ob sie eine Fliege mit der Hand im Flug erwischt. „Das klappt“, lacht sie.

195 Titel im Archiv

Bevor es losgeht auf der Bühne und im Zuschauerraum, erklärt Katrin Höpker alles genau. „So eine Aktion verlangt eine Form von Verlässlichkeit“ betont sie. Dabei ist die Liste der Songs von Abend zu Abend, von Saal zu Saal verschieden. Rund 195 Titel gibt es im Archiv. Mal thematisiert sie eine Jahreszeit, dann wieder einen Künstler, der gerade Geburtstag hatte, wie der inzwischen 70-jährige Marius Müller-Westernhagen, oder Gedenktage und historische Ereignisse.

„Das Jahr des Mauerfalls oder Michael Jackson können Ausgangspunkte bieten“, erzählt Katrin Höpker, die es mag, wenn der Abend zur musikalischen Geschichtsstunde wird. Und wo sie Johanna von Koczians Schlager „Das bisschen Haushalt“ anstimmt, gibt es gleich dazu den emanzipatorischen Hintergrund. Ob Abba oder Reinhard Mey, Medley nach Art der Fischer-Chöre oder Dschinghis Khan – die Reise soll Spaß machen.

Wenn man sie fragt, ob „Frau Höpker“ nicht ganz schön altmodisch klingt, sagt sie nur: „Nein, ein großartiges Alleinstellungsmerkmal.“

(Sabine Rother)
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