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„Ruhe bewahren – planvoll vorgehen“: Praktische Tipps gegen Abzocke von unseriösen Notdiensten

„Ruhe bewahren – planvoll vorgehen“ : Praktische Tipps gegen Abzocke von unseriösen Notdiensten

Eine Verbraucherberatung informierte: Richtiges Verhalten in Notsituationen. Was tun bei einer zugefallenen Tür oder einem verstopften Rohr? Die Betroffenen können von sich aus selbst sehr viel tun.

443 Euro, um eine ins Schloss gefallene Türe zu öffnen, mehr als 1000 Euro für eine verstopfte Toilette, die nach der vermeintlichen Reparatur immer noch verstopft war – unseriöse Schlüsseldienste und Rohrreinigungsfirmen nutzen die Notsituationen von Verbrauchern schamlos aus und zocken diese rigoros ab.

Um diesen Betrügern entgegenzuwirken, hatte sich die Verbraucherzentrale NRW zum Weltverbrauchertag am Sonntag, vorgenommen, den Verbrauchern unter dem Motto „Ruhe bewahren – planvoll vorgehen“ mit Tipps gegen die Abzocke, zu helfen.

Wer sich selbst ausschließt oder eine verstopfte Toilette hat, reagiert meist direkt und unüberlegt und landet so schnell bei unseriösen Notdiensten. Deshalb sollte sich der Betroffene zunächst fragen, ob er das Problem nicht selbst oder gemeinsam mit einem Nachbarn lösen könne.

Ulrich Isfort, Mitarbeiter der Beratungsstelle Aachen der Verbraucherzentrale NRW, erläuterte hierzu, dass eine Übernachtung im Hotel oftmals billiger sei als die überteuerte Hilfe eines unseriösen Notdienstes. Wenn der Betroffene dann bis zum nächsten Tag gewartet hat, solle er sich als nächstes auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter machen.

Wenn der Betroffene dennoch selbst nach einem geeigneten Dienstanbieter suchen müsse, gebe es auch dabei einiges zu beachten. Suche man beispielsweise online nach „Schlüsseldienst Aachen“ würden einem zwar durchaus einige Schlüsseldienste vorgeschlagen, die auch in Aachen ansässig seien, jedoch auch solche, die dies nur vorgäben. Um herauszufinden, ob sich der vorgeschlagene Schlüsseldienst auch wirklich in der Städteregion befinde, lohne sich ein Blick ins Impressum, weiß Isfort. Häufig hätten Schlüsseldienste und andere Notdienste im Impressum ihren wahren Standort festgehalten.

Habe der Betroffene einen passenden Anbieter gefunden, sollte vorab am Telefon einiges geklärt werden. Zum einen sollte der Anrufer sein Problem möglichst genau schildern und sich die Anfahrtskosten nennen lassen. Mit diesen Informationen kann der Verbraucher eventuell bereits am Telefon mehrere Vergleichsangebote vom Anbieter erhalten und einen Festpreis vereinbaren. Hierbei lohnt es sich, den Festpreis mit den durchschnittlichen Preisen von Notdiensten abzugleichen. In NRW koste die Öffnung einer lediglich zugefallenen Türe inklusive Anfahrt tagsüber und an Werktagen circa 90 Euro. Für einen Akut-Einsatz in der Nacht, an Sonn- oder Feiertagen werden im Schnitt 140 Euro berechnet.

Sobald dann ein angemessenes Angebot vereinbart worden sei, sollten die Betroffenen nach Ankunft des Arbeiters auf sachgerechte Leistungen achten. Wenn möglich, sollte eine zweite Person zur Unterstützung bzw. als Zeuge hinzugezogen werden. Fühle sich der Verbraucher unter Druck gesetzt, empfiehlt Isfort, die Polizei zu Rate zu ziehen.

Der Betroffene sollte in jedem Fall auf einer Rechnung bestehen und diese direkt prüfen, um bei Unklarheiten noch vor Ort nachfragen zu können. Häufig finde man bei unseriösen Anbietern Doppelabrechnungen, zum Beispiel eine Arbeitspauschale und Abrechnung nach Stunden, welche nicht akzeptiert werden sollten. Wenn dem Verbraucher die Rechnung zu hoch erscheint, sollte er im Zweifelsfall vorerst nur eine Anzahlung tätigen und dann die Rechnung prüfen lassen.

Zu guter Letzt empfiehlt die Verbraucherzentrale, sich ausreichend auf eine Notsituation vorzubereiten, indem man zum Beispiel einen Ersatzschlüssel bei einem Nachbarn deponiert.