Podiumsdiskussion mit palästinensischem Arzt in Aachen

Das Da Theater : Friedensappell: „Unser Leben kann den Unterschied machen“

Was kann man tun, um Konflikte auf der Welt zu lösen? Dabei ging es in einer Podiumsdiskussion im Das Da Theater Aachen.

Ein Mädchen geht bei ablaufendem Wasser am Strand entlang und trägt trocken gefallene Seesterne ins Meer. Ein Mann fragt das Mädchen, warum sie das mache. „Es sind so viele, die sterben. Es macht keinen Unterschied, ob Du jetzt welche rettest.“ Das Mädchen lässt sich jedoch nicht entmutigen. „Für diesen hier“, sagt sie und hält einen Seestern hoch, „macht es einen Unterschied.“

Mit dieser Geschichte beginnt das Stück „Ich werde nicht hassen“, das derzeit im Das Da Theater läuft und die Lebensgeschichte des palästinensischen Gynäkologen Dr. Izzeldin Abuelaish erzählt (wir berichteten). Die Geschichte entspricht der Einstellung von Abuelaish, der auf Einladung des Theaters und finanziert unter anderem durch die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen am Sonntag aus Toronto nach Aachen kam. „Unser Leben kann den Unterschied machen. So lange wir leben, gibt es Hoffnung, wenn wir die Hoffnung in konkretes Handeln umwandeln“, sagte er in einem von vielen Friedensappellen beim Publikumsgespräch, moderiert von unserer Redakteurin Annika Thee, nach der Vorstellung.

Dabei hätte Abuelaish allen Grund zu verzweifeln und zu hassen: Er und seine Familie erlebten in Gaza zwischen seiner Geburt 1955 und der Auswanderung 2009 nach Kanada elementare Armut, ständigen Mangel, haarsträubende Schikanen an den Checkpoints und immer wieder Lebensgefahr. Schließlich muss der Vater mit ansehen, wie drei seiner Töchter und eine Nichte in seinem Haus von israelischen Granaten zerfetzt werden. Stattdessen „geht von Ihnen ein Strahlen in Richtung Frieden aus“, stellte Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, fasziniert fest. Pläne der Bürgerstiftung, palästinensische, israelische und deutsche Jugendliche beim Aachener Friedenscamp zusammenzubringen, „müssen wir jetzt umsetzen“, fühlte sich Geupel ermutigt.

Abuelaish nahm die Aachener Hochschulen als neue Partner seiner Stiftung in den Blick. „Ich muss etwas Gutes aus Eurem Tod machen“, hatte er seinen toten Töchtern geschworen und deshalb die „Daughters-for-Life-Foundation“ gegründet. Sie fördert die Ausbildung junger Frauen aus dem Nahen Osten – unabhängig von Religion oder Herkunft. „Frauen sind die Quelle des Friedens. Sie schenken Leben. Wir wollen sie zu Anstiftern des Friedens machen“, erklärte Abuelaish auf der Bühne des Das Da Theaters. „Nichts ist unmöglich, außer die Rückkehr meiner Töchter“, meinte er angesichts zahlreicher Krisen in der Welt und besonders angesichts des fast vergessenen israelisch-palästinensischen Konflikts. „Wenn unsere bisherigen Bemühungen keinen Erfolg hatten, müssen wir einen anderen Weg gehen.“

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