Polizei Aachen zieht ins neue Präsidium an der Trierer Straße

Aachens Polizei zieht um : Mit 15.000 Kartons ins neue Präsidium

Nach drei Jahren Bauzeit bezieht die Aachener Polizei nun das neue Präsidium an der Trierer Straße. Insgesamt drei Wochen dauert der Umzug. Er wurde minutiös geplant: Wenn 1200 Mitarbeiter ihre Büros räumen, wird nichts dem Zufall überlassen. Schließlich muss die Polizei trotz Stühlerückens erreichbar und handlungsfähig sein.

Das Radio muss draußen bleiben. Es hat den Status „persönlicher Gegenstand“ und deshalb in den Umzugskartons, die Jürgen Offermanns für seine Habseligkeiten zur Verfügung stehen, nichts zu suchen. Der Polizeibeamte wird es auf einem anderen Weg in seine neue berufliche Heimat an der Trierer Straße verfrachten müssen. Nächste Woche steht sein Umzug ins neue Polizeipräsidium an – nach drei Jahren Bauzeit.

Bis dahin sind acht Kisten zu befüllen. Nicht mehr und sicherlich auch nicht weniger. Schließlich wurde der Bedarf penibel berechnet. Streng nach Vorschrift halt. Viel Freiraum in der Kiste kann sich der Spezialist für Kfz-Diebstahl beim Verstauen von Aktenordnern, Unterlagen und Landkarten also nicht erlauben.

Viel Freiraum gibt es auch nicht im Zeitplan für den Umzug des Aachener Polizeipräsidiums. Wenn 1200 Mitarbeiter ihre Büros räumen müssen, wird nichts dem Zufall überlassen. „Es ist eine logistische Herausforderung“, sagt Paul Kemen, Pressesprecher der Polizei. Schließlich muss die Polizei weiter uneingeschränkt erreichbar und handlungsfähig sein.

Tschö Wa! Die Aachener Polizei zieht um

Das große Stühlerücken ist minutiös geplant. Einige Abteilungen der Kripo sind diese Woche bereits umgezogen. Seit Donnerstagmittag, Punkt 12 Uhr, nehmen die Beamten der Leitstelle sämtliche Notrufe an modernen Geräten im neuen Polizeipräsidium entgegen.

Aus Sorge, dass die Technik dem Zeitplan einen Strich durch die Rechnung machen könnte, waren am Donnerstag noch die Hälfte der Mitarbeiter auf der alten, die andere Hälfte auf der neuen Leitstelle in Rufbereitschaft, berichtet Kemen. Die Technik spielte mit. Und ein Tag später sind an der Hubert-Wienen-Straße nur noch verwaiste Telefonhörer und schwarze Bildschirme stille Zeugen der jährlich rund 160.000 Notrufe, die in diesem Raum eingingen. Die veraltete Technik wird nun aussortiert. Seit Freitag ist auch die Polizeiwache nicht mehr in der Soers.

Damit im Zuge des etwa dreiwöchigen Umzugs nichts verschüttgeht, was noch benötigt wird, laufen die Vorbereitungen seit gut einem Jahr. „Jeder Arbeitsplatz wurde digital erfasst“, erläutert Kemen. Hat der Mitarbeiter einen oder zwei Computer? Gibt es Sonderausstattung? Wie viele Umzugskisten werden benötigt? Jeder Mitarbeiter, der einen festen Arbeitsplatz hat, wurde zudem an seinem Schreibtisch fotografiert – damit die Arbeiter des Umzugsunternehmens genau wissen, wo sie in den mehr als 1000 Zimmern des neuen 60-Millionen-Baus welches Gerät wieder aufbauen müssen.

Insofern müssen sich die 1200 Männer und Frauen in ihren neuen Büros gar nicht so sehr umgewöhnen. Mit Ausnahme der ergonomisch verstellbaren Arbeitstische vielleicht. Und der Möglichkeit, nun endlich wieder anständig lüften zu können. „Wenn ich das Fenster öffne, fällt der Rahmen raus“, sagt etwa Jürgen Offermanns am Freitagvormittag beim Packen entschuldigend mit Blick auf die frühlingshafte Hitze in seinem alten Büro. Doch diese Tage sind ja gezählt.

Kisten packen statt Autodieben auflauern: Für seine Habseligkeiten stehen Jürgen Offermanns acht Kartons zur Verfügung. Foto: ZVA/Harald Krömer

Auch mit Blick auf die Sicherheit hat die Polizei besondere Vorkehrungen getroffen. Schließlich können Beweismittel und Waffen nicht einfach auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens transportiert werden. „Datenbestände werden versiegelt und unter Aufsicht in verschließbaren Containern rübergebracht“, teilt Paul Kemen mit. Bei besonders heikler Fracht sind dann auch schon mal Polizeibeamte im Einsatz, zumindest beim Ein- und Ausladen. Zudem gebe es mit dem Logistikunternehmen entsprechende Verträge mit Geheimhaltungsklauseln.

Wie oft die Umzugswagen bis Mitte April den Weg zwischen der Soers und Forst zurücklegen werden, kann Paul Kemen nicht beziffern. Insgesamt dürften wohl 15.000 Umzugskisten transportiert werden, schätzt er. Dazu kommen noch Container und Sondermobiliar.

So viel steht zumindest fest: Die Polizeiseelsorger und die Schwerbehindertenvertreter werden die letzten sein, die das alte, in die Jahre gekommene Polizeipräsidium – eröffnet wurde es 1981 – verlassen werden. Am 13. April wird in der Soers das Licht ausgeknipst.

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