1. Lokales
  2. Aachen

Neues Buch von Peter J. Heuser: Poetisches Bild von Angst, Bedrohung und Unsicherheit

Neues Buch von Peter J. Heuser : Poetisches Bild von Angst, Bedrohung und Unsicherheit

Der Aachener Autor Peter J. Heuser hat ein neues Buch mit Lyrik und Prosa veröffentlicht.

Mit einem neuen literarischen Werk fordert Peter J. Heuser seine Leser in verstärktem Maße zum Nachspüren und Mitdenken auf. Er lässt sie manchmal sogar hilflos stehen – denn ihn packt in diesem Buch „Das Geheimnis der Insel: Geschichten & Gedichte“ wiederholt eine fröstelnde Ratlosigkeit.

Nicht nur das: Der 82-Jährige, in Bremen geboren, Wahl-Aachener und dort lange Zeit Erster Bevollmächtigter der IG Metall, hat manchen beruflichen Sturm durchgestanden. Im kleinen Band – es ist das sechste Buch einer Reihe mit Prosa und Lyrik – werden die Stürme am Meer zum poetischen Bild für Angst, Bedrohung und Unsicherheit, für die Gewissheit, dass nichts gewiss ist, das Leben schwankt, die vermeintlich sicher gezogenen Grenzen und festen Brücken sich auflösen können. Er steht dazu – jetzt. Mit ernster Unbedingtheit. Das lässt niemanden kalt.

Besonders in seinen Erzählungen hat man das Gefühl intensiv durchlebter Alpträume, Visionen, die oft durch Naturphänomene ausgelöst werden, aber tief drinnen existieren. Heuser ringt um einen reflektierten Umgang mit diesen Gedanken, bei denen man sich hin und wieder fragt, wie daraus eine Geschichte werden soll.

Er steckt so sehr in der Emotion, dass er zu einer reifen Distanz noch nicht in der Lage ist. Die Prosa verdient eine weitere Bearbeitung, vielleicht sogar den Austausch im „Lyriktreff des Literaturbüros der Euregio Maas-Rhein“, dem er sich seit langem zugehörig fühlt.

„Eine Geschichte braucht einen Plot, das weiß ich“, sagt er selbstkritisch. „Das ist ein Gebiet, auf dem ich noch Erfahrungen sammle.“ Und die können selbst durch ein Seniorenstudium nicht ersetzt werden. Mord, Melancholie, Düsternis, dabei wohlbekannte Signale: schwarzer Hut, langer Mantel, kreisende schwarze Vögel und Skelette in Kampfstellungen – der Fundus des Psycho-Grusels muss sehr vorsichtig geöffnet werden.

Schlicht und bewegend bietet ein kleiner Text zur Rettung aus den Wasserfluten, die viele Menschen in der Region getroffen hat, dennoch mitreißendes Erzählen. Hier ist die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt. Hoffnung und Leid, der Helfer, der selbst ums Leben kommt – das berührt ganz ohne Erzählbögen und finstere Mystik.

In seiner Lyrik bleibt Heuser stark, reich an Bildern und Emotionen, auch hoffnungsfroh und bisweilen bitterböse. Eindrücke unter freiem Himmel inspirieren ihn zu atmosphärischen Schilderungen. Es gibt mutige Wortschöpfungen und Auslassungen sowie einen inneren Rhythmus, dem man sich nicht entziehen mag. „Das Geheimnis der Insel“ gibt den Blick auf einen auch im Alter von 82 Jahren noch Suchenden frei. Das ist spannend.

Der Buch ist im Verlag BoD, Norderstedt, erschienen.