Pächter Accor gibt Luxushotel Quellenhof in Aachen auf

Aachener Luxushotel verliert Pächter : Accor gibt den Quellenhof auf

Wenn nicht bald ein neuer Pächter gefunden wird, geht Ende des Jahres im Aachener Luxushotel Quellenhof das Licht aus. Der Vertrag des Pächters Pullman – die Marke gehört zum Hotelriesen Accor – für das Fünf-Sterne-Haus an der Monheimsallee wird nicht verlängert.

Er wird zum 31. Dezember 2019 aufgelöst. Entsprechende Informationen unserer Zeitung hat das Hotel am Donnerstag bestätigt.

„Ja, das ist Fakt“, sagt Quellenhofdirektor Walter Hubel. „Wir trennen uns ins Freundschaft, es hat einfach nicht mehr gepasst“, erklärt er. Seit über einem Jahr liefen die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Nobelherberge, der Familie Jagdfeld mit ihrem Unternehmen Deutsche Immobiliengruppe mit Sitz in Düren. Jetzt ist Schluss.

In den kommenden Wochen sollen die Verhandlungen mit anderen Interessenten – darunter offenbar auch die Kölner Dorint-Gruppe, übrigens ebenfalls mit einem Dürener als Geschäftsführer – intensiviert werden, heißt es. Ansonsten sähe es für die Zukunft des herrschaftlichen Baus in Aachen düster aus.

Ziel des Eigentümers und des jetzigen Betreibers ist natürlich ein reibungsloser Übergang des Hotelbetriebs mit einem neuen Pächter. Sobald das Haus geschlossen werden müsste, würden horrende Verluste auflaufen – zumal das „Hochfahren“ eines vormals geschlossenen Hotels noch weitere Summen verschlingen würde. Dazu soll es nicht kommen.

Die Belegungszahlen jedenfalls sind unter der Federführung von Direktor Hubel hervorragend. Über 55.000 Übernachtungen zählte man zuletzt in rund 50 Einzelzimmern, 128 Doppelzimmern und zwei Präsidentensuiten mit 110 beziehungsweise 144 Quadratmetern. Tendenz steigend. Doch ein großer Knackpunkt ist, welcher der neuen Partner wie viele Millionen Euro für notwendige Investitionen übernimmt. Diese benötigt das altehrwürdige Gemäuer ab dem kommenden Jahr dringend.

1999 hatte die Familie Jagdfeld den neoklassizistischen Bau – im Jahr 1916 nach den Entwürfen von Carl Stöhr errichtet – aufwendig saniert. Seitdem zählt das edle Hotel insgesamt 181 Zimmer und Suiten. Das Luxus-Problem: Man müsste über mehr Doppelzimmer verfügen, um das Haus – das vor allem im Messe-, Tagungs- und Konferenzgeschäft stark von Geschäftsreisenden angefragt wird – zeitgemäß und effektiv zu vermarkten.

Hubel hofft auf einen neuen potenten Pächter. Foto: ZVA/Michael Jaspers

„Gerade dieses einzigartige Ensemble hier am Kurpark, mit dem benachbarten Eurogress und demnächst zusätzlichen Tagungskapazitäten im sanierten Kurhaus anstelle des Spielcasinos, eröffnet hier großartige Zukunftsperspektiven“, sagt Hubel. Doch bis die Stadt das Neue Kurhaus am Park für 40 bis 50 Millionen Euro ab Herbst 2020 in Schuss bringt, muss Jagdfeld einen neuen Partner gefunden haben. Sonst wird’s noch teurer. Auch im Eurogress laufen Umbauarbeiten an – zum Beispiel für neue Künstlergarderoben. Billig ist das alles nicht.

Übernachtungen im Pullman Quellenhof kosten derzeit zwischen 118 und über 400 Euro. Doch die Einrichtung müsste nach Einschätzung von Experten nach 20 Jahren überholt werden. Dazu könnte dann auch ein neuer Zuschnitt mit weniger Einzelzimmern kommen – was wiederum erhebliche Investitionen bedeuten würde. Ursprünglich verfügte der Quellenhof über 250 Gästezimmer, von denen 16 Baderäume mit eigenem Thermalwasseranschluss versehen waren.

Apropos: Nach der gelungenen Hotelrenovierung vor 20 Jahren wurde das Parkhotel Quellenhof für den international begehrten Hotel-Oscar „Trophées Hermès“ nominiert und konnte sich tatsächlich nach dem weltberühmten „Le Majestic“ in Cannes platzieren.

„Das stilvolle, fernöstlich inspirierte Design des 2002 umgebauten Kurmittelhauses des Quellenhofs in ein anspruchsvolles, modernes Konferenz-, Wellness- und Beautycenter wird höchsten, internationalen Ansprüchen gerecht“, hieß es damals schon. Doch nicht nur der „Royal Spa“-Bereich mit Innenpool, Saunalandschaft, Fitnessraum, Beautykabinen und Behandlungszonen verlangt nach neuen Investitionen.

Da sind auch noch eine großzügige Lobby mit Entrée, die Kaminhalle, eine Teehalle, die Hotelbar „Elephant-Bar“ im Kolonialstil und eine Bar mit asiatischen Designelementen, das Hotelrestaurant „Brasserie“ mit Sonnenterrasse sowie zwei Private-Dining-Räume und zwei große Ballsäle. Das Volumen ist gewaltig.

Hoteldirektor Hubel hält eine Sanierung beziehungsweise Renovierung im laufenden Betrieb für machbar. Er verfügt über entsprechende Erfahrung. Doch erst müsste ein neuer Pächter das vielköpfige Hotelpersonal und deren Chef übernehmen. Auch hier sind andere Größenordnungen als bei einem Drei-Sterne-Haus im Spiel.

Allein das Personal zählt etwa vier Mal so viele Fachkräfte wie ein konventionelles Touristenhotel. Hubel jedenfalls sieht Licht am Ende des Verhandlungstunnels. „Ich fühle mich in Aachen wohl, würde gerne hier bleiben“, sagt er. Als Letzter das Licht auszumachen, kommt für ihn kaum in Frage.

Mehr von Aachener Zeitung