Aachen: Packt Zollmuseum Koffer für Köpfchen?

Aachen: Packt Zollmuseum Koffer für Köpfchen?

Mindestens so offen wie die Schlagbäume zwischen Horbach und Hauset erscheint die Zukunft eines kulturhistorischen Mauerblümchens, das mit einigem Aufwand allerdings zu ungeahnter Blüte gebracht werden könnte.

Das Zollmuseum am ehemaligen Grenzübergang Locht soll jetzt unter ganz neuen Perspektiven in den Blick der politischen Entscheider gerückt werden.

Denn die durchaus exklusive Sammlung zeitgeschichtlicher Unikate, die seit 1987 im alten Zollgebäude an der Horbacher Straße beheimatet ist, hat reichlich Potenzial zur professionellen Neugestaltung — aber auch eine Menge Probleme. Daher ziehen die städtischen Kulturexperten in Betracht, die Präsentation sogar geografisch neu zu verorten: Sie denken derzeit laut über eine Verlagerung vom „hohen Norden“ in den tiefsten Aachener Süden nach. Jetzt soll geprüft werden, ob ein Umzug in eine ehemalige Abfertigungsstelle an der Eupener Straße in Köpfchen sinnvoll und machbar wäre.

In einer umfangreichen Vorlage für die nächste Sitzung des Kulturausschusses (Donnerstag, 26. Februar, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) hat der Kulturbetrieb die Situation sowie mögliche Optionen detailliert dargelegt. Knackpunkte: Das ehemalige Zollhäuschen in Locht, erbaut 1933, müsste in großem Umfang saniert werden. Schon aus brandschutztechnischen Gründen, heißt es im Papier der Verwaltung, sind dort derzeit nur Gruppenführungen möglich.

So müsste die Präsentation, die seit rund anderthalb Jahrzehnten von den Heimatfreunden des Heydener Ländchens ehrenamtlich betreut wird, sowohl inhaltlich als auch technisch neu organisiert werden. Alles in allem handele es sich gleichwohl um ein einzigartiges Kompendium von allemal überregionaler Bedeutung, das eine Vielzahl kurioser Stücke und spannender Dokumente vor allem aus den Hochtagen der Schmuggler kurz nach dem Zweiten Weltkrieg enthalte. „Wie in einem Spiegel“, heißt es beinahe euphorisch, reflektiere die Sammlung so „die Geschichte der europäischen Integration — und zwar in ihrem innersten Kern: der Friedenssicherung durch Überwindung der nationalen Grenzen“.

Die Heimatfreunde freilich können einer Verlagerung auf die andere Seite der Stadt überhaupt nichts abgewinnen. „Nichts spräche dagegen, hier in Horbach zu investieren“, betont Manfred Kuckelkorn, Vorsitzender des Vereins und SPD-Ratsherr. Immerhin sei das Haus, das seit 1997 unter Denkmalschutz steht, anders als das Objekt an der belgischen Grenze im Besitz der Stadt, und die Besucherzahlen könnten sich mit bis zu 1500 Gästen pro Jahr schon heute durchaus sehen lassen.

Aus Sicht der Verwaltung gäbe es indes „gute Gründe“, beide Standorte zu prüfen. So sei eine Konzentration der Ausstellung in Horbach einerseits durchaus möglich. Andererseits weise das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Zollhäuschen in Köpfchen, errichtet 1938 und anno 1953 um eine große Abfertigungsrampe erweitert, ein viel attraktiveres Umfeld auf.

Die grenzüberschreitende Kulturinitiative „Kukuk“ residiere seit Jahren gleich vis à vis an der Eupener Straße, überhaupt sei „die Gesamtanlage eines großen Grenzübergangs hier anders als in Horbach noch vorhanden“. Der legendäre Westwall befinde sich einen Steinwurf entfernt, das alte Zollgelände sei im Zuge der Euregionale 2008 zudem zum Ausgangspunkt einer Vielzahl von bestens genutzten Wanderwegen zwischen den Staaten erkoren worden.

Völlig offen bleiben hier wie dort allerdings die finanziellen Aspekte. Fest steht lediglich, dass der Landschaftsverband die Neukonzeptionierung der Sammlung mit 10.000 Euro unterstützen würde — und dass auch in Köpfchen erhebliche Sanierungsarbeiten erforderlich wären. Überdies müsste die Stadt das Objekt, das die Aachener Architekten Hans-Peter Dollmann und Heinz Werden vor zwei Jahren vom Bund übernommen haben, mieten oder erwerben.

Letztere stünden einer Kooperation in Sachen Kulturgeschichte grundsätzlich durchaus positiv gegenüber, erklärte Dollmann auf Anfrage. „Bislang gibt es allerdings nur eine vage Absichtserklärung“, so Dollmann. „Wir müssen erst einmal abwarten, ob die Stadt das Haus wirklich haben will.“