Aachen: Piraten: „Scannen der eTickets nicht nötig“

Aachen : Piraten: „Scannen der eTickets nicht nötig“

An der Gemütshaltung der meisten Aachener Piraten hat sich in den vergangenen Tagen nicht viel geändert. Nachdem sie den fehlenden Schutz persönlicher Daten auf den neuen „eTickets“ der Aseag öffentlich gemacht haben, herrschte auch beim Stammtisch der Partei am Dienstagabend noch immer Kopfschütteln über das Vorgehen des Nahverkehrsunternehmens.

Dabei bemängelten die Mitglieder nicht nur die löchrige Datensicherheit der elektronischen Tickets, sondern auch die Art der Daten, die bei deren Benutzung gesammelt würden.

„Seit zwei Jahren haben wir der Aseag die kostenlose Zusammenarbeit bei der Entwicklung des eTickets angeboten, aber darauf wurde nie reagiert“, erklärte der mobilitätspolitische Sprecher der Aachener Piratenpartei, Matthias Achilles. Dabei, so fügte er an, wäre es technisch relativ einfach möglich, ein digitales Ticketsystem zu entwerfen, bei dem die personenbezogenen Kundendaten geschützt wären. Warum es dennoch nicht gemacht wurde, darüber könne man hingegen nur Mutmaßungen anstellen.

Überflüssige Daten gesammelt?

Grundsätzlich nämlich seien sich die Piraten einig, dass eTickets und die damit verbundenen Vorteile durchaus die Benutzerfreundlichkeit des öffentlichen Nahverkehrs verbessern könnten, sagte Achilles. „Nur muss es dann eben gut gemacht sein.“ Auch Piraten-Ratsherr Udo Pütz hielt sich mit seiner Kritik nicht zurück. Insbesondere die gespeicherten Daten wie beispielsweise das Geburtsdatum des Ticketbesitzers oder die letzten zehn Stationen, an denen die Karte an den Scanner gehalten wurde, seien seiner Meinung nach völlig überflüssig.

Generell mache es außerdem nur bei Mehrfahrtenkarten oder zum Lösen von Einzelfahrten überhaupt Sinn, das „eTicket“ jedes Mal zu scannen — genau das ist jetzt aber noch gar nicht möglich. Denn die Aseag will die elektronischen Einzelfahrscheine frühestens 2019 einführen. „Für Monatskarten oder das Studententicket ist das Scannen hingegen überhaupt nicht nötig, weil die ohnehin den ganzen Zeitraum über gültig sind“, sagt Pütz zum umstrittenen Einlesen der „eTickets“ an den sogenannten „Validatoren“, die an der zweiten Einstiegstür der Busse angebracht sind.

„Müssen wir unsere Tickets scannen?“, fragen Leser immer wieder in der AZ-Lokalredaktion nach. Antwort: Die Aseag verlangt es, aber diese Aufforderung zu ignorieren, bleibt völlig folgenlos. Denn auch die Aseag räumt ein, dass man dann keinesfalls ein Schwarzfahrer sei.

Die Piraten haben den Fall der Aachener „eTickets“ an die Landesdatenschutzbeauftragte gemeldet — und waren dabei, wie berichtet, nicht die ersten. Seit August überprüfen die Datenschützer die Aseag — Ausgang offen. Bei den Piraten ist man sich jetzt schon einig: Um die Daten ihrer Kunden zu schützen, müsse die Aseag kräftig nachbessern, fordern sie.

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