Aachen: Premiumwege ins Grün: Zuschüsse fließen

Aachen: Premiumwege ins Grün: Zuschüsse fließen

Wenn die Fachkommission „Zu Fuß“ ein Konzept entwickelt, das dann auch noch „schrittweise“ umgesetzt werden soll, dürfte schnell klar sein, worum es geht: um Fußgänger. Und da nicht bloß ein paar schnöde Bürgersteige gemeint sind, sondern ganz besondere fußläufige Verbindungen, geht man auch begrifflich etwas mehr in die Vollen.

Nicht weniger als zehn „Premiumwege“ sollen in den nächsten Jahren in Aachen entstehen, die den Bürgern und natürlich auch Touristen besser als bislang den Weg weisen sollen aus dem doch eher steinernen historischen Zentrum ins lauschige „Stadtgrün“.

Passend dazu liest sich die Projektbeschreibung stellenweise entsprechend blumig: „Zu Fuß gehen heißt auch flanieren, sehen und gesehen werden, spontane Kontakte knüpfen an Orten, die zum Verweilen einladen“, heißt es da. Den Fußgängern sollten in Zukunft attraktivere, barrierefreie und sicherere Wege geboten werden, die „entlang der historischen Torstraßen sternförmig nach außen“ führen und „kleine Quartiersplätze und grüne Oasen“ miteinander verknüpfen.

Teil des Innenstadtkonzepts 2022

So steht es schon seit einiger Zeit im Innenstadtkonzept 2022, doch nun geht es so langsam an die Umsetzung der schönen Theorie in die Praxis. Denn die Fördermittel für die ersten Abschnitte der Premiumwege sind bewilligt, wie die Verwaltung der Politik in der Vorlage für den Umweltausschuss am 25. Oktober und den Mobilitätsausschuss am 3. November mitteilt.

Knapp 260.000 Euro — davon 80 Prozent aus Landesmitteln — sollen demnach in die Aufwertung des Fußgängerbereichs Mariahilf-straße fließen, die Teil des Premiumwegs 1 in den Stadtpark ist. Und knapp 300.000 Euro werden in den Premiumweg 7 gesteckt, der vom Markt über die Jakobstraße ins Johannisbachtal führt.

Weitere Premiumwege sollen später aus dem Pfalzbezirk auch ins Wurmtal, zum Frankenberger Park, in den Burtscheider Kurgarten, in den Ferberpark, zum Hangeweiher, in den Westpark, zum Campus West, zum Ponttor und zum Lousberg führen.

Natürlich gibt es auch heute schon Fußwege zu all diesen Punkten, aber eben eher schlechte. Zu Premiumwegen veredelt werden sollen sie durch Maßnahmen zur Fußgängersicherheit und Barrierefreiheit, durch mehr Grün, eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität und nicht zuletzt eine klare und einheitliche Wegweisung bzw. „Signatur“.

So soll beispielsweise der Passant auf dem Weg vom Markt ins Johannisbachtal an zehn Fahrbahnquerungen durch das Vorziehen des Gehwegs mehr Sicherheit und Barrierefreiheit erfahren. 15 neue Bäume sollen auf dieser Strecke für ein besseres Stadtklima sorgen, außerdem werden zusätzliche Bänke und Fahrradbügel installiert. Ab 2017 soll all dies im Kontext mit geplanten Stawag-Maßnahmen Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Mit den potenziellen Nutzern hat man die Planung dieser Route bereits abgestimmt — natürlich auf „Bürgerspaziergängen“. Gleiches gilt für den Premiumweg 8, der vom Markt über den Lindenplatz zum Westpark führt und für den rund 300 000 Euro verbaut werden sollen. Auf der Route 2 via Rehm- und Blücherplatz ins Wurmtal müssen die Bürger dagegen noch die Schuhe schnüren. „Stadtspaziergänge“ würden dort derzeit vorbereitet, heißt es.

Als Stolperfalle könnte sich für das Millionenvorhaben allenfalls das leere Stadtsäckel entpuppen. Die Umsetzung der Maßnahmen, die die Politik beschließen soll, erfolgt laut Verwaltung vorbehaltlich der Rechtskraft des Haushalts 2017. Aber das gilt ja für fast alles in dieser Stadt. Genau so wie eine ganz einfache philosophische Weisheit für das ambitionierte Premiumpassantenprojekt: Der Weg ist das Ziel.

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