Präsentation der Aachener Radvorrangrouten

Kontroverse Diskussion in der Bürgerschaft : Der schwierige Weg zum sicheren Radfahren

Dickes Lob auf der einen Seite, zum anderen aber auch harsche Kritik: Die  Pläne zur Umsetzung der Rad-Vorrang-Routen treffen innerstädtisch auf ganz unterschiedliche Reaktionen. Während sich die einen freuen, dass mit Blick auf die Radfahrer in Aachen „endlich etwas in Bewegung kommt“, gehen den anderen die Ansätze nicht weit genug.

Würde man es wirklich ernst meinen, würden auch Domänen der Autofahrer wie die vierspurige Theaterstraße zurückgebaut, oder Parkstreifen zugunsten der Radfahrer aufgelöst, kam es aus dem Publikum, als die Stadtplaner Dr. Armin Langweg und Bastian Weiser das Projekt „Rad-Vorrang-Routen“ jetzt im Martin-Luther-Haus vorstellten.

Aachen bekommt nach wie vor eher schlechte Noten, wenn es ums Radfahren geht. So ist es auch kein Wunder, dass sich so gut wie alle der rund 80 Zuhörer im Martin-Luther-Haus – zum Großteil selber Radfahrer – eher unsicher fühlen, wenn sie in Aachen mit dem Rad unterwegs sind. Und genau diese Situation wollen die Planer mit den Rad-Vorrang-Routen verbessern.

Geplant sind zehn Vorrang-Routen, die aus den Außenbezirken kommend auf den Grabenring treffen. Am bekanntesten ist  die Route Eilendorf-Innenstadt, hier sind die Pläne auch am weitesten vorangeschritten. Ein Jahr kalkuliert Langweg für die Umsetzung einer Route, demnach würde es zehn Jahre dauern, bis das gesamte Projekt realisiert ist.

Im Rahmen der Bürgerversammlung stellten die beiden Planer die Grundpfeiler des Projekts zunächst noch einmal vor, und nannten dann den voraussichtlichen Verlauf der einzelnen Rad-Routen in die Innenstadt.

Bis zur Detailplanung warten

Viele Fragen sind noch offen und werden erst diskutiert, wenn es an die Detailplanung geht. Schon jetzt wurde aber deutlich, dass immer wieder Strecken und Straßen betroffen sein werden, bei denen eine doppelte Nutzung durch Auto und Fahrrad schwierig ist. Doch um solche Details zu klären, würden zu dem entsprechenden Zeitpunkt auch die Bürger mit einbezogen, betonte Langweg. Und wer schon jetzt Ideen und Vorschläge hatte, der konnte sie auf einem Vordruck vermerken.

Anhand von Fotos zeigte Langweg, wie eine „Fahrradstraße“ aussehen könnte: Durch Kennzeichnung mit großen Piktogrammen soll auf Anhieb klar sein: Hier hat der Radfahrer das absolute Vorrecht, der Autofahrer ist mit Tempo 30 nur Gast, er muss sich auf den Radfahrer einstellen – nicht umgekehrt. „Hier dürfen Radfahrer in Gruppen auch nebeneinander fahren“, ergänzte Langweg. An anderen Stellen gelte es, die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern in Einklang zu bringen, auch das sei keine leichte Aufgabe. Wichtig sei in jedem Fall der Respekt untereinander. „Wir werden immer wieder Bereiche haben, wo die Radfahrer bei den Fußgängern zu Gast sind, oder die Autofahrer bei den Radfahrern oder umgekehrt“, sagte Langweg.

 Alles in allem kamen die Pläne zur Rad-Vorrang-Route bei den Besuchern im Martin-Luther-Haus gut an. Als Bastian Weiser dann den Verlauf jeder einzelnen Route erläuterte, wurde schnell deutlich, wie viele Fragen da zum Teil noch offen sind. Was ist beispielsweise mit dem Vennbahnweg: Soll der Bestandteil der Route von Brand nach Aachen sein? „Aber bitte nicht an den Wochenenden“, kam prompt der Zwischenruf. Denn dann könne man dort nur noch schieben, hieß es mit Blick auf die vielen Nutzer.

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