Aachen: Politik einmal aus anderem Blickwinkel

Aachen: Politik einmal aus anderem Blickwinkel

Ausschussdebatten, Fraktionssitzungen, Konferenzen im Plenarsaal des deutschen Bundestages - das war für vier Tage der berufliche Alltag von 312 Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren, die vom fünften bis zum achten Juni beim Planspiel „Jugend und Parlament” mitmachten.

Die von der Kommission für Inneres des Bundestages organisierte Veranstaltung soll je einem jungen Nachwuchspolitiker der 312 deutschen Wahlkreise einen Einblick in das parlamentarische Leben geben.

Jeder der Teilnehmer wurde im Vorfeld von einem Abgeordneter des Bundestages vorgeschlagen und im Laufe der Aktion unterstützt. „Ich war froh, in meinem ersten Jahr im Parlament mit dieser Aufgabe betraut worden zu sein”, sagt Aachens CDU-Bundestagsabgeordneter Rudolf Henke, der schon im nordrhein-westfälischem Landtag mit ähnlichen Programmen in Berührung gekommen war. „Als ich gefragt wurde, wen ich mir vorstellen kann, dachte ich sofort an Phillip.”

Phillip Eischet besucht die zwölfte Klasse des Pius-Gymnasiums und ist seit nunmehr einem Jahr Landesvorsitzender des Schülerunion. Der 17-Jährige ist von der Aktion „Jugend und Parlament” begeistert: „Auf der Fahrt nach Berlin wurden schon Diskussionen geführt und Freundschaften geschlossen.”

Bevor es in der Hauptstadt losgehen konnte, bekamen die Jugendlichen einen fiktiven Lebenslauf inklusive einer Parteizugehörigkeit zugeteilt. Aus Phillip Eischet, dem 17-Jährigen CDU-Mitglied aus NRW, wurde der 48 Jahre alte Richter Peter van Aachen aus Niedersachsen. Parteizugehörigkeit: APD (Arbeiterpartei Deutschlands), ein Synonym für die SPD. Der Christdemokrat musste somit die folgenden vier Tage als Abgeordneter einer sozialdemokratischen Partei fungieren. „Durch die Änderung der parteilichen Ausrichtung und dem damit zusammenhängenden Wechsel in der Argumentation soll den Teilnehmern eine neue Perspektive aufgezeigt und das Verständnis für die anderen Meinungen gestärkt werden”, erklärt Henke.

Eischet gelang es sehr gut, sich in einen APD/SPD-Abgeordneten hineinzuversetzen, denn er wurde kurz darauf zum Vorsitzenden des Innenausschusses gewählt - eine Position, in der er relativ parteineutral für den erfolgreichen Ausgang der Debatten zu sorgen hatte. „Es war eine reizvolle neue Rolle”, sagt das CDU-Mitglied über seine temporäre parteiliche Neuausrichtung.

Im Laufe des Planspiels wurde intensiv über die vier vom Bundestag vorgegebenen Themen „20 Jahre deutsche Einheit”, „Mehr Demokratie”, Alkoholverbot für Jugendliche” und „Stabilisierung des Rentensystems” diskutiert, manchmal bis spät in die Nacht. „Wir haben jeden Abend sogar auf dem Zimmer noch über die Probleme geredet”, sagt Eischet.

Zu den gesammelten Erfahrungen gesellte sich nach vier Tagen Berlin auch diese Erkenntnis: „Die Abgeordneten haben einen extrem anstrengenden Job haben, da kann man nur den Hut ziehen.”