Aachen: Peter Wackel lässt buchstäblich die Sau raus

Aachen: Peter Wackel lässt buchstäblich die Sau raus

Als Ballermann-Star Peter Wackel mit seinem Partyhit „Joana“ buchstäblich die Sau rauslässt, geht‘s im Saal tierisch zur Sache. Der weit überwiegende Teil des Publikums singt bei der „Öcher Fastelovvendsschau“ frenetisch mit, weil der Stargast der Prinzengarde sein Bühnen-Handwerk versteht.

„Party, Palmen, Weiber und n Bier“, „Sch... drauf — Karneval ist einmal im Jahr“: Stimmung bis zum Siedepunkt, Polonäse im Eurogress. Nur wenige reifere Gäste im Publikum fingern ihre Hörgeräte aus den Ohren und legen sie demonstrativ auf den Tisch. Stummer Protest. Mallorca-Bierkönig-Flair und Öcher Karneval — das passt nicht für jeden perfekt.

Bei der Prinzengarde umjubelt: Steffen Peter Haas alias Peter Wackel hat unter den Aachener Karnevalisten ganz offensichtlich viele Fans. Foto: Andreas Schmitter

Über vier Stunden reiht Prinzengarde-Kommandant Dirk Trampen — der wie gewohnt eine beeindruckende Zahl von Ehrengästen ohne Moderationskärtchen komplett auswendig begrüßt — Höhepunkt an Höhepunkt. Bloß die einzige Comedy-Nummer „Emmi und Herr Willnowsky“ aus dem hohen Norden hat‘s im Westzipfel schwer. Ihre Gags zünden kaum, was wohl auch der wiederum sehr höhenlastigen und damit teils kaum verständlichen Akustik im großen Europa-Saal geschuldet ist. Der Nachhall der großflächigen Wandwaben ist fürs Sinfonieorchester abgestimmt. Das ist toll für geigende Streicher, aber schlecht fürs „Hurra tsching bum“. Es will einfach nicht saftig klingen.

Ballermann oder „Hurra tsching bum“: Die Show der Prinzengarde — hier das Tanzpaar Janine Wolff und Sandro Gallazini, oben rechts Mallorca-Star Peter Wackel, unten rechts die 4 Amigos — setzt auf schmissige Programmnummern und viel Stimmungsmusik. Das kommt beim Publikum bestens an. Foto: Andreas Schmitter

Tollen Sound zaubert trotzdem die Live-Kapelle der Prinzengarde am Bühnenrand. Sagenhaft sicher wirbelt das Tanzpaar der Prinzengarde — Janine Wolff und Sandro Gallazini — übers Parkett. Apropos rhythmischer Augenschmaus: Die Mädchen der Fauth Dance Company tanzen tatsächlich über die Tische des Publikums, und das Tanzcorps Kölner Rheinveilchen katapultiert einzelne Tänzerinnen bis unter die Hallendecke — sensationelle Akrobatik. Das hat echt Schmiss.

Süße Sängerinnen: Die Mädchen-Gruppe Colör reiste aus Köln an. Foto: Andreas Schmitter

Musikalisch überzeugt die Band „Wir sind spitze“ aus der holländischen Provinz Limburg mit einem Mix aus Pop-Schlager und Volksmusik. Die Mädchen-Truppe „Colör“ kokettiert als erfolgreichste Kölner Frauenband auf der Aachener Bühne gekonnt mit Prinzengardisten im Öcher Rampenlicht. Grandios gefeiert werden die 4 Amigos Uwe Brandt, Stefan Beuel, René Brandt und Dietmar Ritterbecks. „Alaaf, der Öcher Schäng“: Die Bude bebt. Und das Quartett stimmt für Stimmungssänger Kurt Christ sogar noch spontan ein Geburtstagsständchen an. Das hat Klasse, ist feinster Fastelovvend Öcher Machart.

Souveräner Gastgeber: Prinzengarde-Kommandant Dirk Trampen. Foto: Andreas Schmitter

Große Ausstrahlung beweist Aachens neuer Narrenherrscher Thomas II. mit seinem Hofstaat bei „seiner“ Prinzengarde, die ihn ja in dieser Session zu rund 300 Auftritten begleitet. Strahlend bedankt sich Thomas III. dafür mit einem mitreißenden Medley und dynamischer Tanzchoreographie. „Met Ski ajjen Föss d‘r Brand eraf, der klenge Prenz fiert Oeche Alaaf!“ lautet sein Motto. Dass der alpine Prinz einen Riesenspaß im weiß-goldenen Ornat hat, merkt man in jeder Sekunde seines Auftritts — tosender Applaus.

Sagenhafter Tänzer: Prinz Thomas III. Jäschke und sein Hofstaat. Foto: Andreas Schmitter

Nach Mitternacht feiert die Prinzengardenfamilie ausgelassen im Eurogress-Foyer bis in den Morgen — mit Livemusik der „Wheels“ und der Band „Nyne“. Es wird viel getanzt — weil der Sound endlich „saugut“ klingt. Auch ohne Joana.