Anmeldephase: Platzen Aachens Gymnasien bald aus allen Nähten?

Anmeldephase : Platzen Aachens Gymnasien bald aus allen Nähten?

Wenn man die Anmeldephase an den weiterführenden Schulen für das kommende Schuljahr mit einem Wort beschreiben müsste, dann läge man mit „ungewöhnlich“ wohl richtig. Denn der Anteil der Viertklässler, die im Sommer aufs Gymnasium wechseln wollen, ist dieses Jahr besonders hoch.

So hoch, dass die Rektoren dem Vernehmen nach besonders intensiv die Köpfe zusammenstecken mussten, um zu klären, wo noch Kapazitäten bestehen. Das Ergebnis mit den konkreten Anmeldezahlen wird den Schulpolitikern üblicherweise erst zur Sitzung des Schulausschusses vorgelegt. Einige Fakten hat die Verwaltung jedoch schon zwei Wochen vorher veröffentlicht.

„Einmalige Erweiterung“

Um Platz für die rund 1200 angehenden Gymnasiasten zu schaffen, hat das Inda-Gymnasium beantragt, zum Schuljahr 2018/19 einmalig einen weiteren Zug einzurichten. Damit würden am 29. August nicht fünf, sondern sechs Parallelklassen in Kornelimünster ihre Gymnasiallaufbahn starten. „Das ist kein Einstieg in die Sechszügigkeit des Inda-Gymnasiums“, betont Schulleiter Arthur Bierganz mit Blick auf die Fortschreibung des Schulentwicklunsplans, die dieses Jahr ansteht. Die einmalige Erweiterung sei schlicht und ergreifend „aus der Situation geboren, dass alle Aachener Gymnasien voll sind“.

Allein am Inda-Gymnasium wurden laut Verwaltungsvorlage 193 Schüler angemeldet. Ein Teil habe sich zwar während des Anmeldezeitraums für andere Schulen entschieden. Am Ende blieben am größten Aachener Gymnasium aber immer noch insgesamt 185 Anmeldungen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 120 — allerdings sei dies auch ein vergleichsweise „schwaches Jahr“ gewesen, wie Bierganz einräumt. Wenn der Schulausschuss dem Antrag zustimmt, können alle 185 Schüler aufgenommen werden. Räume und Lehrer stehen laut Schulleitung ausreichend zur Verfügung.

Abgelehnt werden mussten indes wie bereits in den Vorjahren Schüler am St. Leonard. Auch am Rhein-Maas-Gymnasium und am Kaiser-Karls-Gymnasium habe man die Kapazitätsgrenze erreicht. Für die Jungen und Mädchen seien Alternativen gefunden worden, so die Verwaltung. So schöpfe das Einhard-Gymnasium mit 114 neuen Fünftklässlern seine volle Vierzügigkeit aus.

Während die Gymnasien insbesondere im innerstädtischen Bereich überrannt werden, bleiben an anderen Schulformen die Anmeldungen aus. So haben nur 15 Schüler die Akuinrealschule als Wunschschule angegeben. Im Vergleich zum Vorjahr, als 32 Kinder aufgenommen wurden, entspricht das einem Einbruch um gut 50 Prozent. Diesbezüglich seien bereits Gespräche mit der Schulleiterin und der Bezirksregierung geführt worden. „Es wird angestrebt, zum kommenden Schuljahr eine 5. Klasse einzurichten und die weitere Entwicklung zu analysieren, um gegebenenfalls die Alkuinrealschule zu einer Aufbaurealschule ab Klasse 7 auszubauen“, heißt es in der Vorlage.

Eine ähnliche Analyse wurde wie berichtet für die Hauptschule Burtscheid bereits abgeschlossen. Am 3. Mai wird der Schulausschuss über deren auslaufende Schließung beraten. Bierganz blickt mit Bedauern auf diese Entwicklung in der Schullandschaft. „Ich würde mir wünschen, dass die Resonanz für die Haupt- und Realschulen besser wäre, denn die Kollegen leisten hervorragende Arbeit.“

Rückkehr zu G9 stellt Herausforderung dar

Sorgen dürfte Politik und Verwaltung auch die langfristige Schulentwicklung bereiten. Nicht zuletzt die zu erwartende Rückkehr zu G9 stellt die Stadt vor enorme Herausforderungen. Denn während es mit der Umstellung von G9 auf G8 einen doppelten Abiturjahrgang gab, werden im Umkehrschluss zum Ende des Schuljahres 2025/26 keine Abiturienten das Gymnasium verlassen. Nur müssen diese zusätzlichen Schüler natürlich trotzdem in Klassen- und Fachunterrichtsräumen unterrichtet werden. Die Verwaltung kalkuliert mit 30 zusätzlichen Klassen, die allein an städtischen Gymnasien eingerichtet werden müssen.

„Ob dieser zusätzliche Raumbedarf im Jahr 2026/2027 in den Bestandsgebäuden aufgefangen werden kann, ist noch nicht abzusehen“, heißt es dazu in der Vorlage für den Schulausschuss. Denn durch die Vorgaben der Inklusion, dem Ausbau von Mensen und Schaffung multifunktionaler Flächen stehe ein Teil der bestehenden Schulräume nicht mehr für den Unterricht zur Verfügung. Analysiert werden müssten zudem das Elternwahlverhalten und die Schülerströme im Stadtgebiet.

Ein externer Gutachter soll nun die Gebäude der städtischen Gymnasien auf ihre Kapazitäten und Erweiterungsmöglichkeiten prüfen. Ziel ist, ein Konzept für eine „wirtschaftliche und geeignete Bereitstellung der erforderlichen Räume unter Einbeziehung struktureller Veränderungen der Schullandschaft“. Auch die privaten Schulträger sollen ins Boot geholt werden. Darüber hinaus soll in enger Kooperation mit dem Gebäudemanagement geprüft werden, welche „Ausbau- beziehungsweise Aufstockoptionen“ an den städtischen Gymnasien bestehen.

Mehr von Aachener Zeitung