Aachen: Piraten und UWG fordern Pfandflaschenringe

Aachen: Piraten und UWG fordern Pfandflaschenringe

Vor Kneipen auf der Pont-straße, in der Innenstadt, im Elisengarten oder in anderen Aachener Parks sieht man regelmäßig Pfandsammler. Sie heben Dosen und Flaschen von der Straße auf, wühlen minutenlang in Mülleimern, manchmal zwischen Essensresten und Hundekottüten, um sich mit dem ersuchten Pfand ein Zubrot zu verdienen.

Entwürdigend — und nicht selten gefährlich, wenn beispielsweise Glasscherben in den Abfallbehältern liegen. Daran wollen die Piratenpartei Aachen und die Unabhängige WählerInnen Gemeinschaft (UWG) etwas ändern: Pfandringe sollen an öffentlichen Mülleimern befestigt werden, in denen leere Dosen oder Flaschen mit Pfand abgestellt werden können, statt sie in den Müll zu werfen. Damit würde Pfandsammlern die Suche in den Tiefen des Abfalls erspart bleiben, gleichzeitig fänden die Flaschen wieder zurück ins Recyclingsystem — so die Theorie.

Ob in Aachen aus der Theorie gängige Praxis werden könnte, steht noch in Frage: Bereits 2013 haben Piraten und UWG im Rat der Stadt Aachen den Antrag gestellt, geeignete Pfandbehältnisse zu installieren. Nachdem der Antrag abgelehnt wurde, haben sie in diesem Jahr einen weiteren Versuch gestartet. Entschieden wird über den neuen Antrag am 12. Juni im Ausschuss für den Stadtbetrieb. Doch in der Vorlage äußert die Verwaltung wiederholt Bedenken.

Einen Schritt voraus

Dafür haben Piraten und UWG wenig Verständnis: „Es wird an alten Beschlüssen festgehalten, die positiven Effekte wurden nicht in Betracht gezogen.“ Dabei gebe es einige Vorteile: „Pfandringe sind sozial, unterstützen Armutsbekämpfung und verhindern das menschenunwürdige Herumwühlen im Müll“, betont Felix Kehren von den Piraten. Und dem Ratsherrn Horst Schnitzler (UWG) geht es noch um etwas anderes: „Wir wollen den Pfandsammlern damit zeigen: Wir respektieren euch. Und ihnen helfen, ihrer Tätigkeit möglichst ungehindert nachzugehen.“

Dem gegenüber steht die Argumentation der Verwaltung: Die Installation von Pfandringen oder -kisten wirke der „Initiative zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs im öffentlichen Raum“, die 2011 vom Rat ins Leben gerufen wurde, entgegen, heißt es in der Vorlage. Auf das bereits 2013 genannte Argument hatten Piraten und UWG in ihrem neuen Antrag mit einem Lösungsvorschlag reagiert. „Wir wollten der Verwaltung bei unserem neuen Antrag einen Schritt voraus sein“, sagt Kehren. Daher schlugen Piraten und UWG einen Sichtschutz für die Pfandringe vor, hinter dem die Flaschen verborgen blieben.

Eine andere Idee ist ein Kreativwettbewerb mit dem Ziel, die Flaschenbehälter optisch aufzuwerten. Denn laut Verwaltung bieten sie zudem Platz für Schmierereien und können als Abfallbehälter missbraucht werden. „Außerdem wäre mit einer Umsetzung dieser Maßnahme weiterhin nicht ausgeschlossen, dass Pfandsammler dennoch in Abfallbehältern nach Pfandflaschen Ausschau halten“, heißt es in der Vorlage.

Und es könne zu Verunreinigungen innerhalb der Innenstadt kommen, wenn die Pfandsammler die Sammelbehälter nicht komplett leeren und überschüssige Flaschen daneben gestellt werden.

Das Danebenstellen hat sich mittlerweile bereits in einigen Städten etabliert. Die Getränkefirma „Fritz“ fordert auf ihren Flaschenetiketten sogar dazu auf: „Pfand gehört daneben.“ Kritiker befürchten allerdings, dies könnte dazu führen, dass Leute bequemer werden und ihre Flaschen nicht mehr ordnungsgemäß entsorgen, sich mit dieser Tat möglicherweise profilieren nach dem Motto „Ich tue damit doch etwas Gutes für Obdachlose.“

Neben viel Kritik gibt es aber auch einige positive Stimmen und Erfahrungsberichte. Denn neu ist die Idee nicht: Der Kölner Designer Paul Ketz hat den Pfandring 2012 entwickelt. Zahlreiche Städte wie Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Mainz, Freiburg, Dortmund, Hannover oder Nürnberg haben die Pfandringe getestet und sind zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

Während die einen froh waren, die Behälter aufgrund der Zweckentfremdung, längerer Entleerungsdauer und daraus resultierender Kostensteigerung wieder loszuwerden, halten andere Städte an dem Konzept weiter fest. In Düsseldorf wurde das Angebot sogar so gut von den Bürgern angenommen, dass die Maßnahme noch ausgeweitet werden soll. Auch habe er selbst bereits mit vielen Bürgern gesprochen, vor allem mit Betroffenen, sagt Schnitzler. Die Zustimmung für diese Pfandbehälter sei auch in Aachen sehr groß.

Pilotprojekt über halbes Jahr

Schnitzler und Kehren hoffen nun, dass zumindest ein Pilotprojekt genehmigt wird. „Man muss es erstmal ausprobieren. Es könnte auch genau anders herum laufen, als die Verwaltung erwartet“, macht Schnitzler klar.

Sechs Monate könnten die Pfandbehälter an Orten, wo viele Flaschen zusammenkommen, probeweise aufgehängt werden. „Zehn Behälter wären ganz schön, aber drei sind auch schon gut“, sagt Schnitzler. Ob Pfandringe oder -kästen — das wäre Piraten und UWG erst einmal egal.

Kästen seien zwar weniger ästhetisch, erfüllten aber auch ihren Zweck und seien günstiger. Während laut Schnitzler die Pfandringe in Plastikausführung etwa 70 bis 80 Euro und aus Edelstahl 130 bis 140 Euro pro Stück kosten würden, könnten die Kästen für ein kleineres Budget beschafft werden. „Wir haben auch schon vorgeschlagen, die Kosten für Anschaffung und Reinigung der Pfandbehälter zu übernehmen“, sagt Schnitzler.

Er und Kehren wollen die Idee nicht aufgeben. Wenn am 12. Juni wieder nichts draus wird, versuchen sie es in zwei Jahren einfach noch einmal mit einem Antrag, sagen sie. In der Zwischenzeit wollen die beiden Politiker über Aktionen auf das Thema aufmerksam machen. Beispielsweise hatte Schnitzler 2012 schon einmal in der Pont-straße einen ersten Versuch gewagt und einen Plastikkasten mit Platz für 20 Pfandflaschen an einem Laternenpfahl befestigt.

Dabei erreichten ihn jede Menge positive Rückmeldungen, sagt er. „Die Pfandringe sind eine Möglichkeit, die für alle positiv wäre“, ist Schnitzler überzeugt.

Und es gibt auch noch einen Plan B: So könnte man die Pfandringe zunächst in privaten Bereichen ausprobieren, die von den Eigentümern zu Verfügung gestellt werden, erklärt Kehren. „Für mich ist die Idee längst nicht gestorben.“

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