Aachen: Polizei putzt Klinken vor dem Großeinsatz

Aachen: Polizei putzt Klinken vor dem Großeinsatz

So mancher Geschäftsmann im Umfeld von Theater und Elisenbrunnen dürfte sich am Dienstagnachmittag über „Laufkundschaft“ der durchaus anderen Art gewundert haben. Denn die Polizei dreht schon jetzt das große Rad, damit der geplante Aufmarsch von rund 100 Neonazis am frühen Samstagabend in der City nicht aus dem Ruder läuft.

Abklappern gehört sozusagen zum Handwerk eines runden halben Dutzends von Beamten, die bis zum Wochenende in den Läden und auf Straßen und Plätzen der Innenstadt unterwegs sind, um über die Demo der Ultrarechten zu informieren. Deeskalation möglichst schon im Vorfeld heißt die Devise; schließlich wollen mindestens 1700 Gegendemonstranten mit zwei Kundgebungen keinen Zweifel daran lassen, was sie vom „Gastspiel“ der Partei „Die Rechte“ halten — nämlich überhaupt nichts.

Die Ordnungshüter verteilen unterdessen Flugblätter und stehen mit „Info-Mobilen“ am Elisenbrunnen und am Hauptbahnhof bereit, um nicht zuletzt auf mögliche massive Verkehrsbeeinträchtigungen zwischen Bahnhof, Marschiertor, Theaterstraße und südlichem Grabenring hinzuweisen — und um die Menschen „zum Schutz der Grundrechte aller Bürger“ auf Besonnenheit und Ruhe einzuschwören. Wo genau die Rechten — eskortiert von Beamten aus ganz NRW — am Samstag mit ihrer Parole „Multikultur tötet“ unterwegs sein werden, darüber hüllt sich der Polizeipräsident derweil ganz bewusst in Schweigen — was durchaus nicht jedem gefällt. Klar ist nach AZ-Informationen indes, dass eine erste Kundgebung um 18 Uhr am Bahnhof stattfinden soll.

Dort plant die Linksjugend zur gleichen Zeit eine Gegendemo mit rund 200 Teilnehmern. Vom Bahnhof aus ziehen die Demonstranten Richtung Theaterplatz. „Wir haben noch einmal intensiv geprüft, ob ein Verbot der Kundgebung rechtlich möglich wäre. Das Ergebnis war eindeutig negativ“, betont Polizeisprecher Paul Kemen. „Deshalb müssen wir jetzt alles tun, um die Sicherheit aller Beteiligten zu schützen — und dazu gehört auch, dass wir den genauen Verlauf des Aufmarschs nicht bekanntgeben.“ Zudem habe man den Veranstaltern strikte Auflagen gemacht, unterstreicht Kemen — welche, das ließ er ebenfalls offen.

So wird der Aktionsradius der Extremisten mit Sicherheit nicht bis zum Elisenbrunnen reichen. Dort nämlich hoffen die Vertreter des breit gefächerten „Runden Tischs gegen Rechts“ ab 18 Uhr auf mindestens 1500 Gegendemons-tranten, die den ungebetenen Gästen die kalte Schulter zeigen — nicht ohne vielleicht ein heißes Tänzchen im Zeichen der Toleranz und des friedlichen Miteinanders zu wagen. „Wir wollen ein buntes Programm in friedlicher und netter Atmosphäre bieten“, erklärt DGB-Chef Ralf Woelk im Namen des Bündnisses auf Anfrage. Auf der Bühne haben sich neben dem bekannten Trio Lagerfeuer unter anderem Sängerin Fahra Rieli & Friends, die Comedians Khalid Bounouar und Lizusha Kostyuk, Nic Knatterton & Johanna sowie Percussionist Pascal Salimou und die Truppe Rebell Comedy angesagt. Gegen 18.30 Uhr spricht OB Marcel Philipp.

Woelk machte gleichwohl aus seinem Ärger über Polizeipräsident Klaus Oelze keinen Hehl: „Ich habe wenig Verständnis für sein Versteckspiel im Hinblick auf die genaue Marschroute der Rechten“, sagte er. Schließlich wolle man denen im Wortsinn möglichst plakativ klar machen, dass in der Kaiserstadt kein Platz für sie sei. So sollen Mitarbeiter von Stadtbetrieb und OB-Büro ein großformatiges Banner an der Rückfront des Theaters installieren mit dem bereits vor Jahren aus gegebenem Anlass erfolgreich platzierten Leitspruch „Wir sind Aachen — Nazis sind es nicht!“. Entsprechende Plakate sollen bis zum Wochenende in zigfacher Ausführung in (Schau-)Fenstern und an Laternenmasten hängen, wenn die Flugblätter der Polizei längst im Altpapier gelandet sein dürften.

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