Aachen: Peter van den Brink: „Ich liebe Sie alle!“

Aachen: Peter van den Brink: „Ich liebe Sie alle!“

Nach allen Regeln der Kunst hat sich Peter van den Brink am Dienstag im Kulturausschuss selbst zerlegt. Der sonst so selbstbewusste Direktor von Suermondt-Ludwig-Museum (SML) und Couven-Museum backte unter dem Tagesordnungspunkt „Vorstellung des Fünf-Jahres-Plans“ bemerkenswert kleine Brötchen — er kämpft verzweifelt um seinen Job. Sein Vertrag läuft Ende 2014 aus.

Und die Kritik an ihm wächst. Eigentlich sollte der Kulturausschuss Dienstagabend über die hoch dotierte Personalie abstimmen. Das Votum wurde vertagt. Dafür stellte dann — statt van den Brink — die städtische Marketing-Expertin Dr. Jutta Göricke ein professionelles Konzept vor, das dem SML-Museum an der Wilhelmstraße zu neuer Wirkung und vor allem mehr Besuchern verhelfen soll.

Wie lange bleibt Peter van den Brink noch Chef im Suermondt-Ludwig-Museum? Die Anwort wurde vertagt. Foto: Michael Jaspers / Harald Krömer

Etliche Verspätungen

Van den Brink — seit 2005 Museumsdirektor in Aachen — hätte seinen „Fünf-Jahres-Plan 2013-2017“ ursprünglich schon vor knapp zwei Jahren präsentieren müssen. Verhindert hätten dies zuletzt langwierige Krankheiten, von denen seine Ehefrau und er selbst betroffen gewesen seien, erklärte der niederländische Kunsthistoriker.

Allerdings wiederholte der 57-Jährige in seinem Vortrag auch erstaunlich häufig, dass er in den vergangenen Jahren ohnehin kaum an seinem Arbeitsplatz in Aachen präsent war. „Ich war ein Superkurator, fehlte aber als Direktor — das hätte nicht passieren dürfren“, sagte er. Van den Brink jettete begeistert um den Globus, um Kunstwerke für Ausstellungen einzuwerben — vernachlässigte dabei aber den Job „zu Hause“.

Er entschuldigte sich am Dienstag gleich mehrfach bei den Fachpolitikern, die über seine Zukunft entscheiden, und seinen Mitarbeitern: „Ich liebe Sie alle!“ Dutzende hatten im sonst bei Ausschusssitzungen eher verwaisten Zuschauerbereich des Konferenzsaals im Verwaltungsgebäude an der Mozartstraße Platz genommen. Sie hörten ihren Chef reihenweise Sätze wie „Mea culpa, das werde ich ändern, wenn ich die Chance dazu bekomme“ und „Ja, das war ein Fehler!“ sagen.

Die neue Kulturdezernentin Susanne Schwier durfte in ihrer ersten Aachener Kulturausschusssitzung dann mitanhören, wie CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck eilig erbat, kritische Diskussionen hinter verschlossene Türen zu verlegen. Schließlich nehme ja nach der Sommerpause die von den Grünen angestoßene Museumsstrukturkommission ihre Beratungen auf. Er empfahl in der öffentlichen Ausschusssitzung, „den Blick nach vorne zu werfen“.

SPD-Politikerin Sibylle Reuß nahm van den Brink ebenfalls in Schutz, erklärte aber zumindest, dass „wohl noch ein schweres Stück Arbeit vor unserer Nase liegt“. Deutlicher kanzelte Aida Beslagic (Grüne) den Museumschef ab, der zuvor Stichworte für die in seiner Amtszeit erworbene „internationale Anerkennung“ des SML und Zahlenkolonnen mit bis 2011 auf 39 936 gekletterten Besucherzahlen in einer längst überholten Grafik auf eine Leinwand projiziert hatte.

„Warum tauchen in dem Vortrag die Besucherzahlen 2012 und 2013 nicht auf? Die haben sich doch fast halbiert“, wunderte sich die Ratsfrau. Sie warf ihm vor, er präsentiere „das Gleiche“ wie vor zwei Jahren. Ohnehin: Mehrere Politiker monierten, sie hätten die Unterlagen zum Tagesordnungspunkt viel zu spät erhalten.

Ob van den Brink die nun nach etlichen Verzögerungen sogar bis zum Jahr 2021 angekündigten thematischen Schwerpunkte im Suermondt-Ludwig-Museum realisieren darf, ist offen. Sein Programm war am Dienstag Nebensache. 2014: „Forever young — Dennis Stock“, 2015: „Die Sammlung Thomée-Marks“, 2016: „Balthasar van der Ast“ und „Alfred Rethel“, 2017: „Aelbrecht Bouts und die Geheimnisse der Werkstattpraxis“ sowie „Meister Dietrich und Dürer“, 2018: „Die Sammlung Barthold Suermondt“, 2019: „Trionfi“, 2020: „Dürers Tagebuch“, 2021: „Die Kölner Skulptur im 15. und 16. Jahrhundert“.

Unklar bleibt, ob van den Brink eine Rolle bei der Neupositionierung und Profilschärfung des SML spielen kann. Um im Bild zu bleiben: Nach allen Regeln der Kunst hat er‘s sich schwer gemacht — und verließ gezeichnet den Saal.

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