Politiker wollen Buspreise in Aachen nicht erhöhen

AVV-Tarife : Ärger über neue Buspreise wird größer

Einmal mehr höhere Preise fürs Busfahren? Da wollen die Aachener Parteien diesmal nicht widerspruchslos mitspielen. Wie berichtet soll der Mobilitätsausschuss in seiner Funktion als Beirat des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) Mitte des Monats zustimmen, dass die Tickets ab Januar um durchschnittlich 2,7 Prozent teurer werden.

Überproportional betroffen davon sind die „Bartarife“ unter anderem für Einzeltickets aber auch das Seniorenticket „Aktiv-Abo“ (plus 7,4 Prozent).

Die neuen AVV-Tarife, die auf Seiten der schwarz-grün regierten Städteregion bereits durchgewunken wurden, würden natürlich auch für die städtische Aseag gelten. Mit der neuerlichen Preiserhöhung wären die Preise für den ÖPNV dann in den vergangenen zwölf Jahren um insgesamt mehr als 40 Prozent geklettert. Per Pressemitteilung teilten die Aachener Grünen am Freitag jedoch mit, dass sie diesmal – insbesondere mit Blick auf die aktuelle Diskussion über die Luftreinhaltung  – andere Wege einschlagen wollen. Widerstand formiert sich aber auch innerhalb von CDU und SPD, die ihre Linie aber erst in der nächsten Woche aufeinander abstimmen wollen.

Fünf Millionen Euro jährlich wollen die Grünen laut Ratsantrag im neuen Haushalt für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs bereitstellen. Damit soll der öffentliche Nahverkehr insgesamt attraktiver gemacht werden. Unter anderem wollen sie aber auch das City-XL-Ticket, mit dem man im leicht erweiterten Innenstadtbereich günstiger fahren kann, preiswerter machen.

Es soll laut AVV ab Januar 1,80 statt wie bisher 1,70 Euro kosten. Die Grünen blicken jedoch in Richtung Düren, wo der Preis für dieses Ticket künftig auf 1,50 Euro gesenkt werden soll. So wollen es die Grünen auch für Aachen haben, die sich mit ihrer Kritik an den neuen AVV-Peisen ansonsten aber zurückhalten.

Demgegenüber scheint es innerhalb von CDU und SPD schon deutlich stärker zu rumoren. Verärgert sind deren Verkehrsexperten allem Anschein nach auch darüber, dass der AVV die beteiligten Gebietskörperschaften Jahr für Jahr „gegeneinander ausspielt“, wie es Ye-One Rhie, mobilitätspolitische Sprecherin der SPD, ausdrückt. Es sei schwierig für die Stadt, „das noch zu ändern, was in der Städteregion schon entschieden wurde“.

Das sagen ÖPNV-Nutzer zur anstehenden Tariferhöhung

Hohe Preise für Seniorentickets

Ihre Kritik richtet sich insbesondere gegen die überdurchschnittlich hohe Preisanhebung fürs Seniorenticket (58 statt 54 Euro), das der AVV unter anderem mit einer Leistungsausweitung begründet. Senioren dürften damit ab nächstem Jahr auch schon vor 9 Uhr ihr Ticket einsetzen. „Aber dafür gab es auch gute Gründe“, gibt CDU-Verkehrspolitikerin Gaby Breuer zu bedenken, die daran erinnert, dass die Busse im Schülerverkehr stets ausgelastet sind. Sie habe daher noch einige Nachfragen zum Sinn der Maßnahme.

So kündigen Breuer und Rhie für kommende Woche noch intensive Beratungen zu den AVV-Tarifen an. Auch das Mobil- bzw. Sozialticket für Bedürftige sei so ein  schwieriges Thema. Um 90 Cent soll es verteuert werden und dann auch allen Wohngeldempfängern angeboten werden. Rhie findet es schwer vermittelbar, den Kreis der Bezieher auszuweiten und die Kosten dafür an diese Gruppe weiterzugeben. Knapp ein Euro sei viel Geld für diese Gruppe, sagt sie.

Noch müsse man die Beratungen abwarten, doch Rhie deutet bereits an, dass die Stadt erstmals seit langem aus dem großen Zustimmungsreigen für die regelmäßigen Ticket-Erhöhungen ausscheren könnte und zumindest beim Senioren- und Sozialticket einen Sonderweg einschlagen wird.

Die Linken fordern das bereits seit langem und haben sich auch in der Vergangenheit stets gegen das jährliche Fahrpreiserhöhungsritual ausgesprochen. Sie plädieren stattdessen für andere Finanzierungsmodelle, um das Busfahren preiswerter und attraktiver zu machen.

Eine neue Forderung der Grünen geht nun auch in Richtung Bund und Land. Von dort sollen Fördermittel kommen, mit denen ein „365-Euro-Jahresticket“ eingeführt werden kann.

Ein solches gibt es zum Beispiel in Wien. Weil man dort nur noch einen Euro pro Tag für den ÖPNV zahlt, gebe es dort mittlerweile mehr dieser Jahreskarten als angemeldete Autos. Mit Bundes- und Landesförderung will dies ab kommendem Jahr auch die Stadt Bonn einführen, um Neukunden in Busse und Bahnen zu locken und die Luft sauberer zu machen.

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