Aachen: Poetry-Slam im Audimax: Amüsant, unterhaltsam und manchmal bissig

Aachen: Poetry-Slam im Audimax: Amüsant, unterhaltsam und manchmal bissig

Eine große Vielfalt an Texten, super Stimmung und ein voll besetztes Audimax prägten den jüngsten Hörsaal-Slam: Sechs „Meister des gesprochenen Wortes“ gaben ihre Beiträge zum Besten und ließen das Publikum teilweise atemlos zurück.

Die Pointen kommen Schlag auf Schlag, in Reimen oder auch nicht, in jedem Fall aber amüsant, unterhaltsam und manchmal auch sehr bissig.

Das Rennen macht schließlich Jean-Philippe Kindler aus Marburg. Das Publikum im Audimax befindet: Er hat es am besten gemacht. Ein hilfloses Schulterzucken ist seine Antwort auf die ihm häufig gestellte Frage, wie er zu den Ideen für seine Texte kommt. Dann aber macht er sich in seinem Innern auf die Suche und forscht nach dem Ursprung: „Ein Gedanke steht vor dem Sprachzentrum“, sagt er und fügt hinzu: „Der Thalamus kontrolliert, ob er weiter darf oder nicht.“

Ein bisschen absurd sind die Texte der Poetry-Slammer immer. Und gerade das kommt bei den jungen Studenten sehr gut an. Dass sich ausgerechnet Maschinenbauer und Elektroingenieure für die hohe Kunst des Poetry Slam interessieren, findet selbst Julie Göths (AStA der RWTH Aachen) beeindruckend.

Der Hörsaal-Slam in Aachen ist inzwischen einer der größten deutschlandweit. Und als die Slammerin Victoria Helene Bergemann aus Hamburg mathematisch wird, da hat sie das Publikum gleich auf ihrer Seite. „Manchmal wünschte ich, ich wäre eine irrationale Zahl“, sagt sie und nach einer kurzen Pause: „Dann hätte ich keine Periode.“ Aber eine irrationale Zahl sei sie nun mal nicht. „Ich bin eine Primzahl, niemand will sich mit mir teilen, nur ich selbst“, stellt sie schließlich mit Bedauern fest. Kein Wunder, dass sie damit bei den RWTH-Studenten gleich einen Stein im Brett hat. Für das Finale reicht es aber trotzdem nicht.

Frauen ohne Groupies

Den Slammern ist kein Thema fremd. Katja Hofmann aus Halle beschwert sich in der Vorrunde verzweifelt darüber, dass Frauen keine Groupies haben, während die Männer „backstage“ umlagert würden von schönen Mädchen. „Meine Facebook-Seite hat zwei ‚Likes‘: Einen von meiner Mutter und einen von mir“, sagt sie. Sie schafft es mit ihren Texten bis ins Finale und unterliegt dann aber Jean-Philippe Kindler. Über den Sieger des Abends entscheidet das Publikum. Wer im Finale den meisten Applaus bekommt, geht als Gewinner nach Hause.

Gleich zu Beginn üben die beiden Moderatoren Robert Targan und Oscar Malinowski den Applaus mit dem Publikum: Auf ihr Kommando beginnt er mehr oder weniger leise, wird dann immer lauter und lauter bis hin zu dem, was man wohl tosenden Beifall nennen könnte. Laut Julie Göths ist der Hörsaal-Slam ein absolutes Highlight im Rahmen der Veranstaltungen, die der AStA für die Studenten organisiert. Sechs Slammer stehen auf der Bühne: Jean-Philippe Kindler, Luca Swieter, Florian Stein, Katja Hofmann, Lukas Knoben und Victoria Helene Bergemann. Sie alle sorgen für ein unterhaltsames Programm.

Bis auf ein paar Ausnahmen wissen die Zuschauer sehr genau, was sie an einem solchen Abend erwartet. Dennoch erklären die Moderatoren die Konditionen des Wettstreits noch einmal: Die Texte der Slammer sollten nicht länger als sechs Minuten sein. Gesang und Requisiten sind nicht erlaubt. Und die Texte müssen aus der Feder der Slammer stammen.

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