Städteregion: Partnerkreis in Polen: Eine Zusammenarbeit über 800 Kilometer hinweg

Städteregion : Partnerkreis in Polen: Eine Zusammenarbeit über 800 Kilometer hinweg

Einerseits den Strukturwandel bewältigen, und andererseits immer strenger werdende Umweltschutzvorgaben einhalten: Die aktuellen Herausforderungen des polnischen Landkreises Jelenia Góra und der Städteregion Aachen ähneln sich in vielen Belangen.

Da liegt es nahe, sich das Eine oder Andere voneinander abzuschauen. Denn auch wenn die beiden Regionen geografisch knapp 800 Kilometer voneinander trennen, wollen sie in Zukunft enger zusammenarbeiten.

Die Partnerschaft besteht zwar bereits seit 1990, sollte aber durch den mehrtägigen Besuch einer polnischen Delegation in der vergangenen Woche wieder neu belebt werden. Geht es nach Städteregionsrat Helmut Etschenberg, ist das auch gelungen. „Es war ein Tag der Arbeit, an dem die Teams zusammengewachsen sind“, sagte er bei der Abschlussveranstaltung im Energeticon in Alsdorf. Zuvor hatte die Delegation aus mehreren Fachbereichen mit ihren hiesigen Kollegen künftige Möglichkeiten des Austauschs ausgelotet.

Anna Konieczinska, die Landrätin von Jelenia Góra, sah etwa Potenzial in den Bereichen Abfallwirtschaft und Verbesserung der Luftqualität. „Smog ist bei uns ein großes Problem, da unsere Region in einem Tal liegt und in vielen Häusern noch immer veraltete Heizungen in Betrieb sind.“ Auch in Bezug auf den dortigen Nationalpark Riesengebirge sei der Umweltschutz besonders wichtig, und da könnten deutsche Erfahrungen vor dem Hintergrund strengerer EU-Vorgaben hilfreich sein, betonte sie.

Als Teil der Euroregion Neiße im Grenzgebiet von Polen, Tschechien und Deutschland hat Jelenia Góra mit der grenzüberschreitenden Wirtschaft eine weitere Gemeinsamkeit mit der Städteregion. So durfte auch ein Besuch im Eurode Business Center in Herzogenrath nicht fehlen. „Zwar verläuft die Grenze dort mitten durch den Gebäudekomplex, aber in Wahrheit ist sie längst verschwunden“, sagte Dorota Wyrwa von der polnischen Delegation für Schule und Bildung. Solche Konzepte der sprichwörtlichen Zusammenarbeit sowie etwa das duale Ausbildungssystem seien in ihrer Gruppe auf starkes Interesse gestoßen.

Auch Jolanta Baginska, die für den Fachbereich Soziales und Jugend angereist war, nahm bleibende Erfahrungen von ihrem Besuch mit. Die Exkursion führte sie etwa zum Stadtteilbüro Haus Setterich in Baesweiler und zu einem integrativen Kindergarten. „Ich fand diesen Ansatz sehr interessant, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind, und ihre Stärken ganz individuell zu fördern.“ Wie Erwachsene und Kinder hier in vielen Belangen zusammenarbeiteten, wurde sie geradezu poetisch, sei ein „Tor zur Freiheit“ in ein gutes Leben.

Solche Erfahrungen und auch konkrete Maßnahmen wie Austauschprogramme für Auszubildende und Studierende sollen das Band zwischen Jelenia Góra und der Städteregion künftig festigen. Das sind auch immer wieder kleine Schritte auf dem Weg der europäischen Integration, wie Ralf Kahlen, Erster Beigeordneter der Stadt Alsdorf, sagte: „Denn wohl kaum ein anderer Bereich in Europa wird so praktisch gelebt wie die Partnerschaft zwischen Städten und Regionen.“