Aachen: Parkchaos am Melan-Flohmarkt: Nur die Politessen trödeln nicht

Aachen: Parkchaos am Melan-Flohmarkt: Nur die Politessen trödeln nicht

Als Helmut B. nach einem ausgiebigen Bummel über den Melan-Trödelmarkt am Sonntagnachmittag mit prallen Plastiktüten voller Schnäppchen zurückstiefelt, relativiert sich die Sache mit dem Sparen ganz schnell. Vor seinen Augen rollt sein Auto vorbei - auf der Ladefläche eines Abschleppwagens.

Das kostet rund 80 Euro, plus Knöllchen. Weil am Sonntag ungezählte Besucher des Melan-Trödelmarktes auf dem Parkplatz eines Supermarktes an der Breslauer Straße sämtliche Parkregeln ignorierten, griffen die Ordnungsbehörden durch. Während Melans Kunden entlang hunderter Stände zwischen Schund und Schnäppchen stöberten, mussten Polizei und Politessen nicht lange suchen, um fündig zu werden. Zig Parksünder blockierten die rechte Spur der Schnellstraße Richtung Josefskirche trotz rot-weißem Flatterband. Geparkt wurde in der Böschung, auf Rasenflächen, Bürgersteigen - sogar unmittelbar vor Feuerwehrzufahrten und an der Autobahn-Zufahrt (!) am Berliner Ring.

Das Verkehrs- und Parkchaos gibt es einmal pro Monat rund um den Supermarkt-Parkplatz im Aachener Osten. Insgesamt organisiert Melan rund 400 Trödelmärkte pro Jahr. Nach Veranstalterangaben strömen regelmäßig 10.000 bis 15.000 Menschen zu den kommerziellen Flohmärkten - bislang offenbar ohne umfassendes Verkehrs- und Sicherheitskonzept.

Melan-Geschäftsführer Volker Weitz kennt das Problem: „Die Leute fahren lieber 20 mal um den Block als fünf Meter zu Fuß zu laufen”, sagt er. Es gebe schließlich - abgesehen von dem gesperrten Parkplatz eines anderen Einkaufszentrums in unmittelbarer Nähe an der Elsassstraße - offizielle Parkplätze am Aseag-Gelände an der Neuköllner Straße. Der Eigentümer des näheren Parkplatzes hingegen weigere sich, seine Stellflächen zu den Melan-Märkten zu vermieten, heißt es. Was nicht nur die Autofahrer ärgert. „Wir beobachten das regelmäßig: Verkehrsregeln werden konsequent missachtet. Und das Ordnungsamt kann ja auch nicht überall sein. Die Anweisungen unserer Mitarbeiter werden oft ignoriert, die Aggressionen kochen da oft hoch”, erklärt Weitz.

Der Geschäftsführer der „Melan macht Märkte Veranstaltungs GmbH” wünscht sich mehr Ordnungskräfte - abgesehen von seinem zehnköpfigen Organisationsteam und acht ehrenamtlichen Verkehrskadetten. Deren Leiter Michael Günter nimmt seine Einsatzkräfte in Schutz: „Wir kontrollieren die Hauptzufahrt, können die Autos aber nicht wegzaubern. Natürlich bitten wir Falschparker, ihr Auto regulär abzustellen. Aber den meisten ist das völlig egal.”

Wer allerdings nicht nur ein Fünf-Euro-Knöllchen bezahlen, sondern tiefer in die Tasche greifen muss, um sein Gefährt zurück zu bekommen, dürfte vielleicht beim nächsten Mal mehr Rücksicht nehmen. Am Sonntag wurden zig Knöllchen geschrieben, auch die Polizei schaltete sich vor Ort ein.

Vor allem die Feuerwehrzufahrten konnten mit Hilfe des Abschleppdienstes schnell von der Blechblockade befreit werden. „Angesichts der Erfahrungen vom Sonntag werden wir mit Sicherheit bei kommenden Trödelmärkten noch mehr Präsenz zeigen”, erklärt Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke auf AZ-Anfrage. Der Veranstalter indes müsse dafür Sorge tragen, dass seine Absperrmaßnahmen mit Flatterband etc. auch ausreichen.

Ordnungsamt, Verkehrskadetten und der Veranstalter Melan hoffen überdies, dass künftig mehr Besucher mit der Aseag zu den großen Trödelmärkten anreisen. Außerdem führen Radwege entlang der Breslauer Straße Richtung Flohmarkt-Gelände. Helmut B. zuckt mit den Schultern. „Wie soll ich denn auf dem Rad den ganzen Kram und die Einkaufstüten transportieren?”, fragt er, flucht und macht sich auf den Weg zur Haltestelle, um sich einen Bus zu schnappen.

Von der Stolberger Straße bis zum Abschleppdienst Peters, Grüner Weg, kostet das Aseag-Ticket 2,50 Euro. Auch ein Schnäppchen.

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