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Politiker beschäftigen sich mit dem Thema Radverkehr in der Stadt

Thema Radverkehr in der Stadt : Aachens Grüne blicken nach Groningen

Was kann Aachen von einer Stadt wie Groningen lernen? Viel, sagen die Grünen, und haben darum zu einer Veranstaltung im Centre Charlemagne eingeladen.

Offenheit für neue Lösungen und Experimentierfreude sind laut Prof. Achim Kampker, RWTH Aachen, die Grundvoraussetzung, um eine kommunale Verkehrswende in die Wege zu leiten. Allerdings werden gerade in Aachen neue Ideen seiner Erfahrung nach blockiert, aber das kann ihn nicht bremsen. Gemeinsam mit seinen Studenten hat er das Fahrrad-Verleihsystem Velocity etabliert, war an der Entwicklung und Vermarktung des Streetscooter beteiligt und macht sich weiterhin Gedanken über eine Verbesserung der Mobilitätsstruktur. Und an Ideen scheint es nicht zu mangeln: Eine Seilbahn mit Gondeln könnte den Campus mit der Innenstadt verbinden, meint Kampker.

„Wir können uns jetzt keinen Stillstand leisten“, sagte er im Rahmen einer Veranstaltung, zu der die Grünen ins Centre Charlemagne eingeladen hatten. Im Mittelpunkt stand  die „kommunale Verkehrswende“.

Ideen gibt es genug

Dabei fehlt es offenbar gar nicht an wundervollen Ideen, um etwa Innenstädte so zu gestalten, dass sie klimafreundlich und für alle gleichermaßen attraktiv werden. Benni Leemhuis, Sprecher für Verkehr und Mobilität der GroenLinks-Fraktion in Groningen, zeigte, wie seine Stadt sich im Laufe der Jahre von einer Autostadt zu einem Paradies für Radfahrer entwickelt hat. In den 60er Jahren litt Groningen demnach noch unter den selben Problemen wie andere Städte auch. Heute nutzen 61 Prozent der Verkehrsteilnehmer das Fahrrad, und an Stelle luftverpestender Verkehrsstaus sorgen Radler gemeinsam mit Fußgängern auf belebten Plätzen für eine „Harmonie im Chaos“, so Leemhuis.

Groningens Stadtplaner verlagerten die Schwerpunkte und teilten den urbanen Raum neu ein. „Wichtig war, die Fahrradwege von den Autofahrern zu trennen“, betonte der Niederländer und zeigte gleich eine Vielzahl von Fotos, die verdeutlichten, wie es in Groningen einmal ausgesehen hat und wie es heute aussieht. Und tatsächlich scheint es in Groningen gelungen zu sein, ein ganz neues Stadtbild mit einer neuen Aufteilung der Räume zu verwirklichen.

Und während die Radfahrer sich in Aachen ihren Raum noch erstreiten müssen, sind sie in Groningen schon so weit, dass die stetig wachsende Anzahl der Fahrräder zu einem Problem wird. So gibt es laut Leemhuis in Groningen inzwischen mehr Fahrräder als Einwohner: 230.000 Einwohnern stehen rund 300.000 Fahrräder zur Verfügung. Und die wollen selbstverständlich auch ordnungsgemäß „geparkt“ werden. Mit Blick auf Aachen zeigte sich Leemhuis optimistisch. „Gewinnen Sie die nächsten Wahlen“, sagt er dann noch mit einem Augenzwinkern in Richtung der „grünen“ Politiker. Dass die bisherigen Konzepte nicht so weitergeführt werden können wie bislang, darüber waren sich alle einig. Und so betonte Prof. Achim Kampker: „Wir können uns keinen Stillstand leisten.“ Er selbst hat gerade erst die Initiative „Ingenieure retten die Erde“ gegründet und lässt sich ganz offensichtlich in seinem Enthusiasmus, nach Lösungen und immer wieder neuen Ansätzen zu suchen, nicht bremsen.

Die Richtung stimmt

Und Dr. Almuth Schauber, Vertreterin des Radentscheids Aachen, zeigte auf, dass es durchaus auch in Aachen Anlass zu Optimismus gibt. Denn der Radentscheid kann demnach schon jetzt als voller Erfolg verbucht werden. Weit mehr als 30.000 Stimmen konnten gesammelt werden für ein Projekt, das die Situation der Radfahrer in Aachen deutlich verbessern will. „Es haben sogar Leute unterschrieben, die keine Radfahrer sind“, führte Schauber aus. Und das halten alle Beteiligten für einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung.