Oberforstbach: Pfarreirat Oberforstbach setzt sich für junge Flüchtlinge ein

Oberforstbach: Pfarreirat Oberforstbach setzt sich für junge Flüchtlinge ein

Am Anfang machten sich Skepsis und Widerstand breit. In der Tannenallee in Oberforstbach, in bester Wohngegend, tauchten plötzlich acht junge Flüchtlinge auf, wohnen dort seitdem mit sechs Betreuern in einem Einfamilienhaus.

Die Nachbarschaft befürchtete zunächst, dass ihre Häuser im Wert fallen werden, wenn Flüchtlinge in unmittelbarer Nähe untergebracht sind. Sorgen gab es aber auch bei den Betreuern von „Kaspar Xchange“ bezüglich der Akzeptanz des Hauses in dieser Umgebung.

Die Wende hin zum Positiven kam durch den Pfarreirat Oberforstbach-Schleckheim. Dieser ergriff die Initiative und klärte auf. Dr. Christina Engels hatte eine Idee dazu: So gab es statt der üblichen Predigt im Gottesdienst von ihr etwas Neues. Sie richte in einem Vortrag Worte des Verständnisses an die Gemeinde. In der Tannenallee 33 seien unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingezogen, von denen sie gerne erzählen möchte. „Man hörte mir aufmerksam zu“, erinnert sich gemeinsam mit Pfarreiratsmitglied Michaela Nießen.

Die Jungen kommen aus Krisengebieten im Nahen Osten und aus Afrika, waren ein Jahr lang allein unterwegs, wurden von Polizei und Bundesgrenzschutz aufgegriffen, haben in ihren Heimatländern Schreckliches erlebt. „Das Haus in der Tannenallee ist die erste Anlaufstelle für die Flüchtlinge, hier können sie sich nach langer Zeit sicher fühlen, sich satt essen und ausschlafen“, so Dr. Engels.

Die Ärztin hatte beruflich häufig schon mit solchen Flüchtlingen zu tun, sie könne den positiven Eindruck von diesen Jungen, wie andere Ärzte auch, nur bestätigen. „Das sind keine gewaltbereiten Salafisten, keine IS-Kämpfer und auch keine Taliban.“ Der Pfarreirat hat sich spontan entschlossen, dien jungen Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. „Wenn wir ihnen begegnen, sollten wir ihnen zeigen, dass sie hier bei uns willkommen sind“, sagen Engels und Nießen. Spontan seien 1000 Euro gespendet worden, obwohl man gar nicht um Spenden gebeten habe. Die „Predigt der etwas anderen Art“ sei gut angekommen, habe Anstöße zum Positiven gebracht.

Erfreulich sei auch, dass die Nachbarschaft der ganzen Sache nun wohlwollender gegenüber stehe. Ein erstes Treffen im Rahmen einer „Offenen Tür“ habe stattgefunden, man sei beeindruckt gewesen, was die Jungen alles erzählt, gekocht und gebacken hätten. Alle acht haben einen Platz in Regelklassen verschiedener Schulen; einer erlent den Schreinerberuf und geht zur Berufsschule.

Trotzdem freuen sich die jungen Menschen und die Betreuer vor Ort über weitere Unterstützung, wie Engels und Nießen berichten.Wichtig wären Sprachunterricht in Deutsch, Kochunterricht und vieles mehr. Gebrauchte Fährräder seien ebenso willkommen wie die Möglichkeit, in Sportvereinen aktiv zu werden.

Christina Engels und Michaela Nießen äußern noch einen ganz besonderen Wunsch: Gerade im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik müssen die kleinen Gemeinden vor Ort bestehen bleiben. „Das möchte ich gerne den Verantwortlichen im Bistum und unserem Bischof Heinrich Mussinghoff sagen, wir brauchen Seelsorge und Sozialarbeit mit Gesicht und eben keine anonymen Großgemeinden mit bürokratisierter Seelsorge“, betont Engels.