Kornelimünster: Pädagogisches Angebot mit viel Freiraum

Kornelimünster: Pädagogisches Angebot mit viel Freiraum

„Wenn ich mit zehn Freunden zu Hause spielen will, kippt Mama um.“ Jannic (9) weiß genau, was er seiner Mutter zumuten kann und was nicht. Deshalb trifft er sich mit den Freunden lieber im offenen Kinder- und Jugendtreff „Inda-House“. Seit einem Jahr ist am Schulberg 18 zwei Mal in der Woche geöffnet. Drei Stunden spielen, basteln, toben, Musik hören, quatschen... „Uns vergnügen“ nennt es Jannic.

Mit dabei sind Kim Borno und Asya Stobbe. Die beiden Studentinnen der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule (KatHo) sind als Honorarkräfte angestellt. Sie öffnen mittwochs und donnerstags um 17 Uhr die Türen des „Inda-House“ hinter dem Bezirksamt — zunächst für Kinder ab sechs Jahren. Von 18.30 bis 20 Uhr kommt die Zeit der Zehn- bis 14-Jährigen.

„Anfangs hatten wir uns auf Jugendliche eingestellt. Aber die waren bereits anders orientiert. Jetzt können die Kinder hineinwachsen“, sagt Asya Stobbe. Tatsächlich hat Kornelimünster ein breites Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche. Sportvereine und Musikschule sind vor Ort. Aachen ist nicht fern. „Trotzdem hat ein offener Treff als Ergänzung gefehlt“, meint Dorothee Kellert, Vorsitzende des Nachbarschaftsnetzwerks „Indella e.V.“. Und Volker Gadeib, ebenfalls bei „Indella“ engagiert, ergänzt: „Hier verfolgen die Kinder kein Ziel. Sie können kommen und gehen, wann sie Lust haben. Sie können das spielen, was sie wollen.“

Der Verein hat den Jugendtreff vor einem Jahr reaktiviert — mit wohlwollender Unterstützung der Bezirksvertretung. „Die Kommunikation klappt gut“, findet Gadeib. Die Trägerschaft liegt übergangsweise noch beim früheren Betreiber JuB Brand (Jugend- und Begegnungshaus Brander Feld), da „Indella“ erst noch als Träger der freien Jugendhilfe vom Jugendhilfeausschuss anerkannt werden muss. „Wir sind aber auf einem guten Weg dahin“, erklärt Kellert.

Mit der Nachfrage sind Borno und Stobbe bereits zufrieden. „Natürlich ist hier weniger los, wenn das Wetter gut ist. Der Donnerstag ist schwächer als der Mittwoch, weil Donnerstag viele Kinder Fußballtraining haben“, erläutert Stobbe. Aber egal, wie viele kommen — auf die beiden jungen Frauen ist Verlass: „Wenn nur ein Kind kommt, spielen wir eben mit einem“, nennt Borno ein wesentliches Merkmal der offenen Jugendarbeit.

Zeit zum Spielen — die haben die beiden Studentinnen, anders als oft die Eltern. „Die Standard-Antwort von Eltern auf die Frage ihrer Kinder, ob sie miteinander spielen können ist: ‚Nicht jetzt‘ oder ‚ja, gleich‘“, weiß Gadeib, Vater zweier Töchter, aus Erfahrung. „Diese Antworten geben Kim und Asya nie. Hier gibt es ein grundsätzliches Ja zum Spielen.“

Das weiß auch Jannic zu schätzen. „Und zu Hause habe ich natürlich auch keinen Billardtisch.“

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