Aachen: „Pfeiffer-Häuser“: Abriss nach 19 Jahren Leerstand

Aachen : „Pfeiffer-Häuser“: Abriss nach 19 Jahren Leerstand

Plötzlich geht’s rasend schnell. Am 12. Juni hat die Stadt Aachen die Abrissgenehmigung, schon fahren die Bagger hinter der Großkölnstraße am Seilgraben vor. Die seit 1999 leerstehenden und mittlerweile völlig vergammelten ehemaligen Pfeiffer-Immobilien an der früher florierenden Einkaufsstraße zwischen Markt und Hotmannspief werden jetzt abgerissen.

Die Häuser mit den Nummern 57 bis 63 legt der Investor nieder. Die List-Gruppe baut hier auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück ein Hotel, das im Untergeschoss viel Platz für Einzelhandel bietet. 700 Quadratmeter sind für einen Lebensmitteldiscounter reserviert.

Leitungsschaden zum Abrissstart: Ein Bagger hatte brandneue Glasfaserleitungen auf der Rückseite der alten Pfeiffer-Immobilien durchtrennt. Gestern standen die Abrissarbeiten dann still. Foto: Robert Esser

Im September vergangenen Jahres hatte die List-Gruppe den Kauf der Immobilien bestätigt. Die List-Gruppe geht auf einen Maurerbetrieb zurück und hat nach eigenen Angaben in über 100 Jahren Geschäftstätigkeit „mehr als 3000 Projekte erstellt“. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Handelsimmobilien. Das Hamburger Architekturbüro „Prasch Buken Partner“ und der Investor werben für ihr Bauvorhaben im Rahmen der „Revitalisierung der nördlichen Innenstadt“ Aachens. So wird 2019 — also 20 Jahre nachdem die letzten Blusen und Röcke im Pfeiffer-Haus über die Theke gingen — wieder Einzelhandel ins neue Erdgeschoss einziehen. Die List-Gruppe hat in anderen Städten bereits diverse Rewe-Märkte realisiert. In den oberen Etagen ist ein Hotelbetrieb mit rund 130 Zimmern vorgesehen.

Zunächst waren Bauprojekte an bauordnungsrechtlichen Vorgaben der Stadt gescheitert — darunter der geplante Hotelneubau des Hamburger Investors Ludger Inholte Projektentwicklung (LIP) Anfang 2017. Er wurde gekippt. LIP bestand damals auf einen zusätzlichen Staffelgeschoss für den massiven Hotelneubau; angeblich ging es um einen Höhenunterschied von knapp zwei Metern — so dass die Vision des Hotelbaus von 148 auf 135 Zimmer abgespeckt werden sollte. Was den potenziellen Investoren angesichts des von P&C aufgerufenen Verkaufspreises zu wenig rentabel erschien.

Die List-Gruppe kalkuliert offenkundig anders. Erst überzeugte man die politischen Fraktionen des Stadtrats, ebenso Oberbürgermeister Marcel Philipp, der das Projekt „Wiederbelebung der Großkölnstraße“ zur Chefsache erklärt hatte. Dem Oldenburger Investor reichen rund 130 Zimmer.

Die List-Gruppe wird das Grundstück zwischen Großkölnstraße und Seilgraben zu 100 Prozent bebauen. Als Mieter für die vier Obergeschosse konnte nach Informationen des Branchenmagazins „Deal“ die Economy-Hotelkette B&B Hotels gewonnen werden. Nach Angaben von Michael Garstka, Geschäftsführer von List Develop Commercial, soll die Errichtung des Hotelkomplexes mit Einzelhandelsflächen nach dem Abbruch nur rund zehn bis zwölf Monate dauern. Dass am Freitag ein Abrissbagger erstmal Glasfaserleitungen vor dem Gebäude an der Flanke zum Seilgraben zerstörte, ist dabei nur eine schnelle Randnotiz.