Aachen: Parken 2.0: Online-System besteht bei der EM den Härtetest

Aachen: Parken 2.0: Online-System besteht bei der EM den Härtetest

Parkzettelchen abreißen war gestern: Die Apag setzt seit neuestem bei Großveranstaltungen auf ein völlig neues Online-Parksystem. „Mir ist nicht bekannt, dass es so etwas schon in anderen Städten Deutschlands gibt“, sagt Apag-Chef Herbert Sliwinski nicht ohne Stolz.

Nach einer ersten Proberunde zum Weltfest des Pferdesports Ende Mai regelt das hochmoderne mobile Parkticket- und Parkleitsystem nun schon seit knapp zwei EM-Wochen alle Autos samt Fahrer zu einem freien Plätzchen. Der Einsatz der ausgefeilten Technik hat vielerlei Vorteile: für den parkplatzsuchenden Kunden, für die Parkwärter vor Ort und das Management im Hintergrund.

Und so funktioniert‘s: Kunden, die dieser Tage mit dem Pkw in die Soers fahren wollen, können bereits im Vorfeld im Internet ein Ticket für den Turniertag und das gewünschte Parkareal reservieren, bezahlen und sich das Ganze bequem daheim ausdrucken oder aber auf dem Smartphone abspeichern. Vor Ort sind die Parkwärter mit insgesamt 25 speziell programmierten und witterungsfesten Outdoor-Handys sowie mit Mini-Druckern, die wie ein Pistolenhalfter am Gürtel hängen, ausgestattet.

Nun können alle, die mit einem Online-Ticket in der Hand auf eine der 17 Parkflächen rund um die Soers rollen, flott gescannt werden, das Auto abstellen und per Aseag-Shuttle zum Turnierplatz fahren. Das Besondere an dem ganzen technischen Aufwand: Alle 25 Geräte kommunizieren ständig miteinander und leiten die Informationen auf einen Server. So können die Parkplatzmanager der Apag jederzeit prüfen, wie es um die Belegung der Flächen bestellt ist und gegebenenfalls bei Engpässen die Autofahrer zu freien Parkplätzen lotsen. Entwickelt hat das Programm die Aachener Agentur Mecca, die seit Jahren eng mit der Apag bei IT-Fragen kooperiert.

Sliwinski und seine Mitarbeiter können aber noch mehr: Über einen großen Flachbildschirm in der Zentrale flimmern Diagramme und Tabellen, die das Herz eines jeden Statistikfans höher schlagen lassen. So werden unter anderem in Echtzeit sogar die Akkuleistungen der Smartphones angegeben, die auf den für die Zeit der EM angemieteten Parkflächen rund um die Soers im Einsatz sind.

Eine Weltkarte zeigt an, aus welchen Ländern Menschen online ein Parkticket gebucht haben. Wie viele Autos sind in den vergangenen 15 Minuten auf P18 — der „Knastwiese“ — angekommen? Ein Klick und die Infos erscheinen auf dem Schirm. Effizienz lautet das Stichwort. „Vor allem die Abrechnung hat sich für uns damit erheblich vereinfacht“, erzählt Sliwinski.

Letztlich geht es aber vor allem darum, bei Großveranstaltungen wie der Reit-EM die Verkehrslenkung zu verbessern. Und dazu gehört nun mal auch, dass Besucher schnell und unkompliziert einen Parkplatz finden. „Mit dem sportlichen Geschehen haben wir ja nichts groß zu tun. Aber wenn das Parken und der Shuttle-Tranfer zum Gelände funktioniert, kommt der Kunde zufrieden zur Veranstaltung“, weiß Aseag-Sprecherin Anne Linden.

Zehntausende haben die Möglichkeit des Online-Parktickets zur EM bisher bereits genutzt. Gekostet hat das neue System laut Sliwinski eine „niedrige fünfstellige Summe“. Eine Investition, die sich, das sind sich alle Akteure einig, auszahlt. So kommt es künftig nicht nur bei Alemannia-Spielen, Veranstaltungen wie der Euregio-Wirtschaftsschau und den „Öcher Wies‘n“ zum Einsatz, sondern die Apag möchte das mobile System auch außerhalb von Aachen für Events anbieten.

Aber auch ohne Online-Ticket ist Parken in der Soers zur EM natürlich weiterhin möglich — direkt beim Parkwärter des Vertrauens. So viel Tradition muss sein.

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