Aachen: Planspiel: Chance für schwache Schüler

Aachen: Planspiel: Chance für schwache Schüler

Europa erfahrbar machen — nicht ganz leicht. Die Brüsseler Entscheidungen berühren mittlerweile zwar viele Bereiche des Alltags, trotzdem ist das Interesse für EU-Politik oft sehr gering. Am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung an der Lothringer Straße haben rund 70 Schüler die Gelegenheit in die Rolle von Europa-Politikern, Interessenvertretern und EU-Kommission zu schlüpfen.

In einem Planspiel handeln sie in diesem „komplizierten Geflecht“ einen Kompromiss aus.

Ein Effekt des Planspiels soll sein, dass die Schüler lernen die „Bedeutung politischer Entscheidungen zu realisieren“, sagt Schulleiter Thomas Döring. Das falle häufig schwer. Ausprobieren können sich die Schüler aus der Oberstufenklasse des Höheren Handelsschul-Zweigs des Kollegs bei der Frage „Teller oder Tank? Wo sollen unsere Ackerfrüchte landen?“. Oder anders: Will man Biosprit nutzen, um Mobilität umweltfreundlicher zu machen, verbrennt man damit gleichzeitig Lebensmittel und macht sie teurer.

Schüler Till Bittner schlüpft dabei in die Rolle eines EU-Kommissars: „Das wird nicht leicht einen Kompromiss zu finden“, sagt der 19-Jährige. Denn jeder seiner Mitschüler — einige in der Rolle von Industrielobbyisten, andere als Vertreter von Umwelt oder Agrarverbänden — will bei den unterschiedlichen Verhandlungsrunden das Beste rausholen. „Man versteht dadurch besser, warum sich Entschlüsse so lange ziehen.“

Doch es geht nicht nur darum, Entscheidungsmechanismen zu verstehen. „Die jungen Leute sollen sich für die EU einsetzen und sich damit identifizieren“, sagt Winfried Brömmel, Leider des Informationsbüros Europe Direct, das das didaktische Planspiel organisiert. Wählen zu gehen, sei dafür nur eine Möglichkeit. Brömmel: „Man kann sich auch anders einbringen“ — zum Beispiel bei Bürgerinitiativen oder Nichtregierungsorganisationen.

Diese Lernform sei dabei nicht bloß Auflockerung des Unterrichts. „Das gibt den Schülern auch eine andere Möglichkeit mitzumachen und sich zu präsentieren“, sagt Politik-Lehrerin Irene Genenger. „Es kommt häufiger vor, dass Schüler, die im Unterricht von den Lehrern eher als schwach eingestuft werden, aufblühen, weil sie diese Lernform anspricht“, sagt Dozent Ralf Hell.