Aachen: Placebo oder heilsame Kur für Kaiserplatz?

Aachen: Placebo oder heilsame Kur für Kaiserplatz?

SPD und Grüne haben den Blick vom Kirchturm über den Dächern der Suchthilfeeinrichtungen auf die Städteregion gelenkt. Die Ratsmehrheit fordert eine deutliche Entzerrung der Lage im Schatten von St. Adalbert.

Doch während die Diagnose - die Zustände sind für Anwohner und Geschäftsleute extrem belastend - unumstritten ist, bleiben vielerorts Zweifel an konsequenten Therapiemöglichkeiten, wenn es darum geht, allen Beteiligten gerecht zu werden.

Beruhigungspille, gar bloßes Placebo in Wahlkampfzeiten - oder ein Ansatz zum viel zitierten harten Schnitt? Zumindest seitens der Initiative Kaiserplatz wird der Vorstoß zur Neuverteilung der Lasten im Zeichen der Städteregion durchaus positiv bewertet. „Wir hoffen, dass der Antrag eine neue Diskussion darüber herbeiführt, wie man die Lage endlich in den Griff bekommt”, meint deren Vorsitzender Volkmar Klein.

Doch gemach: Dass Polizei und Ordnungsamt umgehend eine weitaus härtere Gangart fahren, um Dealerei, Prostitution, Pöbeleien und massive Störungen des Geschäftsklimas im Umfeld einzudämmen, steht vorerst nicht zu erwarten. Schließlich sitze man mit den zuständigen Behörden von Stadt und Justiz bereits seit Jahren in einem Boot, untersteicht Polizeisprecher Paul Kemen. „Aber wir sind nicht diejenigen, die rudern.” Will sagen: „Entscheidend ist aus unserer Sicht zunächst nur: Zum „Junkie-Hopping” darf es nicht wieder kommen.” Es könne ja nicht angehen, dass man die Szene erneut vor sich hertreibe.

Als „reichlich dünn und viel zu unkonkret” bezeichnet denn auch CDU-Fraktionschef Harald Baal die gemeinsame Willensbekundung der politischen Gegner. „Vorschläge, wie und wo man neue Angebote machen könnte, enthält der Antrag nicht”, bemängelt Baal. Und: „Dem Eindruck, dass sich am Kaiserplatz eine Art rechtsfreier Raum entwickelt hat, muss mal nun einmal mit klaren Strategien wie zum Beispiel Videoüberwachung entgegentreten.” Zwar sei der Ansatz nachvollziehbar, die Lösung der vielschichtigen Problematik auf höherer, sprich städteregionaler Ebene anzupacken, findet auch Baal - „ansonsten umschifft der Vorstoß die elementaren Fragen aber elegant”.

Zumal die Kreiskommunen bislang nicht beteiligt worden seien, wie Sozialdezernent Heinz Lindgens anmerkt: „Der Antrag hätte an die Zweckverbandsversammlung der Städteregion gerichtet werden müssen”, meint Lindgens. „Selbstverständlich kommen wir dem Auftrag nach, die Situation noch einmal gründlich zu evaluieren. Eine schnelle Verlegung etwa einzelner Einrichtungen dürfte aber schwierig werden.”

Lindgens´ Amtskollege im Kreis, Axel Hartmann, zeigt sich derweil durchaus offen für eine neue Diskussion: „Wir haben vergleichbare, gut funktionierende Angebote. Ich halte es für richtig, das Hilfsnetz gemeinsam zu optimieren - zumal die Gesundheitsämter von Stadt und Kreis ab Oktober bereits zusammengelegt werden.”